Ein verlängertes Wochenende in:
L i t a u e n - L i e t u v a
Kaunas, Vilnius, Trakai, März 2010

Ryanair (w) kam im Januar preislich aus dem irischen Knick gestiegen und offerierte uns, das bedeutet Nitusz und mir, die Gelegenheit, gegen ein als äußerst gering zu bezeichnendes Entgelt den Länderpunkt Litauen (Übersicht der von Tomasz und Buzz besuchten Staaten Europas) einheimsen zu können. Hinflug am Freitag, Rückflug am Montag. Optimale Flugzeiten für unser "Projekt Litauen". Mitte März war es dann soweit. Wir bestiegen den Flieger nach Kaunas. Litauen (Radreisebericht) stellten wir uns in etwa so vor wie Lettland. Den entsprechenden Länderpunkt hatten wir übrigens 23-mäßig vor auf den Tag genau zwei Jahren eingetütet.

Tag1:

Zunächst gilt es wie so häufig den der Stadt mit dem gewissen Nichts am Nächsten gelegenen Ryanairflughafen zu erreichen. Mit dem Benz fahren wir nach Bremen (w) und parken ihn, kostenneutral und läppische zehn Gehminuten vom Bremer Ryanair-Terminal entfernt, im altbewährten Wohngebiet.

Auf dem Weg vom kostenneutralen Parkplatz im Wohngebiet zum Terminal

Auf dem Weg vom kostenneutralen Parkplatz im Wohngebiet zum Terminal

Auf dem Weg vom kostenneutralen Parkplatz im Wohngebiet zum Terminal

Auf dem Weg vom kostenneutralen Parkplatz im Wohngebiet zum Terminal - hier in der Nähe hat der Big Buzz schon auf Zeitungen übernachtet!

Auf dem Weg vom kostenneutralen Parkplatz im Wohngebiet zum Terminal

Wir sind gut in der Zeit, nach dem Passieren der Sicherheitskontrolle, zuvor wurde unser Handgepäck mal wieder gewogen, haben wir noch eine Viertelstunde bis zum Schließen der Gates. Umso unverständlicher, dass die üblichen Esel sich jetzt schon in der Warteschlange tummeln und aggro dreinschauen. Der Flug ist gut ausgelastet, dennoch finden Nitusz und ich Plätze nebeneinander.

Nach anderthalb Stunden landen wir in Kaunas (w), der zweitgrößten Stadt Litauens (w). Der Flughafen kommt daher wie jener von Entenhausen. Abgesehen vom Flughafen Holtenau (w) der kleinste, auf dem ich jemals gelandet bin.

Ankunft auf litauischem Boden - Kaunas airport

Ankunft auf litauischem Boden - Kaunas Airport

Kaunas, Flughafen

Kaunas, Flughafen

Nitusz hat zum ersten Mal litauischen Boden unter den Füßen und freut sich über den neuen Länderpunkt

Nitusz hat zum ersten Mal litauischen Boden unter den Füßen und freut sich über den neuen Länderpunkt

Zu Fuß geht es über das Rollfeld zu einem kleinen Seiteneingang ins Terminal. An der Tür stehen zwei Beamte mit einem Drogenspürhund, der die Handgepäckstücke beschnuppert. Eine Kontrolle der Ausweispapiere entfällt seit dem 21. Dezember 2007. Des Schengener Abkommens, das auch Litauen unterzeichnet hat, wegen. Im Flughafengebäude gibt es einen Kiosk, zwei Geldautomaten, eine Wechselstube und einen Ticketschalter. Sonst nichts. Reicht für unsere Bedürfnisse aber auch aus. Mit den frisch gezogenen Litas, der Automat spuckt leider nur Hunderter aus, begeben wir uns zur Bushaltestelle. Gerade noch rechtzeitig erhellt mich ein Geistesblitz: der Fahrer wird den Hunnie sicher nicht annehmen bzw. Wechselgeld herausgeben können/wollen, also kaufe ich eine Kleinigkeit im Kiosk. Schon fährt der Bus der Linie 29 ein. Sehr gut, denn der Bus fährt nur halbstündlich. Ich gebe dem Fahrer passend vier Litas und bekomme im Gegenzug die Fahrscheine für Nitusz und mich. Ein paar wie wir frisch angekommene Touris wollen mit einem Hunderter bezahlen und haben keine Chance. Pech gehabt.

Die Fahrt dauert über eine halbe Stunde, vom Flughafen in Karmelava (Karte) zum Hauptbahnhof sind es locker zwanzig Kilometer. Die umgerechnet 60,- Cent pro Nase haben sich also mehr als gelohnt.

