Kurztrip mit der Stenaline von Kiel nach Göteborg und wieder zurück, September 2015
Tag1 - Tag2/3

Tag2, Montag

Lange überlege ich hin und her. Verpenne ich die Einfahrt in die Göteborger Förde? Gönne ich mir das Frühstücksbüffet für fast 15,-€? Beide Fragen beantworte ich mit "ja", drehe mich in der Koje nochmal auf die andere Seite und tapere erst um acht Uhr den Dreh zum Büffet, das genau wie das Unterhaltungsangebot bzw. Nachtleben verglichen mit früher (90er) massiv Federn gelassen hat. Bin enttäuscht, verleibe aber dennoch meinem (und dem meiner Neuen Hüpferlitasche) Bauch eine dem fürs Gebotene m.E. happigen Preis einigermassen angemessene Grundlage ein. Diese bringt mich über den ganzen Tag. Nicht nur das; bis zur Rückkehr nach Hause am übermorgigen Mittag werde ich keinen einzigen Cent (und auch keine Krone) in Fressalien investieren müssen. Sogesehen hat sich der Invest dann doch gelohnt.

Das Morgenbüffet der Stena Germanica erfüllt seinen Zweck
Das Morgenbüffet der Stena Germanica erfüllt seinen Zweck

Der zahlreichen Migranten wegen fürchte ich, verspätet von Bord gehen zu müssen und sichere mir lange vorm Anlegen einen Platz in der Pole Position am Ausgang des Schiffes. Die Türen öffnen sich und ich hechte los. Will die Älvsnabban nach Lilla Bommen, ins Zentrum der zweitgrößten Stadt Schwedens erwischen und habe deshalb keine Zeit zu verdaddeln. Fix aus dem Terminal raus und nach einem Blick auf die Uhr entspannt zum Anleger schlendern, der knapp fünf Gehminuten vom Deutschland-Terminal der Stena Line liegt und auf den Namen Klippans Färjeläge hört.

Deutschland-Terminal der Stena Line, Göteborg
Deutschland-Terminal der Stena Line, Göteborg
Kurz mal verschnaufen, mental ankommen, entschleunigen und den Blick auf die Älvsborgsbron genießen
Kurz mal verschnaufen, mental ankommen, entschleunigen und den Blick auf die fast einen Kilometer lange Hängebrücke, die Älvsborgsbron (w), genießen

Klippans Färjeläge
Klippans Färjeläge

Das 24h-Öffiticket Göteborgs ist der Knaller. Ich nehme vorweg, dass es auch das Black-Ticket getan hätte aber was soll´s. Der Preis ist mit 85,- SEK fair und es berechtigt zur Nutzung aller städtischen Öffis, inkl. der Göta Alv- und der Schärengartenfähren. Und so geht es auf dem Wasser stadteinwärts. Bei bestem Wetter. Ja, manchmal hat man Pech, manchmal Glück. Heute habe ich Megaglück. Ende September Temperaturen um die 18°C bei wolkenlosem Himmel und Windstille, und das in Göteborg - Bingo!

Blick über den Götaälven auf die frisch aus Kiel eingetroffene Stena Germanica
Blick über den Götaälven auf die frisch aus Kiel eingetroffene Stena Germanica
Eriksberg auf dem Nordufer
Eriksberg auf dem Nordufer
Blick über den Götaälven auf die frisch aus Kiel eingetroffene Stena Germanica und die Älvsborgsbron
Blick über den Götaälven auf die frisch aus Kiel eingetroffene Stena Germanica und die Älvsborgsbron

Kurz ein paar Worte zum heutigen Tagesplan. Dieser sieht folgende Programmpunkte vor: Fahrt über den Göta Älv vom Stena-Terminal ins Zentrum. Von da aus durchs Nordstan EKZ und mit der Straßenbahn nach Saltholmen. Von Saltholmen mit der Fähre nach Vrangö, von Vrangö via Asperö nach Brannö und da den Tagesausklang am Lotsutkikken abfeiern. Final dann wieder mit der Fähre nach Saltholmen und via Straßenbahn zum Stena-Terminal. Idealerweise mit einem ungefähr halbstündigen Puffer. Man weiß ja nie.

