Nach über zehnjähriger Absenz ist es für Buzz und mich an der Zeit, einen Hotel- sowie jeweils zwei Bahndeals dankbar einzusacken und die Gelegenheit, endlich mal wieder auf den Spuren der Discostyler-Gelhelmträger-Vergangenheit wandelnd nach Groningen zurückzukehren. Und wo ich schonmal auf der Ecke bin baue ich mir noch einen erlebnisreichen, Neuland erschließenden Sightseeinig- und Asselsonntag in den Rückfahrtsrahmen hinein. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen, während unseres
Groningen
Revivals, Januar 2016
Tag1
(Groningen) - Tag2 (Zwolle, Almelo)
Lange liegt der Zeitpunkt der Buchung der Fahrkarten sowie der Hotelübernachtung bereits zurück. Lange zog sie sich zäh wie Kaugummi hin, die Wartezeit bis zum Start der Aktion. Und dann ist es plötzlich soweit, es geht los. Und so reisen Buzz und ich aus unseren Heimatstädten mit der Bahn an, ab Bremen gemeinsam. Lange nicht mehr gesehen und so dauert der Ritt gefühlt wenige Minuten. Ab Leer gesellen sich, allen gängigen Klischees junger NL-Reisende mit Herkunft "D" entsprechend, die ersten Vorzeige-Kiffer in den Schienenersatzverkehrsbus, der wegen einer kaputten Emsbrücke die letzte Etappe bis Groningen fährt. Ach ja, die Klischees. Ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster wenn ich hier verkünde, dass weder Buzz noch ich jemals etwas mit Kiffen am Hut hatten. Kontrolliert wurden wir natürlich dennoch. Unvergessen die Aktion, bei der die Beamten in Bunde entnervt aufgaben und keinen Bock auf das im winzigen Peugeot 205 - Kofferraum auf sie wartende Extrem-Chaos inklusive Schmutzwäschetüten hatten. Aber das ist eine andere Story.
Umgebung des Leerer Hauptbahnhofs



Heute bleibt in Leer lediglich Zeit, kurz die sprichwörtliche Stange Wasser in eine schlecht einsehbare Ecke zu stellen, eine Retour-Fahrkarte nach Bp beim überaus kompetenten Schaltertypen der Bahn zu kaufen und in den Bus nach Groningen zu steigen. Es gibt derzeit zwei verschiedene: einen, der alle Zwischenhalte der Bahnverbindung mitnimmt und einen, der straight durchheizt. Wir haben Glück und erwischen die zweite Variante.
Leer Hbf - am Gleis
Und zack, schon stehen wir wenig später vorm Groninger Zentralbahnhof, Groningen Centraal. Was nun?
Treinvervangend Vervoer - Schienenersatzverkehr: der Bus ist in Groningen angekommen
und spuckt uns aus...
Groningen CS
Wir haben die Option auf ein Leihfahrrad, von der wir jedoch Abstand nehmen. Zum einen sind wir zu knauserig, zum anderen können wir das heute sehr flexibel geplante Pensum auch durchaus zu Fuß bzw. wenn´s zeitlich eng werden sollte unter Zuhilfenahme des ÖPNVs bewerkstelligen. Zeitlich eng könnte es werden, weil a) eine Menge auf dem Zettel steht und b) die Tage im Januar bekanntermaßen kurz sind. Deshalb an dieser Stelle als Orientierungshilfe eine Karte der wichtigsten Stationen unseres revivalmäßigen Rundgangs.
Mega-Tipp: Das Symbol mit dem Pfeil oben links im Kartenrahmen lässt sich übrigens anklicken, um die Bezeichnungen der einzelnen Markierungen angezeigt zu bekommen. Wie das Rein- und Rauszoomen und Umschalten in den Sat-Modus funktioniert setze ich an dieser Stelle einfach mal voraus und hoffe das überfordert nun keinen (?).
"Häh? Nee, wieso, das weiß doch jeder der unfallfrei einen Mauszeiger über den Bildschirm bewegen und ´nen Browser ansatzweise bedienen kann, was soll die dumme Frage?" denkst Du jetzt vielleicht. Junge, was habe ich schon für kuriose Anfragen und Beschwerden zugeschickt bekommen. Wäre auch mal eine eigene Sammlung oder Rubrik auf dieser wohl ohnehin nicht mehr lange existierenden Onlinepräsenz wert, anonymisiert versteht sich.
