Langes Wochenende in Kiew, Juni 2015
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Tag2, Samstag

Hm, wann soll ich denn mal aufstehen? Um das Frühstücksbuffet voll mitnehmen zu können und noch genug Zeit für das umfangreiche Tagesprogramm zu haben? Um neun? Neun ist gut! Länger hätte ich auch kaum im Bett liegen bleiben können denn heute wartet das obligatorische Sightseeing auf mich. Und die Sehenswürdigkeiten liegen nicht einträchtig vereint auf der Fläche des sprichwörtlichen Bierdeckels sondern recht weit auseinander, entlang des Dneprs von Süd (Mutter Heimat Statue, Höhlenkloster) über die Mitte (Hidropark in der Mitte des Flusses und Maidan) nach Nord (St. Michaelskloster, Sophienkathedrale etc.) verteilt. Zwischendurch werde ich immer wieder die Dienste der Metro in Anspruch nehmen müssen, das ist klar. Außerdem werden am Abend, das weiß ich jetzt schon, sowohl die Fuß- als auch die Luftschuhsohlen glühen. Erstmal ran ans Frühstück.

Dieses wird in einem tollen, luxuriösen Rahmen aufgebaut. In Buffetform. So liebe ich es. Ich okkupiere einen Vierertisch und verleibe mir eine solide Magengrundlage ein.

Hotel Bratislava, Kiew-Darnytsia: das Frühstück wird in einem tollen, luxuriösen Rahmen aufgebaut
Hotel Bratislava, Kiew-Darnytsia: das Frühstück wird in einem tollen, edel-gediegenem Ambiente serviert

Nach dem Frühstück organisiere ich den Inhalt der Neuen Hüpferlitasche und marschiere zur Metrostation Darnytsia. Auf dem Weg dorthin sehe ich etliche Eulen herumhängen und den Pegel auffrischen. Überwiegend in der für mich immer wieder aufs Neue seltsam anzuschauenden Ostblock-Lungerhaltung, d.h. in der Hocke. Arme Schweine. Morgens um 10h (Hartgas) stürzen sieht nicht gerade nach einem glücklichen Leben aus. A propos Lungerhaltung: die Lungerquote (Anteil derer, die einen anschnorren und mit irgendwelcher Kacke nerven an dem Gesamtpublikum) liegt hier am Stadtrand übrigens bei nahezu 0,0 [bei den Top-Sights sieht die Sache (kaum) anders aus doch dazu später mehr... ].

Wie auch immer, es ist nicht mein Problem also betrete ich den Bahnsteig und sehe die Rückleuchten. Kein Problem, denn keine drei Minuten später kommt das nächste Vehikel. Ja, ÖPNV-Nutzung macht in Kiew echt Spaß. Die Taktungen (auch die der Busse und Straßenbahnen) sind dicht, die Preise vermutlich auch für lokale Relationen fair und die Fahrzeuge allesamt sauber.

Die zur Bewältigung des ehrgeizigen Tagesprogramms unbedingt erforderliche, ausgiebige Planung inklusiver etlicher Abgleiche des Stadtplans und der Metroverbindungen hat ergeben, dass ich ich im Norden der Stadt starte und von Darnytsia via (Umstieg aus der roten in die blaue Linie an der Station Khreshchatyk) zur Station Poshtova Ploscha fahre. Kaum aus der Metrostation draußen stehe ich auch schon vor der Standseilbahn, der Funikuler, die mich hoch auf den Hügel bringt.

Blick auf die Talstation der Standseilbahn, Kiew
Blick auf die Talstation der Standseilbahn, Kiew

Oben angekommen flaniere ich durch einen schönen Park, nehme mir die Zeit und Muße die vielen hübschen Skulpturen anzusehen und genieße die Aussicht über den Dnepr Richtung Nordosten.