So, zurück zum Augenblick. Ich schippere über den Göta Älv und genieße die Sonne ebenso wie die bislang unbekannte Perspektive auf Göteborg (map).

Lustig ist sie nicht, diese Seefahrt, aber schön...
Lustig ist sie nicht, diese Seefahrt, aber schön...
Blick aufs Südufer und das Dänemark-Terminal der Stenaline (rechts die Stena Jutlandica)
Blick aufs Südufer und das Dänemark-Terminal der Stenaline (rechts die Stena Jutlandica)
Göteborger Werftanlagen
Göteborger Werftanlagen
Göteborger Werftanlagen
Göteborger Werftanlagen
Göteborg, Zentrum
Göteborg (w), Zentrum
Lilla Bommen (w); die Viermastbark Viking und das durchaus als Wahrzeichen zu benennende Bürohochhaus Skanskaskrapan
Lilla Bommen (w); die Viermastbark Viking und das durchaus als Wahrzeichen zu benennende Bürohochhaus Skanskaskrapan (w; im Volksmund "Lippenstift" tituliert)

Im Hafengebiet Lilla Bommen ist Endstation und leider ahne ich noch nicht, dass ganz oben auf dem Lippenstift eine tolle Aussichtsplattform auf mich wartet. Das finde ich erst heute, beim Tippen dieser Zeilen heraus, so ein Kack aber auch. Mist. Ich hasse Mist.


So sah das ganze übrigens im März 2015 aus...
So sah das ganze übrigens im März 2015 aus...

Ohne den bei Kenntnis obligatorischen Besuch auf der Aussichtsplattform schlendere ich zum Nordstan.

Älv-Snabben an der Endhaltestelle Lilla Bommen, Göteborg
Älv-Snabben an der Endhaltestelle Lilla Bommen, Göteborg
Nordstan, Göteborg
Nordstan, Göteborg

Im EKZ namens Nordstan, Göteborg

Beim Nordstan handelt es sich um ein klassisches Einkaufszentrum, in dem man alles bekommt was man brauchen oder nicht brauchen könnte. Früher haben die Ri-Schlange und ich hier gern bei Mc D herumgelungert und gegafft und uns darüber hinaus mit Supermarktkram versorgt. Zu gaffen gibt es immer weniger, aber das ist Ansichtssache. Damals war Göteborg bevölkerungsmäßig eine ganz andere Stadt als heute. Bin froh, dass ich den krassen Schock bereits vor einem halben Jahr nach vorheriger gut sechzehnjähriger Absenz verarbeiten musste. Göteborg, was hat man bloß aus dir gemacht? Okay, ich halte mich besser zurück. Keine Lust auf den nächsten Shit-Storm irgendwelcher Teddywerfer, die letzten Endes eine Menge Mitschuld tragen. Was in Schweden passiert ist und noch immer passiert stimmt mich traurig. Was derzeit in Deutschland geschieht ebenfalls.

Registerwechsel.

Ich verlasse das Nordstan EKZ und schlendere zu Straßenbahnhaltestelle "Brunnsparken" der Linie 11 nach Saltholmen.

Göteborg, links der Brunnsparken, rechts die Norra Hamngatan
Göteborg, links der Brunnsparken, rechts die Norra Hamngatan
Göteborg
Göteborg
Göteborgs Rathaus (rechts)
Göteborgs Rathaus (rechts)
Die Uhr ist eines meiner persönlichen Wahrzeichen...
Die Uhr ist eines meiner persönlichen Wahrzeichen...
Zack, da ist sie ja schon, die 11 nach Saltholmen, dem Tor zum südlichen Schärengarten
Zack, da ist sie ja schon, die 11 nach Saltholmen (map), dem Tor zum südlichen Schärengarten

