Langes Wochenende in Kiew, Juni 2015
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Tag4, Montag

Bereits um 7:00 Uhr verlasse ich das Hotel. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Den Flug zurück will ich auf gar keinen Fall verpassen. Und da ich auf dem Weg dorthin dreimal das Transportmittel wechseln muss, bin ich lieber übervorsichtig als so mies dran wie die drei bedauernswerten italienischen Teenagerinnen damals am Flughafen Stansted. So schnell werde ich deren Gesichtsentgleisungen während der Informationsverarbeitung, dass das Gate leider geschlossen ist, nicht vergessen. Ich glaube das war am gleichen Tag, als ich dem Flugbegleiter das Mikropphon aus der Hand nehmen musste, aber das ist eine andere Geschichte.

Und so geht es viel zu früh, dafür aber mit beruhigendem Zeitpolster, zum Flughafen. Unterwegs erfreue ich mich an diesem wunderschönen Überbleibsel alter sowjetischer Tage, von denen es noch in einigen Metrostationen welche zu bestaunen gibt.

Wunderschönes Überbleibsel alter sowjetischer Tage, von denen es noch in einigen Metrostationen welche zu bestaunen gibt...
Metrostation Shuliavska: wunderschönes Überbleibsel alter sowjetischer Tage, von denen es noch in einigen Metrostationen welche zu bestaunen gibt...
Euro Style Shop - bei den Leuten hier zieht sowas fast so sehr wie irgendein alles andere als dezent platzierter Hinweis auf einen Zusammenhang mit Deutschland
Euro Style Shop - bei den Leuten hier zieht sowas fast so sehr wie irgendein alles andere als dezent platzierter Hinweis auf einen Zusammenhang mit Deutschland

Auf die gleiche Weise wie auf der Hinfahrt vom Airport Zhulhany in die Stadt beziehungsweise nach Darnytsia, nur in umgekehrter Reihenfolge, kehre ich also zurück zum Flughafen. Das letzte Stück fahre ich mit dem Oberleitungsbus der Linie 22. Ich brauche unbedingt noch einen Briefkasten der ukrainischen Post. Immerhin bekam ich es gestern gebacken, ein paar Postkarten nicht nur zu kaufen, sondern auch zu frankieren und sogar mit Text zu füllen. Und die sollen auch ihre Adressaten erreichen.

Oberleitungsbus der Linie 22- Transportmittel der Kiewer Öffis zwischen dem Flughafen Zhulany und der Metrostation Shuliavska
Oberleitungsbus der Linie 22 - DAS Transportmittel der Kiewer Öffis zwischen dem Flughafen Zhulhany und der Metrostation Shuliavska

Da passt es natürlich ausgesprochen gut, dass ich direkt bei der Ausstiegshaltestelle rechte Hand einen Briefkasten sehe. Ich verabschiede mich von den Postkarten und wünsche Ihnen eine gute Reise.

Hier verabschiede ich mich von den Postkarten und wünsche Ihnen eine gute Reise (die zwar lange dauert, am Ende aber erfolgreich ist)
Hier verabschiede ich mich von den Postkarten und wünsche Ihnen eine gute Reise (die lange dauert, am Ende aber erfolgreich ist)

Anschließend schaue ich auf die Zeitanzeige meines iPhones. Der Zeitpuffer war in der Tat sehr großzügig bemessen. Könnte locker noch eine kurze, letzte Asselei einfügen. Also schaue ich mich um und werde bei einem ziemlich endzeitmäßig daherkommenden Tennisplatz fündig.

Ziemlich endzeitmäßig daherkommender Tennisplatz in der Nähe des Flughafens (Zhulany)
Ziemlich endzeitmäßig daherkommender Tennisplatz in der Nähe des Flughafens (Zhulany)

Nach einer halben Stunde latsche ich zum Terminal.

Kiew: Flughafen Zhulany
Kiew: Flughafen Zhulany

Wie erwartet habe ich noch eine Menge ukrainischer Landeswährung in meinem Portmonee. Portmonee? Bin ich wirklich schon soweit gesunken? Es heißt: Portemonnaie! Wie auch immer, ich schlendere durch das Terminal und kaufe zwei belegte Brote. Dazu gönne ich mir einen Kaffee und eine Cola. Anschließend inspiziere ich das Angebot eines Souvenirladens, werde allerdings nicht fündig. Was mache ich nun mit den Griwnen? Idealerweise umtauschen, also steuere ich den gleichen Bankschalter wie vor drei Tagen an. Ich zeige meinen Reisepass, suche alle Münzen und Scheine zusammen und reiche sie der warum auch immer übel gelaunten Angestellten. Sie weist mich auf ukrainisch darauf hin, dass ein Rücktausch so ohne weiteres nicht möglich ist. In weiser Voraussicht habe ich jedoch Freitag die Umtauschbescheinigung aufgehoben und zeige sie ihr. Die Angestellte will sie haben. Sie rollt mit den Augen, murmelt etwas in den in leichten Ansätzen vorhandenen Oberlippenbart, rechnet hin und her und überreicht mir schließlich 25 €. Dazu gibt es noch ein paar kleine Münzen zurück. Hey super, der Tausch hat sich gelohnt.

