Drei Tage, zwei Nächte, eine Person (Tomasz) und null Wind - dafür eine unbarmherzige Hitze...
Fuerteventura im Mai 2012
Tag1 - Tag2 - Tag3

Es gibt immer wieder, sofern man die Preise auf den einschlägig bekannten hin und wieder attraktive Gutscheine ohne Mindestbestellwert heraushauenden Buchungsportalen verfolgt, Angebote, die man einfach nicht ablehnen kann. So blieb mir keine andere Wahl, als den vierten Kanarenkurztrip innerhalb des letzten halben Jahres [nach zweimal Gran Canaria (Playa del Ingles und Maspalomas) und einmal Teneriffa (El Medano)] auf die herrlich endzeitmäßig karge wüstenartige und am dünnsten besiedelte Insel des Archipels namens Fuerteventura einzuloggen und loszujetten.

Tag1:

Ein deutlicher Vorteil gegenüber der in den letzten Jahren so häufig stattgefundenen Rainer-Trips ist, dass es in der jüngeren Vergangenheit wie auch heute von HAJ aus los ging/geht. Um 4:45h wird TuiFly mich nach Fuerteventura bringen. Und das innerhalb von nicht einmal fünf Stunden. Die Route führt von Hannover aus über Stuttgart, Genf, Marseille, Algerien, Marokko und bietet etliche geniale Ausblicke, besonders auf den Hohen Atlas. Pünktlich landet der Jet ohne nennenswerte Vorkommnisse in FUE und schon stehe ich vor dem sogenannten Tour-Operator, um zu erfahren wo denn mein Transferbus auf mich wartet. Dieser hat offenbar ein Problem mit meiner Anwesenheit und will mir verklickern, dass ich keinen Platz im Bus habe weil dieser voll sei. Sein Problem, nicht meins. Wie Pischie Doof stehe ich vor dem Bus und muss warten, bis alle (auch die vollkommen verpeilten, die eine Stunde vom Tour-Operator-Desk bis zum wartenden Bus benötigen) eingetrudelt sind und sieh an, es sind noch zwei Plätze frei. Ich darf mit. Notfalls hätte ich auf ein Taxi zu Lasten des Reiseveranstalters bestanden, klarer Fall. Die Öffi-Verbindung vom Airport Fuerteventura in den Süden nach Jandia (Betonung auf der zweiten Silbe) ist hundsmiserabel. Es fahren vier Direktbusse täglich. Ansonsten muss man erst zum Busbahnhof der Inselhauptstadt Puerto Del Rosario und dort in die Linie 1 umsteigen, die stündlich abfährt. Insgesamt ist man dann bummelige drei Stunden unterwegs (reine Fahrtzeit knapp zwei Stunden). Aber vor dieser Problematik stehe ich nun ja nicht. Ich bin an Bord. Auf geht´s!

Mein Sitznachbar, der freundlicherweise seine Tasche auf den Boden und den Platz somit für mich freigemacht hat, will wissen, was abging und stellt auch so einige Fragen. Leider stinkt er dermaßen aus dem Maul, dass ich beinahe vom Sitz in den Mittelgang falle. So antworte ich nur wenn unbedingt nötig und versuche, die Unterhaltung und sein Mitteilungsbedürfnis strikt zu unterbinden, was mir nach wenigen Minuten glücklicherweise auch gelingt. Während der 45minütigen Fahrt bekomme ich erste Eindrücke von der Insel und bin begeistert. Die Herberge meines Vetrauens liegt am Rand von Costa Calma auf einem Hügel und nennt sich Hotel Cordial Best Age(rs). Mein Zimmer 386 ist bereits bezugsfertig, fein.