Eine halbe Stunde circa dauert die Fahrt. Schon stehe ich überpünktlich vor dem Tor in den südlichen Schärengarten. Dem März-Trip sei Dank kenne ich mich gut aus und habe ein optimales Programm für den mir zur Verfügung stehenden zeitlichen Rahmen ausgearbeitet. Zunächst geht es mit der 281 von Saltholmens Brygga nach Vrångö. Vorher fülle ich noch meinen Trinkwasservorrat auf. Was ist eigentlich so toll an den Schären? Wer findet sowas laser? Jeder, der Bock auf Natur, Ruhe, Ursprünglichkeit und authentischen Ostsee-Schweden-Style hat. Jeder, der so tickt wie ich. Okay, Schwachsinn, von dieser Sorte gibt es nicht viele, ich merke es gerade selber.

Schärengartenboote legen hier ab...
Schärengartenboote legen hier ab...

Schärengärten gibt es zwei, einen südlich und einen nördlich der Göteborger Förde. Der südliche ist vermutlich aus touristischer Sicht attraktiver, der nördliche dagegen wesentlich stärker besiedelt und weniger pittoresk. Ich treibe mich also wieder im südlichen herum. An der Kasse liegen übrigens Fahrpläne und Übersichtskarten aus, bei denen ich mich bediene. Kurz gleiche ich die gedruckten Informationen mit den online recherchierten ab und stelle erfreut fest, dass mein Plan aufgeht. Nach Vrångö dauert die Bummelfahrt fast ´ne Stunde (es gibt auch Expressfahrten, die gut die Hälfte brauchen). Hier ist der Weg das Ziel.

Etliche der typisch schwedischen Schärenhäusschen sind ganz nach meinem Geschmack aber leider außerhalb meines Budgets...
Etliche der typisch schwedischen Schärenhäusschen sind ganz nach meinem Geschmack aber leider außerhalb meines Budgets (abgesehen davon ist Schweden inzwischen keineswegs mehr ein Traumland für mich)...
Mit der Fähre unterwegs im südlichen Schärengarten vor Göteborg, Ende September 2015

"Der Weg ist das Ziel" ist eine selten abgenutzte und dennoch ab und zu einfach nur passende Beschreibung. Heute z.B. ist es wirklich so, dass ich es nicht eilig habe mit der Ankunft auf Vrangö. Ich ergattere einen Platz im Freien und genieße die wunderschöne Landschaft. Ein bischen wie mein persönliches Paradies, wenn ich mir selbst eines erschaffen könnte.

Hafen von Donsö
Hafen von Donsö
Cafeteria an Bord des Schärenschiffs
Cafeteria an Bord des Schäenschiffs (mittig präsentiert: extremst leckere Krokofanter)

Eine großzügige Stunde Aufenthalt habe ich auf Vrangö. Genug, um kurz an eine schöne, weitläufige Bucht zu marschieren und dort in der Sonne zu entspannen. Zu wenig, um den kleinen, aber feinen im März gemachten Rundweg zu gehen.


Bilder vom kleinen, aber feinen im März gemachten Rundweg auf Vrangö:

Vrangö, Wartehäuschen
Vrangö, Wartehäuschen

Wegen des Rundgangs im März wußte ich bereits, was mich um die Landzunge herum erwartet. Aber dass es jetzt, bei diesem sensationell guten Wetter soviel schöner sein würde, war mir nicht klar.

Unterwegs auf Vrangö
Unterwegs auf Vrangö
Vrangö: dass es jetzt, bei diesem sensatiuonell gutem Wetter soviel schöner sein würde, war mir nicht klar
Vrangö: dass es jetzt, bei diesem sensatiuonell gutem Wetter soviel schöner sein würde, war mir nicht klar

Manchmal habe ich Glück, manchmal Pech. Heute meint es Petrus ganz besonders gut mit mir. Ich okkupiere eine Sitzbänke-Tisch-Kombination und ziehe oben herum blank. Lasse mich von den wärmenden Sonnenstrahlen verwöhnen und blinzle verzaubert vom Augenblick in die Sonne. Zeit für ein mir selbst leise aber bestimmt zugerauntes "Bingo!".