Groningen CS
Nach zehn Jahren zurück
in Groningen, yeah!
Das Wetter ist, na ja, fast hätte ich es mit "kacke" umschrieben, ausbaufähig. Nennen wir es mal so. Immerhin regnet es nicht. Die Luftfeuchtigkeit jedoch ist extrem hoch, Briten würden es so wie ich mit "Mist" umschreiben. Nur, dass die Briten und ich diesem Begriff unterschiedliche Bedeutungen zuschreiben, versteht sich. Aber auch bezüglich der britischen Begriffsbedeutung muss ich an dieser Stelle erneut betonen, dass ich so wie Biff Tannen "Mist" hasse.
Aber hey, immerhin ist´s windstill und, abgesehen vom "Mist", regenfrei. Einem ausgiebigen Retro-Spaziergang durch Groningen steht somit nichts im Weg.
Nach zehn Jahren zurück
in Groningen, yeah!
Sint Jozefkathedraal
Als erstes empfiehlt es sich, die beiden treuen Begleiter in Gestalt der altgedienten Hüpferlitaschen vorübergehend loszuwerden also tapern wir zum Hotel unserer Wahl bzw. unseres Budgets, dem Hampshire Groningen City Centre. Wieso ausgerechnet diese Bleibe? Ein HRS-Deal bescherte uns in der Vorweihnachtszeit ein verfrühtes Geschenk und so werden im Anschluss an die bevorstehende Übernachtung für Groninger Relationen extrem schmale circa 42,-€ inkl. Steuern fällig sein. Dazu kommt die für unsere Pläne ideale Lage, Dank der wir das pulsierende Herz dieser unfassbaren Partystadt stress- und nahezu zeitverlustsfrei per Pedes erreichen werden, später am Abend. Zukunftsmusik, zurück ins Jetzt und Hier.
Da ist sie ja, die unsere
Bude
Das Zimmer ist noch nicht bezugsfertig aber wir dürfen unser Gepäck an der Rezeption deponieren. Kurz noch die Wasservorräte auffüllen, dann geht´s auch schon wieder los.
Groningen
Die Hauptstadt der gleichnamigen niederländischen Provinz ganz im Norden des Landes zieht uns, wie früher, rasch wieder in ihren Bann. An nahezu jeder Ecke poppen Erinnerungen an überwiegend (besonders retrospektiv betrachtet) amüsante und auch denkwürdige Anekdoten auf. Unmöglich, sie alle in diesem Rahmen aufzuzählen. Und einige, die besonders krassen, verschweige ich der Öffentlichkeit besser. Was in Groningen passiert, bleibt in Groningen. Oder so.
Wie auch immer, unsere Route sieht so aus, dass wir als erstes zum Pannekoek-Schiff gehen und anschließend durch die Hardcore-Partymeile Richtung Grote Markt schlendern.
Rechts das Pannekoekschip,
Groningen (früher ein beliebter Platz, um vorm Betreten der Hardcore-Partymeile
noch ins Wasser zu schiffen und letzten Flüssigproviant zu vernichten)
Wir folgen der Tradition. Und biegen ab in die zu dieser Tageszeit so friedliche Hardcore-Partymeile. Friedlich ist im Sinne von unscheinbar und "stille Wasser sind tief" zu verstehen. Aggro-Stress haben wir hier seltsamerweise trotz der sich hier von Donnerstag bis Samstag durchdrängenden, teils massiv alkoholisierten Massen noch nie mitbekommen.
Ob wir heute Abend Spaß haben werden? Sicherlich. Aber ob wir auch unserem inzwischen biblischen Alter entsprechend passende Läden finden werden, steht in den Sternen. So ist er halt, der Lauf der Zeit. Wenigstens kann uns niemand vorwerfen, nicht genug aus dem goldenen Disco-Zeitalter, bei uns grob zwischen 1995 und 2010, herausgeholt zu haben. Unvergessen unsere allwöchentlichen WE-Trips. Unter anderem auch, richtig, nach Groningen.