Bei Regen ein Top-Asselplatz mit toller Aussicht
Bei Regen ein Top-Asselplatz mit toller Aussicht (die Bank ist übrigens nicht festgenietet sondern läst sich verschieben - deluxe!)
Kiew, Park beim St. Andreaskloster: Top-Aussicht gen Nordost
Kiew, Park beim St. Michaelskloster: Top-Aussicht gen Nordost

Auf der überdachten Bank schlage ich Wurzeln und fülle ein paar Seiten, ehe es am St. Michaelskloster vorbei weiter zur Sophienkathedrale geht.


St. Michaelskloster (w; map)

Kiew: Michaelsplatz
Kiew: Michaelsplatz
Irgendein Ministerium am Michaelsplatz
Irgendein Ministerium am Michaelsplatz
St. Michaelskloster, Kiew
St. Michaelskloster, Kiew
Michaelsplatz
Michaelsplatz
Sophienkathedrale Kiew
Sophienkathedrale Kiew
Sophienkathedrale Kiew
Sophienkathedrale Kiew

Kaum stehe ich vor der Sophienkathedrale (w) und lasse Style und Atmosphäre wirken, werde ich von einer Gammlerin vollgetextet und genötigt, mich mit einer ihrer Tauben fotografieren zu lassen. Erstens hasse ich Tauben und zweitens macht die Alte sich dadurch, dass sie die Dreistigkeit besitzt mich anzugrabbeln, ebenfalls alles andere als beliebt. Ich ignoriere sie zunächst aber sie lässt einfach nicht locker. Ich gehe weiter und sie folgt mir. Mir reicht´s. Ich bleibe stehen, starre direkt in ihre Augen und sage ruhig und maximal bestimmt: "Verpiss dich!". Sie guckt mich an und das das freche Lächeln macht Platz für einen unsicheren, flackernden Blick. Sie hat kapiert, dass sie den Bogen überspannt hat und sagt nichts mehr. Zum ersten Mal seit fünf Minuten ist sie stumm. Und verschwindet. Weise Entscheidung, Taubenalte! Wenig später hat sie eine Gruppe Asiaten an der Angel.


Das nächste Ziel ist die St. Andreaskirche (w), gesegnet mit einer tollen Aussicht.

Aussicht von der Kiewer Andreaskirche
Aussicht von der Kiewer Andreaskirche
St. Andreaskirche
St. Andreaskirche

Links von der Andreaskirche befindet sich aus dieser Perspektive der Andreassteig. Ebenfalls eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt, jedenfalls nach Auffassung verschiedener Quellen im Internet. Also latsche ich eben jenen runter und stelle fest, dass ich das ganze nicht unbedingt sehenswert finde. Für mich ist das einfach nur eine überwiegend kopfsteingepflastert Straße, gesäumt von Souvenir- und Kunstbuden, Cafés und Restaurants.

Andreassteig, Kiew
Andreassteig, Kiew
Andreassteig, Kiew
Andreassteig, Kiew

Andreassteig, Kiew: das geht dann für meinen Geschmack tatsächlich doch noch Richtung Sehenswürdigkeit

Am unteren Ende des Andreassteigs (w) biege ich rechts ab und latsche zurück zur Metrohaltestelle.

Vom Andreassteig rechts abgebogen und schon schaut´s so aus...
Vom Andreassteig rechts abgebogen und schon schaut´s so aus...
Wunderschönes Relikt vergangener Zeiten
Wunderschönes Relikt vergangener Zeiten
Da oben ist sie, die St. Andreaskirche
Da oben ist sie, die St. Andreaskirche

Wieder geht es mit der Standseilbahn hinauf und durch den Park Richtung Denkmal der Völkerfreundschaft (zwischen Russland und der Ukraine).

Nachdem ich den Park durchquere erhasche ich einen ersten Blick auf den Bogen, der die Völkerfreundschaft zwischen der Ukraine und Russland veranschaulichen soll.

Denkmal der Völkerfreundschaft
Denkmal der Völkerfreundschaft (map)

Es geht abwärts zum Historischen Museum und dann wieder ein bischen hinauf. Kiew ist hügelig (kaum zu verwechseln mit dem dänischen "hyggelig"), soviel ist mal sicher.


