Trip
in den ganz hohen Norden - auf zur Traumerfüllung am Außenposten
russischer Kultur und Zivilisation in der Arktis, Juni 2014
Kopenhagen (Amager,
Kastrup) - Oslo Gardermoen - Longyearbyen - Nybyen - (Esmarch Gletscher) -
Barentsburg - (Grumant) - Eidsvoll
Tag1
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Tag1:
Die Reportage auf Spiegel Online war es vor roundabout fünf-sechs Jahren, die meine Träume verändert und maßgeblich für diesen irren Trip in die Arktis verantwortlich zu machen ist. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt allerdings auch der am letzten Tag des Nizza-Trips im vergangenen Herbst von SAS erhaltene Kompensations-Fluggutschein in Höhe von insgesamt 250,-€, der bei der Buchung der Flüge zur Traumerfüllung eingelöst wurde und den zu entrichtenden Ticketpreis erträglich gestaltet hat. Gebucht habe ich bereits im Spätherbst 2013. Das Routing: HAJ - CPH (mit fast sieben Stunden Aufenthalt) - OSL - LYR und wieder zurück (auf dem Rück-Routing warten dann fast fünf Stunden in Oslo auf mich). Es zählt also nicht nur das Ankommen am Sehnsuchtsort, sondern bereits der Weg dorthin. An dieser Stelle eine Karte zur Veranschaulichung der Flugroute für dich.
Der Weg ist also Teil des Ziels und so freue ich mich an einem Samstag im Juni des Jahres 2014 bei bestem Wetter auf eine gelungene Auftaktasselei in der dänischen Hauptstadt. Oder aber an dessen Stadtrand, mal sehen. Meine bessere Hälfte ist so gütig und bringt mich, gestern erst aus den USA zurückgekommen, mit dem gemeinsamen immer betagter agierenden Benz zum Airport. Das Aufgabegepäck bringt stolze 22,9 Kg auf die Waage - da kann man durchaus von einer Punktlandung sprechen - und wird komplett bis Spitzbergen durchgecheckt. Sauber, ein Stressfaktor weniger. Scheint mir. Mehr dazu in Oslo.
Der Abschied fällt schwer und so besteige ich schweren Herzens die Propellermaschine. Beim vorabendlichen Webcheckin waren noch reihenweise freie Plätze verfügbar. Umso mehr staune ich über die exorbitant hohe und so nicht für möglich gehaltene Kapazitätsauslastung auf dem Flug von Hannover nach Kopenhagen-Kastrup (CPH). Die Propellermaschine, meine erste, flashed mich kaum. Aber das verglichen mit einem Jet niedrige Reisetempo begeistert mich, zumal die Sicht formidabel ist. Lüneburger Heide, Lauenburg, Lübeck, Travemünde, Priwall, Puttgarden, Rödby und die dänische Südsee zaubern mir aus der Vogelperspektive ein Lächeln auf die Lippen.
Während ich also die echt schöne Landschaft von oben herab vorbeiziehen lasse, lege ich mich auf Option A fest. Option B wäre ein Trip mit der Bahn nach Schweden in die Stadt Malmö gewesen. Bei dem Wetter jedoch will ich, zumal mir Kopenhagens Innenstadt bereits wohlbekannt ist, einfach nur Sonne tanken und in der Ostsee baden. Eine kurze finale Tb-Asselei wäre das Sahnehäubchen. On verra. Ich wähle also Option A und verlasse das Terminal. Petrus meint es gut mit mir und bestärkt mich bei meinem Entschluss, einfach nur die Sonne, den Strand und die tolle dänische Atmosphäre zu genießen.
Beim Landevorgang kann ich sogar den Spotter-Treff Flyvergrillen (Wiki-Pic) sehen, der für mich und meine Belange jedoch nicht in Frage kommt.
CPH, Terminal am Flughafen
Kastrup aka Kopenhagen
Vom Terminal aus halte ich mich Richtung Brücke nach Malmö. Wäre auch eine Option gewesen, Malmö. Der Zug rüber nach Schweden hält direkt im Flughafen und braucht bis dorthin läppische roundabout 12 Minuten. Und kostet pro Strecke an die zehn Tacken. Alle Angaben wie immer ohne Gewähr, habe ich aber ansatzweise so in Erinnerung.
Auf dem Weg vom Flughafen
Kastrup (w) an die Ostsee (und zu Netto)
CPH, Terminal am Flughafen
Kastrup aka Kopenhagen
CPH, auf dem Weg vom Flughafen
Kastrup aka Kopenhagen an den Ostseestrand (via Netto Supermarkt)
Da ist er, der Flughafennetto
kurz vor der Brücke nach Schweden, der täglich geöffnet ist
Eine Horde vermeintlich (weil naheliegend) schwedischer Sauftouristen scheint heuschreckenartig über das Biersortiment hergefallen zu sein. Mist, ein-zwei kühle Carlsberg oder Tuborgs, bekannt aus den heißgeliebten Olsenbande-Filmen (Karte der Dreh-Schauplätze, w), wollte ich mir durchaus mit Blick auf die Brücke reinziehen und nun sind alle Regale leergefegt. Ohne Beute verlasse ich den Laden und latsche weiter. Soll wohl nicht sein heute, egal.
