Porto, Februar 2011
- Kurztrip von Tomasz und Buzz -
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Freitag, Tag1:

Wo treffen wir uns über-übernächstes Wochenende? Wieder in Bochum, Essen oder Dortmund? Ein Blick auf das sensationelle Eröffnungsangebot Rainers für die Flugverbindung nach Porto beschert uns einen überraschenden Premierentreffpunkt: Porto (w)! Ich verbringe also im Februar ein verlängertes Wochenende in der nordportugiesischen Hafenstadt und Buzz kommt mich besuchen. Am Samstag. Von Frankfurt-Hahn aus, natürlich ebenfalls mit der großzügigen Unterstützung unseres irischen Freundes.

Und so trete ich am Freitag den RE-Ritt nach Bremen HBF und von dort den Blacky-Trip zum Flughafen BRE an. Mein Sitznachbar, mit dem ich mir eine 3er-Reihe teile, stammt gebürtig aus Braga und weiß eine Menge über seine ursprüngliche Heimat zu erzählen. Anfangs sind seine Stories interessant, am Ende geht der Typ mir auf den Sack. Ziemlich blöd, dass ich ein zu weichgekochtes Ei bin, um ihn dezent zum Schweigen zu bringen.
In Porto (OPO) gelandet kümmere ich mich als erstes um das für elf Euro erhältliche 72-Stunden-Öffi-Ticket und bekomme es an der Flughafeninformation ausgehändigt. Bezeichnend, dass hier niemand Englisch spricht. Die im Sommer 2007 gewonnene Erkenntnis, dass man in Portugal vor allem mit Französisch weiterkommt, bestätigt sich eindrucksvoll. Die Straßenbahn bringt mich nach einem Umsteigevorgang bis zur Haltestelle Faria Guimaraes, wo ich in der gleichnamigen Pension einchecke. Mich empfängt die allgegenwärtige Dame des Hauses und schreibt sich die Perso-Daten ab. Wenig später betrete ich die Bude. Auf den ersten Blick okay. Später bewertete ich die Pension auf booking.com wie folgt:

positiv:
"Metrostation wenige Gehminuten entfernt, Wifi gratis, Betreiber bieten Hilfe und Info an, in der dritten Nacht gab es eine Karaffe Portwein als Geschenk des Hauses, sehr bemühte und phasenweise aber auch übereifrige Gastgeber, Zimmereinrichtung etwas karg und betagt aber sauber, Frühstück einfach aber gut."
negativ:
"Zimmer zur Straße sind unglaublich laut, konnte selbst mit Ohropax kaum ein Auge schließen und bin normalerweise wirklich alles andere als lärmempfindlich. Im Winter ist es im Zimmer sehr kalt, keine Isolierverglasung, außerdem zieht es unter der Balkontür durch. Größtes Problem ist außer der nicht existenten Lärm- und Kälteisolierung nach draußen die extreme Hellhörigkeit. Selbst Flüstergespräche führten zu Beschwerden anderer Gäste, an TV oder WWW mit Ton ist ab 22 Uhr nicht zu denken, da ansonsten die Betreiber vor der Tür stehen und meckern. Mich hat´s genervt, bei jedem Verlassen der Bleibe jedes Mal den Schlüssel abgeben und beim Wiederkehren klingeln und aufs Aufschließen durch einen der beiden Betreibereheleute warten zu müssen."

Blick vom Balkon des Pensionszimmers

Blick vom Balkon des Pensionszimmers der Residencial Faria Guimarães (Bewertungen)

Lange Wurzeln schlagen will ich ohnehin nicht auf der Bude, also latsche ich los zur Bushaltestelle. Mich zieht es an den Atlantik, trotz einsetzenden Regens. Die Cheffin des Hauses will mir Tipps für die Fahrt nach Foz geben, ist jedoch miserabel informiert. Verlasse mich deshalb auf das Resultat der zuvor getätigten Eigenrecherche und fahre gut damit. Leider ist das Wetter absolut beschissen. Regnerisch, windig, kalt und derbe ungemütlich. Habe wenig Lust, den Bus überhaupt zu verlassen. Was soll´s, wat mutt, dat mutt, wa? Mist!

An der Douromündung in Foz, am Atlantik

An der Douromündung in Foz, am Atlantik

An der Douromündung in Foz, am Atlantik

Foz, Atlantik

Foz, am Atlantik

Foz, am Atlantik


Im Sommer 2007 sah es in Foz, am Atlantik, natürlich wesentlich einladender aus...