Kurze Asselei auf Vrangö - mehr geht nicht!
Kurze Asselei auf Vrangö - mehr geht nicht!

Komme kaum dazu, etwas niederzuschreiben. Bin zu begeistert von der Szenerie um mich herum. Diese Stille. Leise plätschern Miniwellen ans Ufer, ab und zu lacht eine Möwe (mich aus oder an?). Friedlich und einfach nur wahnsinnig entspannend ist es hier. Hier auf Vrangö. Ein tolles Plätzchen Erde.

Vrangö: ein tolles Plätzchen Erde
Vrangö: ein tolles Plätzchen Erde

Klar hätte ich hier gern bis zum Aufenthaltsende gechillt und das Expressboot zurück nach Saltholmen genommen, aber dann hätte ich a) keinerlei Puffer beim anschliessenden Straßenbahnritt gehabt und b) auf einen Besuch bei einem der ultimativ-geilsten Asselplätze, dem Lotsutkiken auf Brannö, verzichten müssen. Und so rast die kurze gute Stunde wie erwartet viel zu fix an mir vorbei.

Vrangö: ein tolles Plätzchen Erde
Vrangö: ein tolles Plätzchen Erde

Die 281 legt pünktlich ab. Wieder genieße ich die Fahrt in vollen Zügen. Sonne, Mucke, eine Menge Locals zum Beäugen und eine herrliche Landschaft hauen mich regelrecht aus meinen Luftschuhen heraus.
An dem Haltepunkt Asperö Östra (Foto; map) steige ich in die wenige Minuten später eintrudelnde 283 nach Brännö Rödsten (map) um.

Blick auf Brännö von Bord der 283 aus
Blick auf Brännö von Bord der 283 aus
Einfach nur wunderschön!
Einfach nur wunderschön!

Auf Brännö angekommen habe ich weit mehr als zwei Stunden Zeit, um zum Lotsutkiken zu gelangen, dort die Aussicht zu genießen und ein paar bis dato leere Seiten im Vilnius-Tb zu füllen. Weit mehr als zwei Stunden? Wie gern würde ich schon jetzt pauschal zwei, gern auch drei Stunden dazu bekommen. Heute wird die Zeit so richtig unangenehm flüchtig sein, das weiß ich schon jetzt, beim Verlassen der Silvertärnan am Anlegehafen namens Brännö Rödsten.

Brännö Rödsten: die Silvertärnan hat angelegt
Brännö Rödsten: die Silvertärnan hat angelegt

Dank der auch offline nutzbaren, sensationell guten Ullman-Pro-App latsche ich recht direkt Richtung Lotsutkiken. Komme auf dem Weg dorthin durch ein Wohngebiet, dass mir den Atem verschlägt. Das wäre genau mein Ding. Gewesen. Wobei hier auf den Schäreninseln die Welt noch einigermaßen in Ordnung zu sein scheint. Scheint? Ja, denn die Vandalenaktion auf die Zossen des lokalen Fahrradvermieter, bei dem allen Bikes die Reifen zerschlitzt wurden, sprechen eine angsteinflößende Sprache. Weiter geht es, auf dem Weg zum Aussichtspunkt Nummer 1 im südlichen Schärengarten, dem Lotsutkiken. Der warum auch immer im www kaum auffindbar ist. Gut so.

So schön... auf Brännö
So schön... auf Brännö

So schön... auf Brännö
So schön... auf Brännö (wer weiß wielange noch... )
So schön... auf Brännö (wer weiß wie lange noch... )

Ich sage es nochmal: diese Buden waren mein Traum. Vor sechzehn Jahren.