Havne Hytten, Kastrup
Eigentlich brauche ich gar nichts mehr einzukaufen, da ich von daheim einiges Mampfmaterial am Start habe. Und damit meine ich nicht nur die Fischdosen, die Fertiggerichte, das Dosenbrot oder die megageile Glasflaschen-Coke mexikanischer Abfüllung, handimportiert aus Chicago (alles im aufgegebenem Gepäck), sondern die gestern noch fix gebratenen mediteran gewürzten Frikadunsen samt Brötchen dazu (im Handgepäck, in der neuen Hüpferlitasche verstaut). Eigentlich. Der Zufall will es, dass ich an der erstbesten Kreuzung hinter der Kastruper Havne Hytten einen auf schwedische Kundschaft ausgerichteten Alkohol-Shop entdecke. In dem ich zwei Carlsberg, zwei Tuborg und ein Maribo Pils (würg!) in gut gekühltem Zustand erwerbe. VISA wird akzeptiert, sauber, denn DKK habe ich keine dabei.
Auf dem Weg vom Alk-Dealer zum Strand komme ich an einem der meinerseits so verehrten dänischen Briefkästen vorbei und muss unweigerlich an gute alte Zeiten denken. Ich sag´nur: Bagenkop, Svendborg, Sonderborg, Vejle und Römö... . Schön war´s immer!
Fragt nicht weshalb, aber
ich liebe die dänischen Briefkästen!
Nach dem Einkauf latsche ich straight gen Küste und freue mich über die mich unweigerlich positiv beeinflussenden lokalen Vibes. Im Duty Free Shop im Ankunftsbereich habe ich der Carlsberg Reklame entnommen, dass die Dänen the "Happiest People On Earth" sind. Glaube ich gern.
Unterwegs in Kastrup
Unterwegs in Kastrup
Erinnerungen an Bagenkop
poppen auf...
Schnellen Schrittes marschiere ich durch den Hafen an den Strand, wo ich das bereits auf Googlemaps erspähte Holzungetüm entdecke. Ist ein Seebad-Pier mit Toiletten in der Mitte und besonders bei den Teenies sehr beliebt. Die coolen Boys hüpfen gekonnt ins Wasser und die Bunnies schauen verlegen und zugleich voller schwärmender Bewunderung zu. Baggerplatz! Noch einmal 17 sein... . Das die Däninnen optisch was können, ist kein Geheimnis.
Strandleben vor den Toren
Kopenhagens
Am Strand finde ich ein schönes Plätzchen und lasse mich nieder. Mein erstes Bad in der Ostsee seit dem September 2013 überrascht mich positiv. Zum einen ist das Wasser super sauber und klar, zum anderen, quasi als Bonus on top, ziemlich warm für Mitte Juni. Wärmer als der Lake Michigan vor drei Tagen jedenfalls definitiv. Poser-Modus aus? Geht, ist halt Fakt.
Balzplatz der Kopenhagener
Vorstadtjugend
Nach dem erfrischenden Bad lasse ich mich von der Sonne verwöhnen und genieße den Style, das Strandleben um mich herum. Ich kann es nicht richtig beschreiben, aber die Atmosphäre ist einfach nur genial. Typisch dänisch. Gelassen, friedlich, lebendig, liebenswürdig, sozial, fröhlich und entspannt. Ach ja, Dänemark (seufz)! Ein spitzenmäßiges Land mit überwiegend tollen Einwohnern und extrem hoher Lebensqaulität. Dort würde ich mich sicher auch pudelwohl fühlen. Und mein Pudel auch.
Strandleben in Amager,
Kopenhagen
Nach einem weiteren Bad in der Ostsee ziehe ich luftgetrocknet weiter. Und finde einen idealen Asselplatz mit Blick auf die Öresundbrücke. Fülle Seiten, tanke Sonnenenergie und registriere, dass ich mich mitten in einem sogenannten Trip-Highlight befinde.
Kastrup: das Tb vom Onepounder
in Stratford und die neue Hüpferlitasche in vollendeter Harmonie verieint
Einige Dinge ändern sich offenbar nie. Auch heute, im "Jetzt und Hier" ist die Zeit wie von Goethe so treffend beschrieben mal wieder arg flüchtig. Wie gern würde ich in einen fliegenden De Lorean steigen und Zeit gewinnen. Viel zu schnell ist die berühmt-berüchtigte letzte Asselstunde angebrochen. Seufzend packe ich meine Sachen zusammen, klappe das Tb zu und gehe zurück zum Terminal des Airports CPH (w).
Øresundsbroen (w)
Kastrup: Den
Blå Planet wäre bei miesem Wetter auf alle Fälle eine
Top-Option gewesen
Bye bye! I´ll be
back (map)!