Zu dieser Tageszeit friedliche
Groninger Hardcore-Partymeile
Seitenstraße "Achter
de Muur" der zu dieser Tageszeit so friedlichen Groninger Hardcore-Partymeile
Von unseren früheren Besuchen haben wir für heute zwei-drei Locations auf dem imaginären Zettel: das Molly Malones, die Bar Players und das Drie Gezusters am Grote Markt. Und schon können wir die erste Option streichen. Das Molly Malones, in dem zuletzt die sich in NL großer Beliebtheit erfreuenden Skihüttenparties statt fanden, existiert nicht mehr.
Tomasz vorm ehemaligen Molly
Malones
Epizentrum Groninger Nachtlebens
Epizentrum Groninger Nachtlebens
Gesetzt der Fall einer von euch will sich selbst vom krassen Nachtleben Groningens überzeugen und nun wissen, wo dieses denn eigentlich exakt zu lokalisieren ist hier die passende Info: einfach ab 22h zum Grote Markt gehen und treiben lassen. Und nicht darüber wundern, dass die Leute eine Menge Kohle für Snacks aus einem der vielen an unterschiedlichen Orten bereitstehenden Fressautomaten ausgeben. Haben wir früher auch hin und wieder gemacht, obwohl das Preis- Leistungsverhältnis gelinge gesagt mies ist. Die Locals scheinen das anders zu sehen und so bilden sich häufig lange Schlangen vor den Futterluken.
Einer der vielen an unterschiedlichen
Orten bereitstehenden Fressautomaten
Donnerstags (Donderdag = Stoedentenavond) und samstags ist übrigens mit Abstand am Meisten los. Freitag ist am Erträglichsten. Wie jetzt? Nun, besonders donnerstags war es selbst für unseren Geschmack oft dermaßen brechend voll, dass wir in keinen einzigen Laden mehr reingepasst haben bzw. reinpassen wollten.
Soviel zum Thema Nachtleben
in Groningen
Partystraße in Groningen
Blick zur nebelverhüllten
Martinikerk
Wil E. C.
Die eine oder andere abgefuckte
Ecke (irgendwie Glasgower Hinterhof-Style, schoß Buzz und mir jedenfalls
vor Ort sofort und simultan in den Sinn) hat auch Groningen zweifelsfrei zu
bieten
Zurück auf der Partymeile
Nr.1, Blick gen Grote Markt: rechts die Party-Option Nr.2 für heute Abend,
die Bar Players
Einer der vielen an unterschiedlichen
Orten bereitstehenden Fressautomaten (FEBO scheint seine Monopolstellung verloren
zu haben)
Partyzentrum Nr. 2 neben
der Poelestraat vom ´t Pannekoekship hoch zum Grote Markt: der Grote Markt
mit u.a. Blauwe Engel, De Tapperij und Drie Gezusters
Eingangsbereich des Blauen
Engels, Groningen
Zehn Jahre ist es her, gefühlt
war es gestern: Tomasz im Eingangsbereich des Blauen Engels, Groningen
Herz der Altstadt Groningens
(w), der
Grote Markt
Direkt in einer vom Grote Markt abgehenden Straße befindet sich nach weniger als hundert Metern die einzige je von mir besuchte innerstädtische Groninger Großraumdisco. Einst das Palace, das stets zu begeistern wusste.
Aus der einzigen je von mir
besuchten innerstädtischen Groninger Großraumdisco, einst das Palace,
wurde das Kokomo
In der Tat rückten wir damals über viele Jahre hinweg recht häufig in Groningen ein und liessen es oft und massiv krachen.
Unglaublich, aber auf dieser
Treppe habe ich mal mit´m FL-P vorm Weggehen abgehangen (wobei es in Groningen
strikt verboten ist, in der Öffentlichkeit alkoholische Getränke zu
konsumieren
Groninger Markttreiben: beliebtes
Ausflugsziel der grenznah lebenden Deutschen und Touristen
Keine Ahnung was das ist
(Du? Schick mir ne Email.)
Einer der vielen an unterschiedlichen
Orten bereitstehenden Fressautomaten (FEBO scheint seine Monopolstellung verloren
zu haben)
Groninger Fischmarkt - an
dem Buzz und ich uns erstmal jeder ´ne fette geräucherte Makrele
gönnen
Groningen wurde übrigens mal (mehrfach?) zur besten Innenstadt der Niederlande gewählt, der hohen Lebensqualität wegen. Knapp 200.000 Einwohner leben hier, darunter circa 50.000 Studenten. Das erklärt neben der Tatsache, dass es hier keine Sperrstunde gibt, das rege Nachtleben rund um den Grote Markt und der Poelestraat. Darüber hinaus sind gemäß Angaben der städtischen Internetseite die Hälfte der Einwohner jünger als ich. Uff. Das sitzt. Ab zu Albert Heijn.