Rechts das Historische Museum
Rechts das Historische Museum

Vom Historischen Museum ist´s nicht mehr weit zum Bogen. Wenn´s hoch kommt entspannt geschlenderte zehn Minuten zu Fuß.


Denkmal der Völkerfreundschaft (w) aus Titan (!)
Thema dieser Skulptur: die Wiedervereinigung zwischen Russland und der Ukraine...
Thema dieser Skulptur: die Wiedervereinigung zwischen Russland und der Ukraine...
Wenn der Schaustellbetrieb wüsste, wie sehr er mir mit den auf seinem Fahrgeschäft bappenden Begriffen aus der Seele spricht: ja, das ganze ist ein Mega-Trip und gerade hier unterm Bogen habe ich einen regelrechten Flash!
Wenn der Schaustellbetrieb wüsste, wie sehr er mir mit den auf seinem Fahrgeschäft bappenden Begriffen aus der Seele spricht: ja, das ganze ist ein Super-Trip und gerade hier unterm Bogen habe ich einen regelrechten Flash!
Ach ja, das gute Borjomiwasser (wenige Wochen später wird übrigens der nun schon zweite Anlauf eines Georgientrips kläglich scheitern aber das ist eine andere Story... )
Ach ja, das gute Borjomiwasser (wenige Wochen später wird übrigens der nun schon zweite Anlauf eines Georgientrips kläglich scheitern aber das ist eine andere Story... )

Ja, ich bin geflashed, keine Frage. Kiew gefällt mir auf Anhieb. Weniger gut gefällt mir der Umstand, dass ich einfach zu weich bin um mit der Seilbahn "Flying Fox"-mäßig aufs gegenüberliegende Dneprufer zu fliegen. Bock hätte ich total und es ist auch bezahlbar (umgerechnet 20,- € den Dreh), aber ich habe schlicht und ergreifend zuviel Schiß dass irgendetwas schiefgehen könnte. Oder dass ich während des Flugs ohnmächtig werden oder mir in die Hose pissen könnte. Wie auch immer, ich verzichte auf den Action-Flash und sehe stattdessen anderen dabei zu.

Wo ich schonmal auf der Ecke bin, statte ich gleich noch dem Stadion von Dynamo Kiew einen Besuch ab. Vielleicht packe ich es ja hinein, Versuch macht klug.

Monument Valery Lobanovsky
Monument Valery Lobanovsky (map)
Stadion von Dynamo Kiew
Stadion von Dynamo Kiew

Stadionführungen finden gerade keine statt und auch so scheint alles abgeriegelt zu sein. Schade, aber ein Pulk herumstehender Sicherheitsleute und Bauarbeiter machen mir unmissverständlich klar, dass für mich heute kein Zutritt gestattet wird. Hm. Ich drehe verstimmt ab und werde von einem mir hinterherdackelnden Sicherheitstypen gefragt, wo ich herkomme. Er lächelt. Ich denke naiverweise schon "wow, Glück gehabt", da relativiert sich das Edle in seinem Ansinnen. Für 50,-€ will er mich ins Innere führen. Hallo? Geht´s noch? Fünzig Tacken? Vergiss es. Das sage ich ihm, und zwar auf deutsch. Dazu fange ich spontan einfach an lauthals zu lachen, mache die "Vogel-Geste" und lasse ihn stehen. Vergnarzt gafft er mir hinterher und beginnt zu handeln. Nein Danke, Meister, keine Lust mehr. Zu hoch gepokert, Esel.

