Kurztrip mit der Stenaline von Kiel nach Göteborg und wieder zurück, September 2015
Tag1 - Tag2/3

Irgendwann im Sommer, ich meine es nannte sich sogar "Kieler-Woche-Aktion", haute die Stena Line tolle Angebote für den Kurztrip ab Kiel nach Göteborg raus. Für 59,-€ loggte ich ein; war ja klar. Besonders unter Berücksichtigung der Tatsache, dass ich dadurch so eine Art Revival-Nummer generieren können würde und der, dass ich besonders seit dem Kurztrip im März (mit Ryanair ab Bremen, doof dass die Verbindung eingestellt wurde) weiß, wie hammer-laser der Schärengarten (ich rede vom südlichen) ist. Kurzum: der Buchungsfinger konnte nicht anders als zu zucken.

Tag1, Sonntag

Gestern hatte ich noch etwas in der Nähe von Neumünster zu erledigen.

Gestern am Bahnhof von NMS, gut dass es einen durchgehenden ICE von/nach Hannover gibt...
Gestern am Bahnhof von NMS, gut dass es einen durchgehenden ICE von/nach Hannover gibt...

Heute finde ich mich bei herrlichem nahezu spätsommerlich anmutendem Herbstwetter überpünktlich zur Abfahrt der Stena Germanica an der Kieler Förde ein. Um 17h checke ich ein und ziehe nicht schnurstracks an Bord sondern zu einer wohlbekannten tollen Asselmöglichkeit direkt an der Kieler Förde. Die Bank befindet sich auf dem Anlegesteg der Fördedampfer beim Schifffahrtsmuseum (oh man, drei "f"s... ) und wusste schon in längst vergangenen Zeiten sowohl mich, als auch Buzz zu begeistern.

Stylisher und überraschend unfrequentierter Top-Asselplatz an der Kieler Förde
Stylisher und überraschend unfrequentierter Top-Asselplatz an der Kieler Förde

Blick in die Förde landeinwärts, d.h. grob gen Westen

Eine halbe Stunde vorm Ablegen, um 18:15h also, muss ich am Terminal vorstellig werden. So wurde mir seitens der Stenaleute gesagt. Resultat: eine viel zu fix vorübergeflogene Asselstunde. Um kurz nach 18h packe ich meinen Kram zusammen und latsche zurück zum Stena-Terminal. Dabei komme ich am Kieler Rotlichtviertel vorbei. Ein kurzer Gruß an die Kaskade, innerlich, ist Pflicht.

Zwischen dem Friseur und dem Eros Center: die berühmt-berüchtigte Kaskade!
Zwischen dem Friseur und dem Eros Center: die berühmt-berüchtigte Kaskade!
Kieler Rathaus, Blick über den Kleinen Bootshafen
Kieler Rathaus, Blick über den Kleinen Bootshafen

Wo bin ich hier? Am Passauer, Salzburger, Wiener oder sonst irgendeinem von Migranten gefluteten Bahnhof? Nein, das ist tatsächlich das Stena-Terminal in Kiel. Hier bin ich also richtig. War kurz irritiert. Nochmals: wo bin ich hier eigentlich? Hilfe, ich kriege Angst.
Registerwechsel.
Bordkarte scannen, das Gepäck durchleuchten lassen und ab an Bord.

Stena Germanica: ab an Bord!
Stena Germanica: ab an Bord!

Ab zur Kabine. Die vielen Migranten bescheren der Stenaline ein gutes Geschäft. Ab zur Kabine. Zur Einzelkabine, die ich im Rahmen des Kurztrip-Pakets während der Kieler Woche zum absoluten Schnapp-Zu-Preis von wiegesagt 59,-€ gebucht habe.