De Korenbeurs, Groningen
(innen drin ist übrigens ein Albert Heijn Supermarkt, der AH Akerkhof)
Ein kurzer Einkauf und ab zurück zum Grote Markt, wo wir dem Angebot herrlicher belgischer Originalfritten nicht widerstehen können und nun schonmal über eine ausreichende Grundlage für einen langen Abend verfügen.
Grote Markt mit Frittenmobil
und Martinikerk
Groningen
Martinikerkhof und
Uni-Gelände (ein Idyll, dass wir seltsamerweise erst 2006 entdeckten)
Martinikerkhof
Oude Ebbingestraat, Groningen
Wir folgen dem klassischen "After-Party-Walk" durch die Oude Ebbingestraat Richtung Korrewegwijk. Nach Überqueren der Gracht "Spilsluizen" sind wir in der Nieuwe Ebbingestraat. Die ganze Zeit über latschen wir an Läden vorbei und staunen darüber, wieviel hier während der Geschäftszeiten so los ist.
Nieuwe Ebbingestraat
Spilsluizen gen Westen
Spilsluizen gen Osten
Druck führt uns zum Nieuwer Kerkhof. Dort lassen wir eben jenen gekonnt ab.
Nieuwe Kerk, Groningen
Ein lurzer Abstecher zum Simplon darf nicht fehlen. Warum? Das Hostel, Kultur- und Veranstaltungszentrum war in einer lange zurückliegenden Silvesternacht letzte Zuflucht für Andy.Rea und mich und lässt umgehend Erinnerungen an damals aufpoppen.
Schon blöd,
wenn man im knappen Partyoutfit in einer kalten Silvesternacht auf dem Weg vom
Parkplatz vor der Polizeiwache Korrewegwijk durch die Nieuwe Ebbingestraat Richtung
Disco "The Palace" (nun wie wir wissen unter dem Namen Kokomo ein
Begriff) gegen Mitternacht feststellt, dass man das Portemonnaie im Auto vergessen
hat, zurückeilt und dann merkt, dass man den Autoschlüssel verloren
hat. Und irgendwie ohne Kohle und warme Klamotten die Nacht hinter sich bringen
muss. Und nicht im ADAC ist. Sondern völlig überfordert. Und das Handy
in einer Tüte durchgeschwitzter Fußballklamotten im Kofferraum versteckt
ist. Und die Pennsachen im Sierra liegen. So wie alles außer den Klamotten
am Leibe auch. Und und und.
Letzten Endes gewährte man uns eine Nacht Asyl im Hostel, wir teilten uns
das Etagenbett im Schlafsaal und waren fertig mit der Welt. Am nächsten
Tag wurde irgendwie der Transport des Ersatzschlüssels von Kiel via Bremen
nach Groningen organisiert. Bis dahin lungerten wir in einem Restaurant herum.
Nachdem wir dem Personal von unserem Dilemma erzählt hatten, bekamen wir
Speis und Trank umsonst. Und Telefongeld. Und echtes, ehrliches Mitleid (so
wie 1996 schon von der Blumenverkäuferin in Haarlem, nachdem ich bei SB
aus der Bude rausgeworfen worden und den Gleisen zu Fuß folgend nachts
von Heemsteede dorthingelatscht war - andere Geschichte). Auf jeden Fall nochmals
Danke dafür. Auch dafür, dass wir stundenlang in der Pizzeria herumhängen
durften. Habe in NL irgendwie immer nur nette Leute kennengelernt und mich in
brenzligen Situationen auf Menschlichkeit verlassen können. Zurück
zu dieser Anekdote, zum Restaurant. Später gingen wir da übrigens
noch paar Mal futtern, entgeltlich versteht sich. Das war jetzt die extremst
gekürzte Fassung, logisch.