Zimmer 386, Hotel Best Age Costa Calma, Jandia, Fuerteventura
Zimmer 386, Hotel Best Age Costa Calma, Jandia, Fuerteventura

Eine nette Geste ist sicher das Willkommensgeschenk des Hauses, welches ich dennoch dankend stehen lasse. Selbst wenn ich billigen Schaumwein prinzipiell mögen würde, dann sicher nicht bei einer Trink- und Außentemperatur von locker 30°C im Schatten. Weiter im Text -äh-Test: TV-Check: perfekt! Ansonsten okay. Leider arbeitet die Klimaanlage nicht so, wie sie es tun sollte und dadurch ist es auch in der Bude schweineheiß. Und wenn ich schweineheiß sage, dann meine ich das auch. Mist! Ich hasse Mist! Ich verdaddel keine Zeit sondern latsche umgehend Richtung Strand zum Hotel Taro Beach (beim Sotavento Strand), wo sich die Fahrrad- Quad- Roller- Motorradvermietung Xtreme befindet und nehme das Bergfahrrad entgegen. Ich leihe es mir für die folgenden zwei Tage aus, zahle meines Erachtens rotzfreche 24,- Tacken (ein Mietwagen hätte mich für die gesamte Aufenthaltsdauer weniger als 37,- Eier gekostet) und fahre nach einem kurzen Stopp am Sparmarkt zum Strand, um mich erstmal mit Mineralwasser aufzupäppeln. Und ein erstes Bad zu nehmen.

Playa de Sotavento, Jandia, Fuerteventura
Playa de Sotavento, Jandia, Fuerteventura
Playa de Sotavento, Jandia, Fuerteventura
Playa de Sotavento, Jandia, Fuerteventura

Alter Schwede, es ist windstill. Und ich dachte, dass auf Fuerteventura der Name Programm wäre. So kann man sich täuschen. Wenigstens habe ich aus meinen letzten Kanarenbesuchen gelernt und für jede Tageszeit das passende Sonnenschutzmittel am Start. LSF 10, 20 und für die Visage 30 führe ich mit mir. Selbstredend schmiere ich mich grob geschätzt mindestens stündlich ein. Vom Strand aus fahre ich mit dem Miet-MTB zum Hotel und bringe den zwischendurch erworbenen 5L-Kanister mit feinem, extrem wohlschmeckendem Mineralwasser der Quelle in Teror (GC) aufs Zimmer. Das aus Meerwasser gewonnene Trinkwasser ist definitiv nicht trinkbar und so schaffe ich vorsorglich schon mal einen gewissen Grundvorrat des in so rauhen Mengen zu konsumierenden Nass auf die Bude. Well done!

Blick auf die Umgebung, vom Zimmer 386, Hotel Best Age Costa Calma, Jandia, Fuerteventura aus
Blick auf die Umgebung, vom Zimmer 386, Hotel Best Age Costa Calma, Jandia, Fuerteventura aus

Gegen 14:15h sitze im Sattel und fahre nach La Pared.


Mein Bike aus dem Stall der Xtreme-Vermietung in Costa Calma - leider mit knartschenden Pedalen, was nergig hoch zehn ist!

Zunächst durch das Randgebiet der Tourisiedlung namens Costa Calma, dann querfeldein und schließlich und endlich entlang der bestens asphaltierten Landstraße. Auf den gesamten fünf-sechs Km von Costa Calma gibt es keinen Schatten. Außerdem geht es zu 4/5 bergauf. Dass ich nichts zu trinken dabei habe, wird mir doch nicht noch zum Verhängnis werden? In La Pared gibt es doch außer den vermuteten Surfschulen auch eine Einkaufsmöglichkeit? Ich hoffe es, denn ich nähere mich schon nach wenigen Minuten im Sattel bedenklich der Dehydration. Diese macht sich bemerkbar durch Kopfschmerzen, Sinnestäuschungen und Vergnarztheit to the max.

Randgebiet von Costa Calma, Fuerteventura: man spricht überwiegend deutsch!
Randgebiet von Costa Calma, Fuerteventura: man spricht überwiegend deutsch!
Jandia - Querfeldein!
Jandia - Querfeldein!
Jandia - Querfeldein!
Jandia - Querfeldein!