Pfad hinauf zum Lotsutkikken auf Brännö, südlicher Schärengarten, Göteborg
Pfad hinauf zum Lotsutkiken auf Brännö, südlicher Schärengarten, Göteborg

Auf den letzten Metern hinauf zum Lotsutkiken stolpere ich beinahe über meine eigenen Mauken. Bin total aufgeregt, in freudigster Erwartung auf den sich mir gleich bietenden, umwerfenden Panoramablick. Nur noch wenige Schritte. Ich fliege fast hoch. Beseelt von Euphorie und Wiedersehensfreude. Lotsutkiken, ich komme! Ba-Bam, da ist es, da bin ich. Wow! Schön, wieder da zu sein. Nach einem halben Jahr. Sicher nicht zum letzten Mal.

Laser! Da ist es, das Wahrzeichen des Lotsutkikkens: die kleine rot-weiße Holzbude auf dem Hügel, von dem man (ohne eben jene) einen 360°-Blick hätte, die dem ganzen aber erstt den letzten Feinschliff verleiht...
Laser! Da ist es, das Wahrzeichen des Lotsutkikkens: die kleine rot-weiße Holzbude auf dem Hügel, von dem man (ohne eben jene) einen 360°-Blick hätte, die dem ganzen aber erstt den letzten Feinschliff verleiht...

Klar, ich muss mich erstmal sammeln. Die Neue Hüpferlitasche ablegen und eine Runde um das rot-weiße Holzkabuff drehen und die wundervolle Rundumaussicht genießen.

Die wundervolle Rundumaussicht, Blick gen Nordos, vom Lotsutkikken aus
Die wundervolle Rundumaussicht, Blick gen Norden, vom Lotsutkiken aus
Blick gen Nordost, vom Lotsutkikken aus
Blick gen Nordost, vom Lotsutkiken aus

An dieser Stelle muss ich mich wiederholen. Wow! Welch phänomenale Aussicht!

Der Aussicht angemessen erscheint mir der Genuss einer Jolly Cola aus Assens, gekauft in Kupfermühle. Anschließend ziehe ich eine Dose Odense Pils aus den Weiten der Neuen Hüpferlitasche und schaue mir diese genauer an. Was muss ich entdecken? Das Viech kommt aus Faxe. In Odense gibt´s vermutlich keine Dosenabfüllanlage. Gibt es nicht. Habe gerade telefonisch nachgefragt. Na, dann ist ja gut.

Brewed at Royal Unibrew Faxe (die sollten besser "canned at" statt "brewed" schreiben
Brewed at Royal Unibrew Faxe (die sollten besser "canned at" statt "brewed" schreiben

Auf der Treppe der Bude sitze ich im Schatten. Ungeil. Ab in die Sonne. Wie praktisch, dass es gen Westen eine formidable Asselbank gibt. Eine der Kategorie "extremst deluxe"! Mehr geht nicht. Habe ich in letzter Zeit öfters geschrieben. Ist aber so. Hat keineswegs mit so ´ner Art inflationären Wortverwendung zu tun. Vielmehr liegt es wohl daran, dass ich immer besser im Aufspüren genialer Asselplätze werde. Ein Trüffelschwein mit jahrelanger Erfahrung quasi. Bin wohl inzwischen ein Asselplatzschwein. Bezogen aufs Aufspüren, versteht sich.

Die letzten Asselplätze waren aber auch überwiegend echt "over the top".

Asselbank eines der ultimativ-geilsten Asselplätze, des Lotsutkikken auf Brannö
Asselbank einer der ultimativ-geilsten Asselplätze, des Lotsutkiken auf Brännö
Karte: Lotsutkiken, Brännö, Göteborg
Karte: Lotsutkiken, Brännö, Göteborg
Blick ins Innere der Lotsutkiken-Bude auf Brännö
Blick ins Innere der Lotsutkiken-Bude auf Brännö

Die Zeit rast unbarmherzig davon. War von Vornherein klar. Schweren Herzens packe ich meinen Kram zusammen und drehe eine weitere melancholisch-nostalgisch-verklärte Runde um die rot-weiße Bude. Ich werde wiederkommen, das steht fest. Das verspreche ich mir selbst. Ein wahrlich traumhaft-fett-lasergeiler Platz!