Kurz noch eine "brenzlige Situation", die sich zwar nicht in NL, dafür aber in Flandern zutrug, 1995. Ich war unterwegs von Biedenbeek via Antwerpen nach Den Haag, mit dem Hip-Hopper in der Bahn. In Antwerpen stellte ich den Portemonnaieverlust fest und ging zum Bahn-Info-Schalter. Der Typ telefonierte und funkte herum und sagte, dass ich gut zwei Stunden warten solle. Später übergab er mir meine Wertsachen. Perso, Bargeld, alles. Nichts fehlte und die Übergabeaktion lief auch auf einem heute wohl unvorstellbar kurzen Dienstweg ab. Schließlich waren meine Wertsachen bereits auf dem Weg nach Paris und schon kurz vor Gent.
Paar Zeilen auch noch zur bereits erwähnten Blumenverkäuferin. Herbst Mitte der 90er, ich hatte die Nacht nach dem Eklat bei SB und dem damit verbundenen sofortigen Rauswurf an den Bahngleisen Richtung Haarlem schlendernd verbracht und am dortigen Bahnhof angekommen noch eine sehr großzügige Stunde bis zur Abfahrt des Zuges via Amsterdam nach Hause abzuasseln. Übernächtigt und schrott gammelte ich also in einer Bushaltestelle herum und sah ziemlich mies aus. Da fragte mich die frische Ware in die Budenregale räumende Verkäuferun, Typ "rustikale Marktfrau", was mit mir los sei. Ich erzählte kurz was abgegangen war. Sie lachte sich schlapp (Auslöser des Rauswurfs war aber auch zu cool um wahr zu sein, gehört aber echt nicht hierher sondern wenn überhaupt in unter Pseudonym veröffentlichten Memoiren kommerziell veröffentlicht), lud mich in ihre nach frischen Schnittblumen duftende Bude ein, wollte mehr von dem krassen Stunt und meiner abenteuerlichen Mission wissen und versorgte mich. Tee, Kakao, viele belegte Brote und ein super Gespräch später fiel es mir regelrecht schwer, Abschied zu nehmen und wir drückten uns sogar noch, gegenseitig alles Gute wünschend (*hach*). Man, war die cool. Und man, fand die mich cool. Wir mochten uns. Danke für diese unvergessliche Begegnung.
Kurzum: ich fühle mich hier immer sehr wohl und meine Verbundenheit ist über viele Jahre gewachsen. Sicher haben meine Erlebnisse als Osnabrücker Austauschschüler, nennen wir sie mal so (*räusper*), eine Menge dazu beigetragen. Habe die ein oder andere Zeit im NL-Jugendalltag ausschließlich unter Locals sammeln dürfen und davon sehr profitiert. Land, Leute und Mentalität sind mir vertraut, soviel ist mal sicher.
Weiter im Text, zurück ins "Jetzt und Hier".
Blick auf "Het Simplon"
Het Simplon: Hostel, Kultur-
und Veranstaltungszentrum und in einer lange zurückliegenden Silvesternacht
letzte Zuflucht für Andy.Rea und mich
Vom Simplon aus schlendern wir an der Kneipe, in die ich damals immer mal rein wollte, vorbei. Das ehemalige Café Bellevue hat nicht nicht nur den Namen, sondern sich grundliegend verändert. Renoviert, modernisiert, aufgestyled törnt es mich ab. Es ist nun seelenlos und für mich (und Buzz ohnehin) uninteressant. Und so stirbt dieser Mythos ohne dass ich je reingegangen bin, was soll´s.
Kneipe, in der ich schon
immer mal ein Bier trinken wollte heute (Café de Boer)
Gleich um die Ecke von der Kneipe, in der ich schon immer mal ein Bier trinken wollte befindet sich eine Bank. Keine zum Geld abheben sondern eine zum darauf abhängen. Von der aus wir einen Blick auf die Hochschule, die Polizeiwache und das auf dem einstigen Parkplatz entstandene EKZ haben. Wir pflanzen uns und lassen die geschichtsträchtige Umgebung wirken. Wow. Plötzlich sind sie alle wieder da, alle Erinnerungen an damalige Stunts. Längst nicht alle können hier gebracht werden, logisch und bereits erwähnt.
Hochschulgebäude (Hanzehogeschool:
die größte Fachhochschuleinrichtung im Norden der Niederlande), Groningen
(Korrewegwijk)
Modernisierte Korrewegwijk,
schon 2006 erkannten wir kaum mehr etwas wieder
EKZ Korrewegwijk
EKZ Korrewegwijk
So so, alles für eine
suffige Party also...
