Langes Wochenende in Kiew, Juni 2015
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Tag3, Sonntag

Was könnte ich mir heute schönes ansehen, was gönnen? Gönnen? Ja, wieso nicht, zur Abwechslung mal. Klar, Asseltrips müssen generell wehtun aber ich werde ja auch nicht jünger und muss auf mich, meinen Körper und mein Wohlbefinden achten. Und da ich ein großer Fan von Thai-Fuß-Massagen bin fahre ich nach dem erneut ausgiebigen Frühstück Richtung Maidan. In fußläufiger Nähe von dort gibt es nämlich ein auf verschiedenen Internetportalen hochgelobten Thai-Massage-Salon. Hin da.

Chreschtschatyk
Chreschtschatyk (w)

An der Metro-Haltestelle Chreschtschatyk steige ich aus und werfe einen Blick auf das weshalb auch immer als Sehenswürdigkeit gepriesene Haus mit den Chimären (w). Bin derart enttäuscht von dem Gebäude, dass ich, wie ich beim Verfassen dieser Zeilen gerade überrascht feststelle, nichtmal ein Foto davon gemacht habe. Hm, ein Foto hätte ruhig drin sein dürfen. Eselei meinerseits, sorry.

Bei Billa ziehe ich mir Proviant und setze mich auf eine Bank auf dem Maidan, Leute angucken.

Maidan, Kiew
Maidan, Kiew

Maidan, Kiew

Gut gestärkt erreiche ich den Massage-Salon Elephant Spa (map). Die Dienste der Masterin kosten einen Aufpreis, informiert mich die junge Frau an der Empfangstheke. "Okay, ich bin deutsch und habe voll Bock auf die Fußmassage und keinen Bock auf großes Feilschen; mach dir einen schönen Tag mit den zusätzlich aus meinem von der schweren Neuen Hüpferlitasche strapazierten Kreuz geleierten hundert Extragriwnen" murmele ich so vor mich hin und zahle. Dann werde ich in ein Kabuff geführt und bekomme Klamotten. Ich soll mich umziehen, logisch. Kaum sind die Füße aus den Socken schäme ich mich für den üblen Geruch. Nennen wir es mal Geruch. Im Kabuff gibt es eine Dusche. Schnell brause ich die Käsemauken ab, da steht schon die Masseuse vor mir und lacht sich innerlich schlapp. Los geht´s. Ich fasse mich kurz: die Massage war der absolute Hammer und jede einzelne Griwne wert. Wellness hoch tausend, würde ich jederzeit wieder machen. Wenn ich nochmal nach Kiew komme steht das ganz oben auf dem Zettel. Die nächsten Stunden schwebe ich förmlich durch die Stadt und bin um einiges besser drauf als vor der Massage.

Kurios übrigens, dass eine erotische Massage günstiger zu haben gewesen wäre. Derartige Salons gibt es in Kiew etliche. Ach und als Nachtrag: dass mit dem Preisaufschlag hatte seine Richtigkeit und war keine Abzieherei, was ich allerdings erst später daheim herausfand, als ich der Sache nochmals auf den Grund ging.

Vom Elefant Spa geht es wieder einmal zur Standseilbahn, mit der ich abwärts zum Dnepr fahre.

Mein Ziel ist die gestern Abend auf googlemaps entdeckte Kirche St. Nikolai auf dem Wasser, die wunderschön im Dnepr steht aber weshalb auch immer in den meisten Sights-Listen unerwähnt bleibt. Als erstes passiere ich auf dem Weg an den Fluss eine riesige Baustelle beim Flussbahnhof.


Baustelle beim Flussbahnhof
Geburts Christi Kirche
Passt bloß auf, dass die Geburts Christi Kirche (map) unbeschädigt bleibt
Hinter der Kurve ist sie erstmals zu sehen, die Kirche St. Nikolai auf dem Wasser
Hinter der Kurve ist sie erstmals zu sehen, die Kirche St. Nikolai auf dem Wasser (w)

Die Kirche St. Nikolai auf dem Wasser ist Europas einzige Kirche, die frei mitten im Wasser steht und darüber hinaus sofort ganz oben auf meiner Beliebtheitsskala. Welch liebreizende Schönheit. Bin auf den ersten Blick verschossen. Gehe hinein, wieder heraus und setze mich an die Promenade. Starre das Bauwerk an und schmelze dahin. Was für ein herrlich entschleunigt-entspannter Trip-Tag. Muss auch mal sein.

Kirche St. Nikolai auf dem Wasser: Europas einzige Kirche, die frei mitten im Wasser steht
Kirche St. Nikolai auf dem Wasser: Europas einzige Kirche, die frei mitten im Wasser steht
Am Dnepr, Kiew
Am Dnepr, Kiew

Viel steht heute nicht mehr auf dem Zettel. Nachdem das Wetter einen so zeitigen Strich durchs Kalkül gemacht hat zieht es mich wieder an den gleichen Platz am Dneprstrand. Klar hätte ich von der Dneprpromenade aus auch noch eine Bootsfahrt unternehmen können aber irgendwie war mir das zu langweilig. Also geht es zum Hidropark.

Hidropark, Kiew
Hidropark, Kiew

Bei der gleichen miesepetrigen Kiosktante wie gestern kaufe ich den gleichen Kram wie gestern und gehe den gleichen Weg wie gestern zum, richtig geraten, gleichen Platz wie gestern. Und kaum bin ich dort angekommen, kaum sitze ich, ärgere ich mich massiv. Nicht über mich selbst sondern über die vollkommen schmerzbefreit-distanzlosen Angler, die sich bei freier Platzwahl direkt vor meine Nase einrichten. Kumpels von den Fahrzeuginsassen gestern Nachmittag auf dem staubigen Parkplatz oder wie? Wie auch immer, ich könnte kotzen und ziehe weiter.

Überall freie Plätze und dann das - zum Kotzen!
Überall freie Plätze und dann das - zum Kotzen!

Bei der Brücke komme ich wieder runter und genieße eine herrliche Asselei höchster Güte.

Kiew
Kiew

Am frühen Abend fahre ich zurück nach Darnystia.

Metrostation Hidropark
Metrostation Hidropark

Ehe ich ins Zimmer gehe, schaue ich mich noch in der Umgebung des auch heute immer noch flashenden Mini-ZOBs um. Echt cool hier.

Mini-ZOB, Darnytsia (Kiew, Ukraine)
Mini-ZOB, Darnytsia (Kiew, Ukraine)

Zurück in der Bude haue ich mich nach einem langen, wohltuenden Bad fix in die Koje. Morgen früh reise ich schließlich schon wieder ab und da ich einen großzügigen zeitlichen Puffer in den mit mehrfachen Umstiegen und Transportmittelwechseln verbundenen Transfer mit den Öffis zum Flughafen Zhulhany einbaue habe ich keine Zeit zu verlieren beim Driften ins Dreamland. Der Iphonewecker wird mich, viel zu früh das weiß ich schon jetzt, gnadenlos wachbimmeln.

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