Trip in den ganz hohen Norden - auf zur Traumerfüllung am Außenposten russischer Kultur und Zivilisation in der Arktis, Juni 2014
Kopenhagen (Amager, Kastrup) - Oslo Gardermoen - Longyearbyen - Nybyen - (Esmarch Gletscher) - Barentsburg - (Grumant) - Eidsvoll
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Tag5:

Früh am Morgen schnappe ich mir eine Gemeinschaftsdusche und genieße das meditative Niederprasseln der warmen Wasserstrahlen auf meine Rübe. Dabei starre ich debil die Wand an und denke an nichts. Starre Löcher in den Duschvorhang und lass das Wasser einfach laufen. Vergesse Zeit, Raum und Zustand und komme nach circa zehn Minuten wieder auf sdie Erde zurück. Okay, genug der freakigen Aktivitäten. Ausgiebiges Zähneputzen (auch unter der Dusche) und ab ans Buffet, welches ich so gut es geht plündere. Zurück auf der Bude falle ich in ein mentales Loch und weiß nichts mit mir und der Situation anzufangen. Schneeregen, grauer unheilschwangerer Himmel und im Prinzip alles von Longyearbyen schon gesehen. Was nun? Einfach einen Plastikhocker besorgen und unter die laufende Dusche setzen? Stundenlang, so wie damals auf dem Lakolker Campingplatz mit der Chipkarte der HH-Mädels? Nee, das kann es doch auch nicht sein, hatte ich ja auch schon. Hm. Ich pflanze mich auf den Stuhl in meinem gemieteten Loch und starre Löcher in die Landschaft. Ich könnte ins Museum oder in die Schwimmhalle gehen, bin aber a) lethargisch und habe b) almählich die Nase gestrichen voll davon, hier so einen riesigen, unverhältnismäßigen Haufen Kohle zu lassen bzw. den Haufen noch weiter gen Himmel wachsen zu lassen. Hm, das WWW ist bis in die Abendstunden (24h lang) bereits bezahlt. Also ziehe ich mir Unterhaltung aus den Weiten des Webs rein und schaue ab und zu, ob der Himmel sich bessert. Damit ich wenigsten einen kleinen Spaziergang machen kann. Zack, da sind wir nämlich schon bei einem weiteren, mir die Laune verhagelnden Problem, dem der Eisbärengefahr. Ohne Waffe darf man das Siedlungsgebiet nicht verlassen. Und ich habe bekanntlich keine. Als es zu schneeregnen aufhört, gehe ich vor die Tür und eine drehe eine kleine, viel zu kurze Runde nördlich von Nybyen. Auf das Besteigen eines Gipfels ganz in der Nähe hätte ich bock, traue mich aber nicht alleine. Und da bei dem Kackwetter keine anderen, bewaffneten Wanderer (denen ich mich anschließen könnte) zu sehen sind, bleibe ich in Sichtweite der ehemaligen Grubenarbeiterbaracken, in denen heute die spartanischen Unterkünfte vom Spitzbergen Guesthouse sowie dem Guesthouse 102 untergebracht sind.

Nördlicher Ortsrand von Nybyen / Longyearbyen
Ortsrand von Nybyen / Longyearbyen

Blick auf Nybyen / Longyearbyen
Spitzbergen
Spitzbergen
Blick auf Nybyen / Longyearbyen
Blick auf Nybyen / Longyearbyen

Okay, auch wenn ich ziemlich angepisst von allem bin, muss ich gestehen, dass die Landschaft fasziniert. Ich hätte einen Monat später kommen sollen, Mitte Juli, im Hochsommer. Dann wäre das Wetter tendenziell besser gewesen und ich hätte, anders als heute, im Freien stylish abhängen und Seiten füllen können. So ist es die Kälte gepaart mit erneut einsetzendem Niederschlag, was eine gepflegte Asselei am Schmelzbach unmöglich macht. Die neue Hüpferlitasche leidet darunter mindestens so wie ich, aber was soll ich machen?

Mein treuer Begleiter im hohen Norden (keine Sorge, die altgediente lebt noch und war wenig später als Schönwetterbegleiter mit mir auf Rhodos am Start... )
Mein treuer Begleiter im hohen Norden (keine Sorge, die altgediente lebt noch und war wenig später als Schönwetterbegleiter mit mir auf Rhodos am Start... )

Noch bleiben ein paar Stunden WLan für mich, also ab ins Netz. So ein Mist, dafür bin ich sicher nicht hierher gejettet. Was soll´s.


Spitzbergen (Nybyen: Blick aus der Butze), die letzte handimportierte Mexico-Coke ist fällig

Erbarmungslos endet der Internetvoucher und ich ziehe mir Videokonserven auf dem Laptop rein, ehe ich endlich ins Dreamland drifte. Nebenan hängen paar Leute herum und glotzen Fußball (WM). Zum Glück verschaffen die vorsorglich mitgeführten Ohropax (w) Linderung bezüglich der Lärmbelästigung. Und auch die Schlafbrille leistet gute, treue Dienste. Ohne Ohropax und die Schlafbrille wäre ich hier oben im Norden ziemlich gekniffen gewesen. Gut, dass ich seit einigen Jahren beides auf jeder Reise am Start habe. Gegen 23h gelingt es mir endlich, mich ins Dreamland einzuloggen.

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