Blick auf die Hochschule,
Korrewegwijk, Groningen: da werden Erinnerungen wach...
Wer weiß, ob ich nicht vielleicht irgendwann einmal meine Memoiren veröffentliche. Falls dies der Fall sein sollte, werden gewisse Stories mit Sicherheit nicht unerwähnt bleiben. Wie z.B. der verlorene Autoschlüssel in der Silvesternacht Ende der 90er (Andy.Rea), die Drogenrazzia, exzessiver Pizzakonsum und unsere Übernachtung direkt vor der Hochschule (T.L.), die Sessions im Golf der Mutter von der Riemerschlange (Riemerschlange, Hip- Hopper, Holländerinnen), das Einschleichen des Hip-Hoppers durch enge Gitterstäbe in den Hof der Polizeiwache zwecks Wiedererlangung des zuvor über die Mauer gekickten Fußballs (Riemerschlange, Hip- Hopper), die Pennplatzempfehlung des dreisten High-Tech Junkies (Buzz) und viele andere fette Styles mehr.
Wie auch immer. In der Korrewegwijk begann so um 2002 herum der Bauboom und wir mussten in Sachen PKW-Pennplatz größere Radien ziehen. Und Neuland entdecken. Auch diese Gegenden wollen wir uns nun ansehen.
Back to the roots, Groningen
im Januar 2016: Ecke Bloemsingel/Van Kerckhoff Straat
Modernes, landestypisches
und für uns komplett neues, d.h. nach 2006 entstandenes Wohngebiet Nahe
der Korrewegwijk, Groningen
Platform
GRAS (Architekturzentrum)
Stylo!
Hier haben wir einst im PKW
übernachtet, vor der Autovermietung in der Oosterhamrikade, Groningen (man
sieht hier übrigens das Hochhaus, dass 2006 noch nicht existierte und auf
das ich gleich noch zu sprechen komme; vgl. dazu auch das Bild unter diesem
hier... )
Hier haben wir einst im PKW
übernachtet (rechts vor dem Europcar-Gebäude)
Die gute alte Planetarier-Kirche
(Oosterkerk), Groningen
Die gute alte Planetarier-Kirche,
Groningen, 2006
Stylishes Groninger Wohngebiet,
E Tomassen à Thuesslinklaan
Stylishes Groninger Wohngebiet
Das Hochhaus kommt uns
neu vor, ist es jedoch abgesehen von seiner Fassadengestaltung und dem integrierten
Lidl wohl nicht - doch, ist es, habe ich gerade recherchiert (siehe auch Fotovergleich
weiter oben)
Dann erreichen
wir einen unserer absoluten und unangefochtenen Lieblingsasselplätze
Groningens, den wir erst im Rahmen der Besuche nach dem Beginn der Umgestaltung
der Korrewegwijk entdeckten. Weil uns ja der Pennplatz bei der Polizeiwache
genommen wurde. Eine Tür geht zu, eine andere auf, sieht man daran mal
wieder. Auch wenn ich die Weisheit kacke und übertrieben optimistisch
wie naiv finde. Was an diesem Platz so toll ist lässt sich nicht beschreiben.
Einfach eine atmosphärisch schöne, authentisch-bodenständig-unspektakuläre
Gegend. Mit niedrigem PSF, Wasser, Einkaufsmöglichkeiten und PKW-Pennplätzen
in der unmittelbaren Umgebung. Darüber hinaus fußläufig zum
(Party-) Zentrum gelegen.
Saugeiler Asselplatz! Wie
oft und wie hart haben Buzz und ich hier schon abgehangen und Spaß gehabt
(zwischenzeitlich ersetzte Lidl einen stylishen Wohnblock, s.u.)
Aus dem C1000 wurde "Action"
- für uns absolut unbrauchbar
Den C1000 gibt es nicht mehr. So wie das alte Oosterparkstadion (w) im nahegelegenen Wohngebiet, in dem wir damals auch gern mal abends herumgelungert haben (wenn´s geregnet hat). Der FC Groningen (w) ist in ein charakterlos-beliebig-austauschbares Plastikstadion am Stadtrand (Euroborg bzw. "Hitachi Capital Mobility Stadion"; w) umgezogen, traurig aber wahr.