Wenigstens habe ich die Straße fast für mich alleine. Es geht zunächst vier Km permanent bergauf durch eine dem Wüstenplanet entsprungene Landschaft, die nirgends ein Fünkchen Schatten spendet. Mir läuft die Schwitze aus allen Poren und ich freue mich schon auf idealerweise medium gekühltes Wasser. Dazu gern eine Büchse Tropical, eine Banane und eine eiskalte Coke (0,2L-Fläschchen, die schmecken am besten). Während des Tretens der Pedale rege ich mich anfangs über das Knacken auf, vergesse dann jedoch recht bald alles störende und genieße die Landschaft, den Style, den Augenblick.

Herrliche Straße!
Herrliche Straße!

Ortseinfahrt La Pared

La Pared

Der Dorfladen von Yolanda ist der einzige in diesem Surfernest. Ich finde ihn sofort und freue mich schon auf die kühlen Getränke. Pustekuchen. Der Mini-Markt in La Pared hält Siesta und öffnet erst wieder um 15:30h seine Pforten. So ein Mist, es ist gerade 14:35h. Ich hasse Mist und gucke dumm aus der Wäsche.

Wut und Trauer wechseln sich ab, der unsäglichen Siesta wegen - na ja, kann froh sein, dass es Yolandas Mini-Markt in La Pared (Fuerteventura) überhaupt gibt
Wut und Trauer wechseln sich ab, der unsäglichen Siesta wegen - na ja, kann froh sein, dass es Yolandas Mini-Markt in La Pared (Fuerteventura) überhaupt gibt

Was nun? Ab ans Meer, das ist der richtige Anfang. Mir fehlen die Worte, den ich stehe vor einem absoluten Traumstrand. Kein Wunder, dass La Pared so ein Surfer Dorado ist. Leider bekomme ich auch beim Waveguru kein Wasser. Ich muss mich abkühlen. Wenn schon nicht von innen, dann von außen. Nichts wie rein in die super-sauberen erfrischenden Fluten des Atlantiks!

Küste bei La Pared, Fuerteventura
Küste bei La Pared, Fuerteventura
Traumstrand La Pared, Fuerteventura
Traumstrand La Pared, Fuerteventura
La Pared, Fuerteventura
La Pared, Fuerteventura
Küste bei La Pared, Fuerteventura
Küste bei La Pared, Fuerteventura

Pünktlich um 15.30h Ortszeit macht der kleine Laden auf. Die ausnahmsweise mal einheimische Angestellte und ich sprechen über das Wetter, während ich im Schatten vorsichtig Wasser trinke. Nicht zuviel auf einmal, sonst dreht der Magen durch, da bin ich mir sicher. Dazu eine leckere kanarische Banane und auf geht´s, zurück nach Costa Calma. Nachdem ich die Hauptstraße und den höchsten Punkt erreicht habe, lasse ich mich an die fünf Km rollen. Ziemlich cool! In Costa Calma entdecke ich ein Wohngebiet, in dem es mir bestens gefällt. Überall Locals, sehr viele Schwatte, authentischer Style. Nirgends deutsche oder englische Schilder. Schlage auf einer hölzernen Asselbank Wurzeln und bleibe bis 18.15h. Heize dann zur Fahrradvermietung Xtreme beim Taro Beach. Bei diesem Wetter machen Wüsten- oder gar Bergtouren einfach keinen Sinn geschweige denn Spaß. Also weg mit dem Zossen. Das bereits im Voraus gezahlte Geld bekomme ich zurück. Unglaublich, aber ein Mietwagen wäre billiger gewesen (erwähnte ich das bereits?). Bis Sonnenuntergang haue ich mich auf eine Liege am Sotavento Strand und genieße den Tagesausklang so, wie es sich gehört.

Shoppingcenter Sotavento Beach, Fuerteventura
Shoppingcenter Sotavento Beach, Fuerteventura
Sotavento Beach, Fuerteventura

Sotavento Beach, Fuerteventura
Sotavento Beach, Fuerteventura
Sotavento Beach, Fuerteventura
Sotavento Beach, Fuerteventura

Zu Fuß latsche ich zurück zum Hotel und ärgere mich über die noch immer ihren Dienst verweigernde Klimaanlage. Egal, nach entspannendem Zapping durch eine Vielzahl deutschsprachiger Sender reise ich gegen 23h Ortszeit ins Dreamland. Zugegeben, recht erschlagen von der Hitze.

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