Bye Bye, Lotsutkiken auf der Schäreninsel Brännö
Bye Bye, Lotsutkiken auf der Schäreninsel Brännö

Natürlich tut es hardcoremäßig weh, vor Sonnenuntergang aufzubrechen. Leider ist dieser Schritt tatsächlich alternativlos, da ich ja die Stena Germanica nach Kiel bekommen möchte. Kleiner Trost: den Sonnenuntergang an Ort und Stelle hatte ich bereits. An dieser Stelle sollte ich lächeln. Mache ich aber nicht. Weil ich weiß, was ich verpasse. Falscher Ansatz, ich weiß. Ich sollte besser sehen, was ich schon hatte bzw auf der inneren Festplatte abspeichern durfte.


Sonnenuntergang am Lotsutkikken, Brannö, März 2015
Sonnenuntergang am Lotsutkiken, Brannö, März 2015

Hastig eile ich also nach Ablauf der selbst gesetzten Deadline zum Bootsanleger.

Brännö
Brännö
Brännö, per Pedes darf ich...
Brännö, per Pedes darf ich...

Nach weniger als fünfzehn Gehminuten stehe ich am Anleger Brännö Rödsten.

Am Anleger Brännö Rödsten.
Am Anleger Brännö Rödsten
Beim Anblick des Schutzblechs dieses erlesenen Drahtesels wird Buzz vermutlich Pipi in den Augen haben...
Beim Anblick des Schutzblechs dieses erlesenen Drahtesels wird Buzz vermutlich Tränen der Rührung in den Augen haben...

Auf die Schärenfähre ist Verlass. Pünktlich geht es rüber aufs Festland.

Asperö
Asperö

Beim Stop auf Asperö zuckt es in meiner Muskalatur. Hier gibt es einen weiteren Top-Aussichtspunkt. Werde ich nächstes Mal beehren.

Asperö - oben auf dem Hügel ist der Top-Aussichtspunkt
Asperö - oben auf dem Hügel neben dem Mast ist der Top-Aussichtspunkt

Es gibt also alleine des Asperö-Viewpoints wegen einen Grund, nochmals hierherzukommen, fein.

Eine der Fähren im südlichen Schärengarten, Göteborg
Eine der Fähren im südlichen Schärengarten, Göteborg

Fakt ist, dass ich wiederkehren werde. Idealerweise sommers, mit der Option auf kostenneutrales Hecken- bzw. Strand- bzw. Steilküstenpennen. Zurück zum Augenblick. Von Saltholmen aus nehme ich die 11 bis Kungssten.

rIn der 11...
In der 11...

An der Haltestelle Kungsten steige ich um in die 9. Ab zur Haltestelle beim Deutschland-Terminal.


Umstieg aus der Linie 11 aus Saltholmen in die Linie 9 Richtung Angered ("Kun i Angered", seufz... ), die mich zur Straßenbahnhaltestelle Göteborg Karl Johans Gatan bringtUmstieg aus der Linie 11 aus Saltholmen in die Linie 9 Richtung Angered ("Kun i Angered", seufz... ), die mich zur Straßenbahnhaltestelle Göteborg Jaegerdorffsplatsen bringt
Meine Neue Hüpferlitasche und ich on Tour: Umstieg aus der Linie 11 aus Saltholmen in die Linie 9 Richtung Angered ("Kun i Angered", seufz... ), die mich zur Straßenbahnhaltestelle Göteborg Karl Johans Gatan bringt

Karl Johans Gatan. Hier steige ich aus und suche den vertrauten Weg gen Fähre.