Stena Germanica, Kiel-Göteborg-Kiel: Einzelkabine, die ich im Rahmen des Kurztrip-Pakets während der Kieler Woche zum absoluten Schnapp-Zu-Preis von 59,-€ gebucht habe
Stena Germanica, Kiel-Göteborg-Kiel: Einzelkabine, die ich im Rahmen des Kurztrip-Pakets während der Kieler Woche zum absoluten Schnapp-Zu-Preis von 59,-€ gebucht habe

Kabinencheck: im Vergleich zu früher (Endneunziger) direkt deluxe. Die Glotze hat sogar deutschsprachige TV-Sender. Alles sauber, alles gut. Schnell die Neue Hüpferlitasche optimieren und aufs Panoramadeck. Unbedingt vorm Auslaufen aus der Kieler Förde.

Stena Germanica, Kiel-Göteborg-Kiel: Einzelkabine, die ich im Rahmen des Kurztrip-Pakets während der Kieler Woche zum absoluten Schnapp-Zu-Preis von 59,-€ gebucht habe
Stena Germanica, Kiel-Göteborg-Kiel: Einzelkabine, die ich im Rahmen des Kurztrip-Pakets während der Kieler Woche zum absoluten Schnapp-Zu-Preis von 59,-€ gebucht habe

Wenig später stehe ich auf dem Sonnendeck. Zuvor habe ich noch das Angebot des schon vor dem Ablegemanöver geöffneten Bordsupermarkts begutachtet und eine Lette Carlsberg zum Preis von ungefähr 10-11,- € erworben (sorry, so genau weiß ich das heute beim Tippen dieser Zeilen nicht mehr). Sonst nix. Habe ein paar Bemmen aus Nortorf am Start, die werden erstmal reichen. Dazu habe ich paar Jolly-Coladosen mit und das Kranwasser ist trinkbar. Kostenreduktion nenne ich sowas. Hat nichts mit Geiz zu tun, liebe Leute.

Blick von der Stena Germanica auf den Schwedenkai, Kiel
Blick von der Stena Germanica auf den Schwedenkai, Kiel
Blick von der Stena Germanica landeinwärts, mittig der Kieler Fernsehturm
Blick von der Stena Germanica landeinwärts, mittig der Kieler Fernsehturm

Pünktlich legt die Fähre ab. Aufgrund meiner Herkunft und der Historie solcher Trips (habe den Göteborg-Kurztrip bislang schon fünfmal gemacht... ) bin ich von dem Ausblick und der gesamten Szenerie natürlich schwerstbegeistert.

Silhouette Kiels mit Top-Sonnenuntergang
Von der Stena Germanica aus aufgenommen: Silhouette Kiels mit Top-Sonnenuntergang
Auf dem Sonnendeck der Stena Germanica
Auf dem Sonnendeck der Stena Germanica
Ausfahrt aus der Kieler Förde gen Skandinavien
Ausfahrt aus der Kieler Förde; Blick gen Skandinavien
Ausfahrt aus der Kieler Förde; Blick gen Westen (landeinwärts Richtung Hörn, Fenrsehturm, Nikolaikirche und Rathaus)
Ausfahrt aus der Kieler Förde; Blick gen Westen (landeinwärts Richtung Hörn, Fernsehturm, Nikolaikirche und Rathaus)
Laboe; da werden Erinnerungen in mir wach und die französischen Austauschschüler lachen sich vermutlich immer noch über den Ortsnamen "Laboe" schlapp...
Laboe: da werden Erinnerungen in mir wach und die französischen Austauschschüler lachen sich vermutlich immer noch über den Ortsnamen "Laboe" schlapp...

Laboe... was gibt es da zu lachen?

Als Schüler habe ich an einem Austauschprogramm mit gleichaltrigen aus der Nähe von Toulouse teilgenommen. Die mussten sich schlapplachen, weil Laboe (in deren Jugendslang gleich ausgesprochen) ein Synonym für Dope war. Wir hatten dann mit den Austauschschülern einen Besuch in Laboe gemacht, anschließend wurden die Austauschschüler befragt, wie sie denn Laboe so fanden. Und zack, schon wurde daraus ein Running Gag, den die Lehrer natürlich genauso wenig verstanden wie Du. Bis eben. Die Franzosen erzählten den Lehrern ausschweifend wie nie zuvor, wie "geil, bewusstseinswerweiternd, krass... etc." Laboe doch sei und dass Laboe das Zeug hat, Leben zu verändern und so weiter und so fort.
War situativ megalustig.
Wie auch immer.