Der Maidan wartet. Auf dem Platz ist eine millitärische Ausstellung, dazu stehen überall uniformierte mit Spendenbüchsen herum. Schnell werde ich um eine Gabe für den guten Zweck gebeten. Ich kenne mich nicht gut genug mit all den Hintergründen des Konflikts im Osten des Landes aus und gebe konsequent nichts. Auch Separatisten oder Russen oder was weiß ich wer da noch offensichtlich mit drin hängt wären leer ausgegangen. Ich unterstütze nichts, wenn ich nicht zwischen gut und böse unterscheiden und mir keine Meinung machen kann. Und wer weiß, ob bei der heimischen Berichterstattung nicht auch eine starke Tendenziösität an den Tag gelegt wurde bzw. wird. Den Glauben an die Objektivität der Leitmedien habe ich inzwischen, ganz besonders wegen des als solchen abgefeierten "Sommermärchen 2015" nachhaltig verloren. Manipulation, Zensur, Verfälschung von Fakten, das volle Programm wird meiner Meinung nach auch in Deutschland regelmäßig abgezogen. Traurig. Registerwechsel.

Von mir gibt´s jedenfalls nichts.

Maidan, Kiew
Maidan, Kiew
In dem mittigen Teil ist übrigens ein EKZ mit einem Billa-Supermarkt
In dem mittigen Teil ist übrigens ein EKZ mit einem Billa-Supermarkt

Ich gebe die Kohle also erst im Billa aus. Cola, Wasser, Brot und Hühnerbeine zum schmalen Preis. Frage mich almählich, wie ich die gestern gewechselten 90,-€ bis übermorgen Vormittag loswerden soll. Klar, bin sparsam aber auch die überwiegend niedrigen Preise sorgen dafür, dass sich der Griwnenbestand in meiner Geldbörse gefühlt einfach nicht leert.

Nach einer Mittagsjause auf dem Maidan fahre ich an den Dnepr, zur Metrostation Dnipro.

Metrostation Dnipro, hier kommt die Metro auf dem Weg gen Osten wieder an die Erdoberfläche zurück, hier kann man locker mal zwischendurch aussteigen und den Blick über den Denpr genießen, so wie ich jetzt gerade...
Metrostation Dnipro, hier kommt die Metro auf dem Weg gen Osten wieder an die Erdoberfläche zurück, hier kann man locker mal zwischendurch aussteigen und den Blick über den Denpr genießen, so wie ich jetzt gerade...
Metrostation Dnipro (map)

Ich latsche flussabwärts und dann rauf auf die Hügel, auf denen ich außer den berühmten Kiewer Höhlenklöstern (w) das Wahrzeichen der Stadt, die Mutter Heimat Statue (w) vermute. Wesentlich einfacher, hinterher ist man meistens schlauer, wäre es gewesen, von der Metrostation Arsenalna einfach mit einem der vielen Busse dorthin zu fahren. Für mich dagegen heißt es jetzt schwitzend und fluchend im Zick-Zack-Kurs (ich hasse Zick-Zack fast ebenso doll wie Mist) frei Schnauze zu navigieren.

Nach einiger Zeit erreiche ich das Holodomor Memorial. Holodomor? Kannte den Begrif vorher auch nicht. Steht zusammengefasst für die große Hungersnot von 1932–1933, verursacht durch die Politik Stalins, bei der die Ukraine besonders hart getroffen wurde. Vom Memorial aus gehe ich an den Höhlenklöstern vorbei und verzichte auf einen Besuch. Klar hätten mich die Höhlen gereizt, aber mir ist dort einfach zu viel los und ich habe keinen Bock, mich zusammen mit den Touristenmassen im Schneckentempo durch die Gänge treiben zu lassen. Im Nachhinein ein Fehler. Sollte ich nochmals nach Kiew kommen stehen die Höhlenklosteranlagen definitiv auf meinem Zettel.

Holodomor Memorial, Kiew
Holodomor (w) Memorial, Kiew

Und dann erreiche ich endlich das Wahrzeichen schlechthin. Die Mutter Heimat Statue. Wow!

Nun ist der Pflichtteil des Programms bewältigt und ich sehne mich nach einer entspannten Asselei, idealerweise mit toller Aussicht und niedrigem PSF. Gegenüber des Holodomor Memorials werde ich fündig und schlage auf einem Wall Wurzeln.