Denkmal in Foz

Denkmal in Foz

Ideales Wetter für einen ausgiebigen Spaziergang, Foz im Februar 2011

Ideales Wetter für einen ausgiebigen Spaziergang, Foz im Februar 2011

Bei dem Mistwetter habe ich keinen Bock mehr und fahre zum Asselplatz am Fluss namens Douro, an dem Nitusz und ich im Sommer 2007 zwei schöne lauschige Abende verbracht haben. Dort regnet es ebenfalls, dafür ist jedoch der heftige nervraubende Westwind kaum mehr spürbar. Wenigstens etwas.

Haltestelle in der Nähe des 2007er Asselplatzes

Der Regen ist zu stark, als dass ich mich auf die bewährte steinerne Kante an den Fluss setzen könnte. Ich scanne die Umgebung nach einem alle Kriterien erfüllenden Verweilort und werde fündig. Pflanze mich unter das schmale Vordach der Hafenkneipe und bin bis zu den Knien im Trockenen. Die Sitzposition ist alles andere als bequem, aber dennoch auszuhalten. Und so fülle ich Seiten, lausche vertrauten Klängen meines MP3-Players und lasse die Ereignisse des absolut gelungenen Sommerurlaubs 2007 Revue passieren.

... unter dem schmalen Vordach der Hafenkneipe, Porto

Die altehrwürdige Hüpferlitasche versucht zu trocknen, unter dem schmalen Vordach der Hafenkneipe, Porto im Februar 2011

Douro, Porto

Douro, Porto

Vom 2007er Sommer her wohlbekannter Lieblingsasselplatz von Nitusz und mir am Douro (w)

Vom 2007er Sommer her wohlbekannter Lieblingsasselplatz von Nitusz und mir am Douro (w), Blick aufs Südufer und Vila Nova de Gaia (w)



Auch hier sah es im Sommer 2007 um ein vielfaches einladender aus...


Erinnerungen an den tollen Sommer 2007 hin oder her - das Wetter ist so, wie es ist. Und es steht nicht in meiner Macht, es zu ändern. Mist! also muss ich das Beste aus der Situation herausholen. Und mich über das, was ich habe, freuen. Und was habe ich? Richtig, zumindest ein einigermaßen trockenes Asselplätzchen. An dem ich letzten Endes locker zwei Stunden ebenso entspannt wie die treue Hüpferlitasche abhänge.

Abhängen am Douro, Porto im Februar 2011

Die Hüpferlitasche und ich: gemeinsames Abhängen am Douro, Porto im Februar 2011

Gegen 21h erreiche ich, nachdem ich meine Öffi-Flat bereits gut ausgereizt habe, das Südufer des Douro und setze mich auf den von Buzz im Frühjahr 2006 "Affenfelsen" getauften künstlichen Steinhaufen im Park namens "Jardim do Morro" (Karte) an der gleichnamigen Metrohaltestelle.

Final lande ich einer authentisch-nordportugiesischen Pinte, wenige hundert Meter von meiner Pension entfernt. Zwei mal um die Ecke rum quasi. Die Kniep ist gut besucht. Ich lasse mich fortan von Snacks und Cerveja aus dem Hause Superbock zum Preis von 1,- Euro pro 0,33L-Buddel verwöhnen. Aus der Jukebox erklingen seltsame 90er-Hits, die Locals um mich herum unterhalten sich lautstark und quarzen in dieser gemäß portugiesischer Gesetzgebung an und für sich rauchfreien Pinte anscheinend um die Wette.

Die Stimmung ist deluxe! Ich kann bei all den lautstarken Unterhaltungen kaum die Jukebox hören.

Kurz vor Mitternacht werde ich mit Handschlag samt besten Wünschen verabschiedet. Auf gebrochenem deutsch. Ich soll wiederkommen und bin jederzeit gern gesehen, flötet mir der ehemals tschechische Fußballnationaltrainer zu. Der Typ an der Theke erinnert wirklich stark an Karel Brückner (w; Foto), könnte glatt als dessen Zwillingsbruder durchgehen und hat offensichtlich eine Vorliebe für Deutschland und alles, was im Allgemeinen mit Deutschland in Verbindung gebracht wird.

Für mich jedenfalls definitiv ein netter Seitenfüllort, keine Frage! Vielleicht werde ich am Sonntag, wenn Buzz wieder abgereist sein wird, nochmals vorbeischauen.

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