Die Sonne ist untergegangen. Ich brauche einen windgeschützten und dazu zwecks Seitenfüllens adäquat illuminierten Sitzplatz. Zuviele Wünsche auf einmal? Vermutlich, doch ich werde eines Besseren belehrt. Am Heck entdecke ich einen nicht für möglich gehaltenen Aselplatz für die Zeit bis zum Erreichen der Storebæltsbroen (w). Den Storebælt (w) will ich passiert haben, ehe es ins Dreamland geht. Dort gibt es stählerne Schalensitze, bestens ausgeleuchtet, so gut wie gar nicht frequentiert und mit tollem Heckblick ausgestattet. Sauber, da lass ich mich nieder.

Blick rückwärts, Stena Germanica auf dem Weg von Kiel nach Göteborg
Blick rückwärts, Stena Germanica auf dem Weg von Kiel nach Göteborg

Ich schlage Wurzeln. Fülle bis dato leere Seiten. Freue mich auf Langeland.

Ausfahrt aus der Kieler Förde
Ausfahrt aus der Kieler Förde

Nach guten 2,5h kommt Langeland in Sicht. Die weiße Kirche von Bagenkop kann ich zwar leider nicht erkennen, dafür aber den Leuchtturm am Keldsnor namens Keldsnor Fyr.

Sehnsuchtsvoll schmachte ich die langgezogene Insel mit dem wie Arsch auf Eimer passenden Namen an und verspreche mir selbst, schleunigst mit der Karre herzufahren und ein paar schöne Tage an der Steilküste zu verbringen. Entweder nächsten Sommer mit meiner besseren Hälfte oder noch in diesem Jahr mit Buzz. Mal sehen. Buzz rufe ich auch sofort völlig euphorisiert an, um ihm vom Langeland-Flash zu berichten und Druck vom Begeisterungskessel zu lassen. Fakt ist, dass der letzte Besuch mit der allerletzten Langelandfähre im Herbst 2001 viel zu lange her ist. Woher kommt meine Verbundenheit mit Langeland, im Speziellen mit Bagenkop? In den Zeiten des zollfreien Handels gab es eine Fährverbindung zwischen Bagenkop an der Südspitze Langelands und Kiel. Die Fahrpreise waren ein Witz, eine Tageskarte kostete beispielsweise Ende der 90er sage und schreibe 3,- DM (!). Der Betrieb rechnete sich für die Reederei durch den Handel auf See. Und so erlaubten wir uns seit 1988 eine Menge Trips nach Langeland. Teils mit Aufenthalt, teils ohne. Teils blieben wir über Nacht, teils nicht. Zu jeder Jahreszeit waren wir hier. Hammergeil war es eigentlich immer. Im Sommer war es natürlich besonders laser. Haben dann an der Steilküste "im Knick" oder auch mal (wenn Mädels dabei waren) auf dem Campingplatz geknackt. Aber hey, das ist eine andere Geschichte. Das sind etliche andere, erzählenswerte Geschichten. Die aber nicht hierher gehören. Eins nur noch: tatsächlich werde ich einen Monat später mit Buzz und dem Benz her eiern.

Tja, und dann kam die beschissene Abschaffung des Duty-free-Verkaufs innerhalb der EU im Jahre 1999. Etliche Fährverbindungen krepierten oder wurden massivst kostspieliger. Und krepierten später. Schlaue Wirtschaftsexperten sind übrigens der Meinung, dass die Abschaffung niemandem etwas gebracht hat. Außer Nachteile. Aber es ging halt ums Prinzip.