Hinter mir ist ein staubiger Parkplatz. Bei jeder Windböe habe ich eine Ladung Dreck auf dem auf dem Schoß aufgeschlagenen Tb. Und an den Klamotten und in den wenigen verbliebenen Haaren auf meiner Birne. Nervig.

Blick vom Asselplatz über den Dnepr nach Darnytsia, in der Mitte die Insel Hidropark
Blick vom Asselplatz über den Dnepr nach Darnytsia, in der Mitte die Insel Hidropark

Darüber hinaus stellt sich nach wenigen Asselminuten ein Liebespaar mit seiner Fummelkarre direkt hinter mich. Ich weiß nicht wieso aber die parken echt direkt hinter mir. Nicht zu fassen. Törnt die so ein staubiger Rücken an oder warum machen die das? Erfreuen die sich an dem Bild eines desperat abhängenden Seitenfüllers? Man ey, der Platz ist echt groß, überall ist was frei (die sind, mal sehen, derzeit sogar das einzige Auto hier oben) und die stellen sich direkt hinter mich. Ich fasse es nicht, packe meinen Kram kopfschüttelnd zusammen und ziehe weiter.

Stelle mich an die Bushaltestelle und sehe nach wenigen Augenblicken einen Minibus ankommen, in dem ein Schild mit der Aufschrift "Arsenalna" (auf kyrillisch; das Alphabet habe ich nützlicherweise vor Jahren mal während diversen übelst langweiligen Seminaren gelernt) hinter der Windschutzscheibe klebt. Rein da. Ich gebe einfach mal einen Fünfgriwnaschein nach vorne und bekomme bischen Kleingeld zurück. Passt. An der Arselna steige ich aus und sehe auf diese Weise sogar noch die tiefstgelegene Metrostation der Welt.


Metrostation Arselnalna, Kiew

Die schier endlose Rolltreppenfahrt hinunter dauert fast länger als der Ritt mit der Metro auf die Dneprinsel. Dort angekommen steige ich an der Station Hidropark aus und orientiere mich Richtung Westen an den Dneprstrand. Mein Ziel: der bereits aus der Metro erspähte Sandstrand, von dem man einen Blick auf die Mutter Heimat Statue haben müsste. Während der warmen Jahreszeit ist hier ein Party-Dorado voller Open Air Tanzlokalen, Sauf- und Fressbuden und Kiosken. Rummelplatz-Style. An einem der Kioske ziehe ich mir zwei Obolons, eisgekühlt zum fairen Preis. Dazu getrocknete Mini-Fische als landestypischen Snack. Und dann geht´s gen Westen. Die Buden werden weniger. Ich folge einem schmalen plattenbelegten Pfad und erreiche den Dneprstrand.


Ich folge einem schmalen Pfad...

... und erreiche den Dneprstrand

Wie geil ist das denn? Neben mir planschen zwei Teenies, gegenüber grüßt die Mutter Heimat Statue, über mir lacht die Sonne und vor mir lockt der Dnepr mit seinen erfrischenden Fluten. Schnell bestätige ich den in Odessa vor vielen Jahren gesammelten Badeländerpunkt, dann pflanze ich mich. Zücke das Tb, ein Obolon und lege los. Plötzlich vermisse ich einen der Wohlfühlfaktoren. Die Sonne lacht nicht mehr. Es zieht sich zu. Der Wind frischt auf und die Schwalben fliegen tief. Hastig packe ich alles zusammen und verziehe mich unter die Eisenbahn- bzw. Metrobrücke.

Unter der Eisenbahn- bzw. Metrobrücke, am Dnepr, Kiew
Unter der Eisenbahn- bzw. Metrobrücke, am Dnepr, Kiew

Und zack, geht das Spektakel, dass ich nun am Allerwenigsten gebrauchen kann, los. Es geht mächtig ab und der Bereich unter der Brücke füllt sich schnell mit anderen vom Wetterumschwung wenig begeisterten Leuten.

Na das weiß meine Mundwinkel dann doch noch kurz nach oben steigen zu lassen...
Na das weiß meine Mundwinkel dann doch noch kurz nach oben steigen zu lassen..