Straßenbahnhaltestelle Göteborg Karl Johans Gatan

Früher war ich auf den letzten Metern zurück auf die Fähre immer traurig und wollte in Göteborg bleiben. Idealerweise leben. Der Wunsch, hier sesshafft zu werden, existiert nicht mehr. Das ist nicht mehr "mein" Göteborg von früher aber das erwähnte ich ja schon. Kurz vor der Fußgeherbrücke zum Terminal gibt es eine Asselbank, auf der ich zuletzt im März kurz asseln durfte. Heute ist sie leider voll besetzt. Vier Local-Eulen hängen ab und wollen sich, genau wie ich, den Sonnenuntergang keineswegs entgehen lassen. Ein paar Minuten habe ich noch, ich will erst in allerletzter Minute zurück an Bord. Deshalb setze ich mich auf einen Felsen mit Abstand zu den Hangarounds und lasse die Gedanken um vergangene vor Ort gesammelte Styles kreisen.

Finale Asselei in Göteborg
Finale Asselei in Göteborg
Finale Asselei in Göteborg, Blick von der Fußgeherbrücke stadteinwärts, d.h. gen Osten
Finale Asselei in Göteborg, Blick von der Fußgeherbrücke stadteinwärts, d.h. gen Osten

An Bord hetze ich sofort aufs Deck.

Sonnenuntergang in Göteborg
Sonnenuntergang in Göteborg

Rasch habe ich meine bequeme Steh-Ecke gefunden und lasse bei der Ausfahrt aus der Förde die Landschaft an mir vorüberziehen. Besonders heiß bin ich auf den Lotsutkikken, den ich nach guten zwanzig Minuten auch erblicke.

Mach´s gut, Göteborg! Den Turnaround wirst Du nicht mehr packen, fürchte ich!
Mach´s gut, Göteborg! Den Turnaround wirst Du nicht mehr packen, fürchte ich!
Unter der Älvsborgsbron
Unter der Älvsborgsbron
Südlicher Schärengarten, schön zu erkennen Saltholmen (ganz rechts die lange Große Insel ist Brännö, bei der Auflösung kann man den Lotsutkikken leider nicht ausmachen)
Südlicher Schärengarten, schön zu erkennen Saltholmen [ganz rechts die lange Große Insel ist Brännö, bei der Auflösung (ein Klick aufs Bild hilft) kann man den Lotsutkikken leider nicht (doch, als Profi kann man es bei der maximalen Auflösung) ausmachen]


März 2015: So sieht es aus, wenn die Stena Line am Lotsutkikken vorbeischippert...
März 2015: So sieht es vom Lotsutkikken aus aus, wenn die Stena Line vorbeischippert...


Letzter Blick gen Osten auf Göteborg
Letzter Blick gen Osten auf Göteborg
Die Schären; ein traumhaft schönes Fleckchen Erde!
Die Schären; ein traumhaft schönes Fleckchen Erde!

Wenige Minuten nach der Ausfahrt aus dem Götaälv verschwinden fast alle Leute ins Schiffsinnere. Den gestern beehrten Asselplatz mit Heckblick kennt eh kaum jemand und so genieße ich noch ein paar schöne Stunden allein. Meditativ. Zurück in der Kabine, die übrigens während des Aufenthalts nicht gesäubert wurde, folgt das standardisierte Trip-Programm, bestehend aus langem Duschen und TV. Wlan gibt´s in dieser Kabine nicht. Ach ja, eins noch zum Thema Wlan: in vielen öffentlichen Bereichen ist eben jenes derzeit kostenfrei nutzbar.

Tag3, Dienstag

Die Nacht war zu kurz, keine Frage. Auf das für meinen Geschmack teure Frühstück verzichte ich. Habe eh noch Kram von gestern dabei. Und so latsche ich ziemlich rott zunächst zum Kieler Hauptbahnhof, um die Abfahrtszeit des durchgehenden ICE nach Hause zu verifizieren. Hätte ich auch mittels der DB-App machen können aber egal. Ist kein nennenswerter Umweg zur Asselbank an der Hörn, auf der ich bis 11h den Dreh zu verweilen gedenke.