Fotos aus Bagenkop, Oktober 2015

Südspitze Langelands, zwischen Bagenkop und Gulstav Mose
Oktober 2015: Südspitze Langelands, zwischen Bagenkop und Gulstav Mose

Ende Oktober 2015 fahren Buzz und ich via Alsen (Fähre nach Fünen), Tasinge und Syö nach Langeland. Und via Odense (Partynacht) und den Kleinen Belt (Brücke) wieder zurück. Perfekte Oldschool-Aktion. Übernachtungen auf Alsen, Langeland und in Odense. Wiederholungsgefahr? Da kann man nicht mehr von einer Gefahr, sondern eher von einer Garantie sprechen. Hundert pro nächstes Jahr noch mindestens einmal, soviel ist schon heute sicher! Nachfolgend paar Bilder aus Bagenkop.

Südspitze Langelands, zwischen Bagenkop und Gulstav Mose
Traumhafte Asselbank auf dem Fakkebjerg (höchster Berg Langelands)
Südspitze Langelands, zwischen Bagenkop und Gulstav Mose
Cooler Stellplatz bei Bagenkop (Klick und groß wird das Pic...)
Bagenkop (Klick und groß wird das Pic...)
Wahrzeichen Bagenkops: die Weiße Kirche
Badestrand, Bagenkop
"Neue" Wohnanlage auf dem Gelände des einstigen Fährterminals, Bagenkop
Blick vom Aussichtsturm auf Bagenkop samt Hafen und charakteristischer Kirche
Dagli Brugsen, Bagenkop
Bagenkop
Tomasz vorm ehemaligen Bäcker, Bagenkop: Erinnerungen werden wach...
Bagenkop

Während ich also an der Ostküste Langelands nordwärts unterwegs bin, schießen mir etliche Anekdoten längst vergangener Tage durch die Birne. Die Seiten füllen sich von alleine und ich habe das Heck für mich. Niemand stört. Ab und zu ziehe ich mir Mucke rein und stelle mich an die Reeling. Lasse das Meer unter mir vorbeiziehen und erwische leicht meditative Phasen. So eine Schifffahrt (Junge Junge, diese drei "f"s haben es echt in sich) ist definitiv entschleunigend. Auf der Rückfahrt könnte es vielleicht in Langeweile umschlagen aber soweit bin ich noch nicht. Bam, da ist sie, die Storebæltsbroen.

Auch hier werden, wie sollte es anders sein, süße Erinnerungen wach. Hier wurde auch meinerseits aktiv zur Völkerverständigung beigetragen. Ich sollte vielleicht echt mal ein Buch schreiben, mal sehen.

Storebæltsbroen
Storebæltsbroen, 18 Km lang... (Foto im Hellen)

Nachdem die Brücke unterquert ist, ist es an der Zeit ins Dreamland zu reisen. Will morgen fit sein. Einen kurzen Blick aufs Unterhaltungsangebot werfe ich jedoch noch. Bin zu neugierig.

Blick von außen nach innen, Stena Germanica, hinten am Heck bei den coolen, stählernen und bestens ausgeleuchteten Sitzmuscheln
Blick von außen nach innen, Stena Germanica, hinten am Heck bei den coolen, stählernen und bestens ausgeleuchteten Sitzmuscheln

Eine Bord-Disco gibt es nicht mehr. Dafür eine Bar mit Tanzfläche. Hier geht nichts mehr und ich kann mir auch kaum vorstellen, dass hier jemals wieder etwas geht. Okay, vielleicht mit viel Glück in der Hochsaison. Die Partyerwartung sollte auf keinen Fall Hauptgrund für eine Buchung sein, da lege ich mich gern fest. Früher war das freilich anders. Oh man, was haben wir es hier an Bord krachen lassen, die Ri-Schlange, T.L., Andy.Rea und ich... .

Der Ausflug dauert nur fünf Minuten, dann bin ich auch schon wieder in der Kabine. Ewig duschen, TV und schleunigst pennen lautet mein Motto.

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