Schneller als erwartet ist der Spuk vorüber und ich latsche unter der Brücke hindurch und auf der anderen Seite der Gleise wieder zurück Richtung Metrohaltestelle Darnytsia. .

Zack, da kommt sie schon wieder raus, die Sonne
Zack, da kommt sie schon wieder raus, die Sonne

Es geht ein bischen querfeldein und ich beschliesse, die kurze gegen eine lange Hose zu tauschen. Nicht mit einem des Weges kommenden Local sondern mit mir selbst. Habe ja alles am Start. Ich ziehe also schnell blank und dann nacheinander Shorts und Jogginghose über. Noch schnell in die Luftschuhe flutschen, fertig. Und, das nenne ich mal Timing, kaum steckt der zweite Fuß im Schuh kommt wie aus dem Nichts eine berittene Polizeistreife um die Ecke. Die Ordnungshüter starren mich genauso an wie ich sie.

Wo kommen die denn so plötzlich und lautlos her denke ich?
Wo kommt der denn so plötzlich und lautlos her denken die? Und warum zur Hölle steht der da mitten im Nichts salzsäulenmäßig herum?

Nach einigen stummen Sekunden des gegenseitigen Anguckens ziehen die beiden einfach weiter, drehen sich allerdings nach ein paar Metern nochmal nach mir um und sind anscheinend erleichtert darüber, dass ich da nicht stehen bleibe sondern ebenfalls weiterziehe. Krumm war meine Aktion aus deren Sicht auf jeden Fall und ich wundere mich noch heute darüber, nicht nach meiner Mission befragt worden zu sein.

Irgendwo auf der Dneprinsel Hidropark, kurz nach der strangen Begegnung mit den berittenen Polizisten
Irgendwo auf der Dneprinsel Hidropark, kurz nach der strangen Begegnung mit den berittenen Polizisten

Und dann erreiche ich auch wieder die Partyzone, in der nach dem heftigen Gewitter kaum mehr was los ist.

Partyzone Hidropark, Kiew
Partyzone Hidropark, Kiew

Ich schaue mich um und entdecke einen schönen Platz zum Entspannen und Abhängen.

Hidropark, Kiew
Hidropark, Kiew

Hidropark, Kiew
Hidropark, Kiew
Hidropark, Kiew

Und dann neigt der Tag sich schon wieder dem Ende zu. Ich begebe mich auf den kurzen Ritt zurück nach Darnytsia.

Metrostation Hidropark, Kiew
Metrostation Hidropark, Kiew
Metrostation Darnytsia, Kiew
Metrostation Darnytsia, Kiew

Noch ist es hell, also treibe ich mich noch ein wenig in Darnytsia herum und reibe mir an einem alle Osteuropaklischees bedienenden kleinen ZOB geflashed und restlos begeistert die Augen. Wow, wie geil!

Mini Zob in Darnytsia: Wow, wie geil!
Mini Zob in Darnytsia: Wow, wie geil!

Wegen des Wetterwechsels schleppe ich noch immer das zweite Obolon aus dem Hidropark mit mir mit. Was soll es auf der Bude? Nichts. Was soll ich jetzt schon auf der Bude? Auch nichts. Also setze ich mich in den gestern schon beehrten Park mit Blick auf den Koloss des Hotels Bratislava, trinke das Obolon, fülle Seiten und klopfe mir selbst für diesen absolut gelungenen Triptag auf die Schultern.

Im Park mit Blick auf den Koloss des Hotels Bratislava
Im Park mit Blick auf den Koloss des Hotels Bratislava

In der Bude habe ich wiegesagt keine deutschsprachigen TV-Sender. Sipgate funktioniert auch nicht, jedenfalls nicht kostenneutral, da die Ukraine nicht in der EU ist. Aber WLAN habe ich. Und Konserven auf dem Laptop. Also skype ich kurz mit daheim und glotze dann noch einen Film, ehe es ins Dreamland geht.

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