An der SiKo ist wenig los und so flutsche ich nach circa zehn Minuten locker durch. Irritiert ist der Monitor-Watcher von den beiden Dosen in der neuen Hüpferlitasche. Ob ich so doof bin, Flüssigkeiten im Handgepäck zu transportieren? Nö. In den Dosen ist Brot, Pumpernickel (w). Lecker. Habe allerlei Kram dabei um die Kosten vor Ort auf Spitzbergen so gering wie möglich zu halten. Das meiste im Aufgabegepäck. Aber da ich wie bereits erwähnt bei 22,9 Kg angekommen bin, musste das Brot von Aldi Nord (2x 500g) halt in die neue Hüpferlitasche.
Der Flug nach Oslo ist zu fast 100% ausgebucht. Krass. Habe dennoch einen bereits gestern ausgewählten Fensterplatz. Lehne meine Rübe an die Wand, knacke und nehme zwischendurch den lausigen Gratis-Drink, Tee, mit.
Oslo Gardermoen Airport
In Oslo bin ich recht verpeilt unterwegs. Für einen "domestic flight transfer" soll ich mein Aufgabegepäck vom Band nehmen, zum Zoll gehen und wieder durch die SiKo in den Abflugbereich. Also warte ich am Gepäckband, doch leider fehlt von meiner Tasche jede Spur. Ich frage die Tante vom SAS-"Service"-Desk und bekomme die Info, das Svalbard als internationale Destination geführt und mein Gepäck durchgereicht wird. Sauber! Um 21h geht der SAS-Flug von Oslo nach Spitzbergen.
Svalbard
Longyearbyen
LYR - gelandet!
Ich verpenne diesen gekonnt, erwache erst beim Erreichen des Archipels und staune beim Verlassen des Jets in LYR (w) nicht schlecht. Es ist warm und sonnig! Und das mitten in der Nacht, gegen Mitternacht! Das alles am nördlichsten Verkehrsflughafen der Welt (!)!
LYR - gelandet!
LYR - gelandet!
Am Gepäckband
warte ich ewig und drei Tage auf meine Tasche. Will sie als vermisst melden
und stelle mich am Luggage-Desk an. Sehe die Tasche herumliegen und frage,
ob ich sie mir einfach so greifen darf. Darf ich. Allerdings bekomme ich den
Hinweis, dass irgendetwas ausgelaufen sei. Schöne Bescherung. Wird schon
nicht so übel sein wie damals in Venedig, als sich 500g Tzatziki über
den Tascheninhalt verteilt haben. Hoffe ich. Greife die Tasche und hetzte
zum Bus, der mit laufendem Motor abfahrtbereit herumsteht. Es gibt keinen
ÖPNV auf Spitzbergen (in Barentsburg scheinen jedoch Busse von Trust
Arctigupol Locals von a nach b zu chauffieren), aber zu den Ankunfts. und
Abflugszeiten der Flieger von und nach LYR verkehren Busse. Rotzfrech aufgerufene
60 NOK sind für die knapp 7Km bis Nybyen, wo sich die Herberge meines
Budgets (keinesfalls meines Vertrauens), das Gjestehuset
102 befindet, zu entrichten. Das über all die Jahre so liebgewonnene
und vielerorts anscheinend akzeptierte Blackticket ist leider vollkommen unbrauchbar
auf Spitzbergen, da der Driver (jedenfalls in LYR) nicht nur Driver sondern
auch Kohleeintreiber in Personalunion darstellt. Im Flughafen LYR gibt es
keinen Geldautomaten, deshalb hatte ich vorsorglich bereits in Oslo eine Menge
Knete gezogen. Unnötig. Auf Spitzbergen kann alles, so auch das Busticket,
mit Karte bezahlt werden.
In wenigen Stunden,
bereits um 8:30h werde ich zum Barentsburg-Trip abgeholt werden. Um 0:45h
erreiche ich das Gästehaus. Für die paar Stunden genügt eine
Pritsche im 4er Dorm. Dachte ich. Bereue ich. Mit drei Backpackern teile ich
die lausige Bude und bin froh, am Ende überhaupt ein paar Stunden Schlaf
abgekriegt zu haben. Nachdem ich das Taschenchaos ansatzweise beseitigt habe.
Ein ausgelaufener Liter H-Milch ist ziemlich uncool, Leute. Die drei Raumteiler
hängen noch im Aufenthaltsraum ab und schauen Argentinien gegen Bosnien.
Ich haue mich aufs Bett und versuche, schnellstmöglich ins Dreamland zu reisen. Was gegen 2h, weshalb auch immer, gelingt. Die Raumteiler haben sich bei deren Rückkehr in das chaotische Zimmer über das neue muffelnde Viech gewundert und dennoch leise und rücksichtsvoll verhalten. Wow! Dafür werde ich mich in wenigen Stunden erkenntlich zeigen.
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