Hinter der stressfreien Sicherheitskontrolle werde ich von einem Zollbeamten nach meinem mitgeführten Bargeldbestand befragt. Die knapp fünzig Euro sind in Ordnung und ich darf in den Abglugbereich. Dieser ist übrigens sehr angenehm. Auch hinter der Sicherheitskontrolle befinden sich realpreisige Einkaufsmöglichkeiten und Cafés und Bars. Hier kann man gut mal ne Stunde überbrücken.

Der Flieger verlässt die Ukraine überpünktlich. Ebenso gut in der Zeit bin ich, als ich am Flughafen Lübeck Blankensee die Einreisekontrolle hinter mich gebracht habe. Clevererweise hatte ich mir für den Rückflug einen Fensterplatz in der letzten Reihe gegen das schmale Zusatzentgelt in Höhe von 1,50 € gesichert. Auf diese Weise stehe ich, da sowohl vorne als auch hinten eine Treppe angekarrt wird, als dritter von allen Fluggästen am Schalter. Ein kurzer Blick auf die Iphoneuhr zeigt, dass ich den Zug von Lübeck nach Lüneburg durchaus noch erwischen kann, also spurte ich los und erreiche das einzige Gleis um 12:12h. Um 12:16 kommt der Zug. Timing!

Bahnhaltepunkt "Flughafen" Lübeck Blankensee
Bahnhaltepunkt "Flughafen" Lübeck Blankensee

Da auch Flugzeuge nicht immer pünktlich sind, hatte ich natürlich auch bezüglich des Zuges zurück nach Hause einen großzügigen zeitlichen Puffer eingebaut. Deshalb habe ich nun in Lüneburg (w) gut 2 Stunden Zeit. Die Zeit ist im Endeeffekt eher zu gering bemessen. Als erstes schaue ich mir natürlich die definitiv sehenswerte, historische Altstadt an. Natürlich schwelge ich dabei in Erinnerungen an längst vergangene Zeiten, in denen ich hier zum einen mehrfach beruflich zu tun hatte und zum anderen des Öfteren mit Buzz im Rahmen der inzwischen als legendär zu bezeichnenden Discotrips auftauchte.

St. Johanniskirche
St. Johanniskirche

Lüneburg von einer seiner Schokoladenseiten: Am Sande
Lüneburg von einer seiner Schokoladenseiten: Am Sande (map)
Lüneburger Marktplatz
Lüneburger Marktplatz
An der Ilmenau
An der Ilmenau
An der Ilmenau: eines der absoluten Wahrzeichen der Stadt Lüneburg, der Alte Kran
An der Ilmenau: eines der absoluten Wahrzeichen der Stadt Lüneburg, der Alte Kran
Hotel Altes Kaufhaus, Lüneburg
Hotel Altes Kaufhaus, Lüneburg
Hier wollte ich ursprünglich asseln (bei meinem letzten Besuch wäre es am Ufer der Ilmenau noch möglich gewesen)
Hier wollte ich ursprünglich asseln (bei meinem letzten Besuch wäre es am Ufer der Ilmenau noch möglich gewesen)

Nach dem obligatorischen Stadtrundgang ziehe ich mir bei Penny ´n Haake Beck und latsche zur Ratsmühle (map). Hier befinden sich tolle Asselbänke mit niedrigem PSF (2-3) direkt am Wasser (Ilmenau, die hier mehr wie ein Teich als wie ein Fluss aussieht). Auf einer von ihnen hänge ich eine gute Stunde ab und ziehe ein Trip-Fazit.

Die erste links wird meine für die nächste Stunde
Die erste links wird meine für die nächste Stunde
An der Ilmenau, Lüneburg
An der Ilmenau, Lüneburg
Rechts im Bild die Ratsmühle, Lüneburg
Rechts im Bild die Ratsmühle, Lüneburg
Blick zurück auf das pittoreske Lüneburg
Blick zurück auf das pittoreske Lüneburg

Der IC nach Hause lässt nicht lange auf sich warten und schon bin ich wieder zurück in Hannover. Trip-Fazit: sehr geile, gelungene Aktion. Wenn die Flugpreise mal wieder ähnlich niedrig sind besteht akute Wiederholungsgefahr.

Danke für deine Aufmerksamkeit. Winke mir doch mal zu wenn Du dir den ganzen Kram reingepfiffen hast (Kontakt) Feedback, Lob und Anerkennung gern auch dorthin.