Auch wir ziehen um bzw. weiter. Zum Stadtteil Paddepoel, wo sich das Schwimmbad De Parrell befindet. Ein gutes Stück auf Schusters Rappen, da müssen wir nun durch. Zu schade, dass es bereits dunkel geworden ist.
Bekannter abendlicher Anblick,
Groningen
Das Anarchie-Schwimmbad De
Parrel hat leider schon geschlossen
Unser nächstes Ziel ist also das Schwimmbad "De Parrel" im Stadtteil Paddepoel. Dort gibt es neben dem besagten Hallenbad eine Bücherei (kostengünstige Internetnutzung möglich!), einen Sportkomplex mit zeitweise vorhandener Duschmöglichkeit (sofern man dreist genug ist und sich die Gelegenheit bietet...), eine Schule und gut gepflegte Sportanlagen, auf denen wir einst gern mal eine Runde Tennis oder Fußball gespielt haben. Würde uns auch heute gut tun, zweifelsohne, aber es ist dunkel. Also stellen wir uns nur kurz vor die Schwimmhalle und erinnern uns an die Anarchie, die im Inneren stets herrschte. Wäre cool, wenn es heute noch so abgehen würde während des regulären Badebetriebs. Kinder, die von den Beckenrändern hechten und andere am Rand entlang gehende Badegäste nass spritzen, Ballspiele bei denen Wände als Tore und Banden einbezogen werden und es keinerlei Restriktionen bezüglich der Korrektheit der Badebekleidung zu geben scheint. Und Aufsichtspersonen ihre Runden drehen, die nur in allerkrassesten Ausnahmesituationen eingreifen. De Parrel - das absolute Gegenteil eines durchschnittlichen belgischen (öffentlichen; ich denke da konkret an jenes in Lüttich) Schwimmbads. Es würde sich alleine schon lohnen, einfach einen Platz mit Überblick einzunehmen und die Daueraction gespannt, amüsiert und bestens unterhalten zu beobachten, kein Witz. Okay, relativierend der erneute Hinweis darauf, dass wir nicht wissen, ob es immer noch so abgeht. Kann sich viel verändert haben, wer weiß das schon.
Ganz in der Nähe
gibt es ein EKZ samt Albert Heijn. Viele für uns interessante Artikel
sind für Mitglieder des Bonusprogramms spürbar reduziert. Also
beschliessen wir allen datenschutzmäßigen Bedenken zu Trotz,
Mitglied zu werden und fragen an der Information, was wir dafür tun
müssen. Die Antwort der Angestellten überrascht uns: nichts.
Wir müssen nichtmal ein Formular ausfüllen geschweige denn irgendwelche
persönlichen Daten preisgeben oder so, der Knaller. Wir kriegen einfach
jeder eine Blanko-Karte und schon kann "gespart" werden. Und nebenbei
eine der großartigsten Convenience-Errungenschaften niederländischer
Supermarktkultur in Form kostenfrei und unbegrenzt angebotener Kaffeevariationen
genossen werden. Anders als im vorhin in der Korenbeurs besuchten Ableger,
in welchem der Service entgeltpflichtig war. Pfui. Wir strapazieren das
Angebot ehrlich gesagt über aber das wird Albert Heijn letzten Endes
nicht jucken.
Ausgestorbenes EKZ am Stadtrand
Groningens
Koffiegeflashed latschen wir zurück Richtung Zentrum und steigen spontan in einen Stadtbus. Den 1,5h lang gültigen Fahrschein gibt´s für aktuell 2,-€ bei der Fahrerin. Fix auf die Bude, dressen, Jutebeutel packen und wieder los lautet die Devise. Klappern paar Optionen ab und merken am Grote Markt sowie in der Poelestraat, dass wir mittlerweile unabstreitbar zu den ganz alten Säcken im Gesamtbild der Feiermeute zählen. Ein Ü30-Laden ist entschieden zu lame, ans Kokomo oder das Drie Gezusters brauchen wir gar nicht zu denken und so erhält der alternativlose Players Pub final unseren Zuschlag. Ist auch alles ganz okay. Alt werden wir in dem annehmbaren Schuppen dennoch nicht. Schon um circa drei Uhr in der Früh befinden wir uns im Dreamland. Im (!) Dreamland und nicht nur auf dem Weg dorthin, und das in Groningen. Haben wir früher ganz anders erlebt, klarer Fall.