Kiel Hauptbahnhof
Kiel Hauptbahnhof

Wer in Kiel verspätungsgeplagt auf seinen Zug warten muss, hat Glück im Unglück. Einen Katzensprung vom Kopfbahnhof entfernt befinden sich diverse Asselbänke an der Hörn. Auf diesen Bänken haben Buzz, die KPF und ich damals stets das Ritual des "Final Cuts" vollzogen, ehe wir die Falle enterten. Die Bänke waren auch bei den Mädels aus Linz sehr beliebt. Ach ja, ich sollte mal ein Buch schreiben (unter Pseudonym; mehrere... ). Auch schon wieder locker fuffzehn Jahre und länger her. Wie auch immer, auf einer der wohlbekannten Bänke schlage ich heute anderthalb Stunden lang Wurzeln.

Kiel, an der Hörn auf Höhe Hauptbahnhof
Kiel, Blick von der Asselbank an der Hörn auf Höhe Hauptbahnhof auf das östliche Ufer (mittig im Bild die Fähre der Color Line)

Die Hörn ist den Kieler Stadtplanern für meinen Geschmack nach langer Zeit echt gelungen. Wenn ich nur an die Probleme mit der Klappbrücke denke, könnte ich allerdings derbst ablachen. Ablachen kann ich selbstredend auch, als ich mir ein paar der vielen Maufa-Anekdoten durch den Kopf gehen lasse. Teils echt Nummern, die niedergeschrieben und verbreitet gehören. Die Zeit rast davon, Kiel flasht mich und so schwer es mir auch fällt, ich muss los. Beschissene Zugbindung. Eine Stunde mehr wäre toll gewesen. So ziehe ich sentimental Leine und werfe noch einen Blick auf den Maufa-Eingang, dessen Pforten sich seit Monaten nicht geöffnet haben. Wäre schade, wenn die Falle dauerhaft aus dem Leben geschieden wäre.

Ach ja, die Maufa zu Kiel (alleine zu den selbst miterlebten Geschehnissen innerhalb dieser durchaus als einschlägig zu bezeichnenden Kieler Party-Location könnte ich ´nen Roman schreiben)- ob die jemals wieder aufmacht?
Ach ja, die Maufa zu Kiel (alleine zu den selbst miterlebten Geschehnissen innerhalb dieser durchaus als einschlägig zu bezeichnenden Kieler Party-Location könnte ich ´nen Roman schreiben)- ob die jemals wieder aufmacht?

Der ICE steht bereits einstiegsbereit am Gleis. Muss mich zwecks Ergatterns eines guten Sitzplatzes jedoch ausnahmsweise nicht sputen, da ich eine Platzreservierung für umme ergattert habe. Was da bei der ÖBB los war, weiß ich nicht. Ist auch egal. Auf jeden Fall bleibt noch genug Zeit für einen Blick auf den Sophienhof. wo ich massiven Backflashs ausgesetzt bin. Krass, dass ich bei der Eröffnung des Kieler EKZ im Jahre 1988 live dabei war.

EKZ Sophienhof, Kiel
EKZ Sophienhof (w), Kiel
Bushaltestelle bzw. Umstiegspunkt Nr.1: Kiel Hauptbahnhof
Bushaltestelle bzw. Umstiegspunkt der Kieler Verkehrsbetriebe (w) Nr.1: Kiel Hauptbahnhof

Kieler Hauptbahnhof, rechts steht der ICE nach Basel (direkt nach Hannover, sauber!), bereit

Der Rest ist schnell erzählt. Im Zug klappe ich den Laptop auf und freue mich darüber, dass der Nebenplatz leer bleibt. Zurück in Hannover stelle ich fest, dass der Trip toll war. Zu schade, dass Rainer die Flugverbindung Bremen - Göteborg eingestellt hat. Die Schären werden mich dennoch wiedersehen, soviel ist mal sicher.

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