Blick von der Bushaltestelle der Linie 29 auf den Hauptbahnhof der zweitgrößten Stadt Litauens (Kaunas)

Blick von der Bushaltestelle der Linie 29 am Vytauto Propektas auf den Hauptbahnhof der zweitgrößten Stadt Litauens (Kaunas)

Am Bahnhof stellen wir entgeistert fest, dass uns der Zug nach Vilnius vor wenigen Minuten entwischt ist. Der nächste fährt um 15.30 Uhr. Ortszeit. Die Uhren in Litauen gehen gegenüber denen in Deutschland übrigens eine Stunde vor. Was machen wir die nächsten 1.20h? Obwohl der Wartesaal und alle anderen Bahnhofsanlagen auch sehr sauber und gepflegt aussehen, wollen wir hier nicht sinnlos asseln. Packen unser Gepäck in ein Schließfach, wofür vier Litas zu zahlen sind. Fair. Nach dem Bezahlen ziehen wir einen Zettel aus nem Schlitz, auf dem unsere Abhol-PIN steht. Der technische Fortschritt hat also auch in der Gepäckaufbewahrung am Bahnhof von Kaunas Einzug erhalten und mal eben geschätzte zwei-drei Arbeitsplätze vernichtet.

Vom Gepäck befreit wollen wir eine Runde um den Bahnhof herum drehen, doch vorher besorgen wir uns die Fahrkarten für den Schnellzug in die Hauptstadt. Die Ticketverkäuferin konfrontiert uns mal wieder mit der erlesenen Unfreundlichkeit in vollendeter Perfektion, wie sie nur von osteuropäischem Dienstpersonal beherrscht zu werden scheint. Die schrullige Alte ist ihren Kolleginnen in Odessa (eigener Reisebericht), Szczecin und Riga jedenfalls ebenbürtig. Pro Person 17,- Litas sind für die Fahrt zu entrichten.

Bahnhofsvorplatz bzw. M.K. Ciurlionio Gatve, Kaunas

Bahnhofsvorplatz bzw. M.K. Ciurlionio Gatve, Kaunas

Die innerhalb der uns zur Verfügung stehenden guten Stunde fußläufig erreichbare Umgebung bietet nicht viel. Das Zentrum und der einzige mich wirklich faszinierende Punkt der Stadt, der des Zusammenfließens (Karte) von Nemunas aka Memel (w) und Neris (w), sind circa sechs bis sieben Kilometer vom Bahnhof entfernt. An die Nemunas kommen wir auch nicht heran, da die enormen Schnee- und Eismassen seit einigen Tagen tauen und Wege, Straßen und vor allem natürlich Wiesen und Freiflächen in glitschig-modrige Sümpfe verwandeln.
Wir machen aus der Not eine Tugend und beäugen interessiert die erstbesten sich uns bietenden Plattenbauten. Erstaunlich heruntergekommen, sieht größtenteils erheblich vergammelter als in Lettland aus. Dennoch stylish!

Kaunas, Litauen - Bahnhofsgegend

Kaunas, Litauen - Bahnhofsgegend

Kaunas, Litauen - Bahnhofsgegend

Kaunas, Litauen - Bahnhofsgegend

Die sich uns bietenden Platten erinnern an tiefstes Ostpolen und wissen sowohl zu begeistern als auch gleichermaßen zu entsetzen. Man scheiße, in so einer Bude wohnen zu müssen ist definitiv der absolute Alptraum.

An die Ufer der Memel schaffen wir es der miesen Oberflächenverhältnisse leider nicht. Was soll´s. Machen wir halt einen Spaziergang durch die geflutete, siffige Bahnhofsgegend.

Tomasz in Kaunas

Tomasz in Kaunas

Kaunas, Bahnhofsgegend

Kaunas, Bahnhofsgegend

Wir latschen hin und her, staunen über die verkommen(d)e Bausubstanz und fühlen uns an die berühmte Berliner Mauer (w) zur Zeit des Kalten Kriegs zurückversetzt, als wir die Lärmschutzmaßnahme an der Prietilcio Gatve in Augenschein nehmen.

Wir latschen hin und her, staunen über die verkommen(d)e Bausubstanz und fühlen uns an die berühmte Berliner Mauer zur Zeit des Kalten Kriegs rückversetzt, als wir die Lärmschutzmaßnahme an der Prietilcio Gatve in Augenschein nehmen.

Berliner Mauer Style in Kaunas, Litauen

Zufälligerweise stolpern wir über die Brauerei namens Ragutis. Und über die brauereieigene Direktverkaufsbude.

Brauerei Ragutis, Kaunas

Brauerei Ragutis, Kaunas

Da es ansonsten definitiv nichts zu sehen gibt, beehren wir den Kiosk.

Brachliegendes Gebäude gegenüber der Ragutis-Brauerei, Kaunas

Brachliegendes Gebäude gegenüber der Ragutis-Brauerei, Kaunas

Wir betreten den Raum und bemerken sofort den exklusiven in der Luft liegenden Assiduft. Da schnuppern wir es wieder, das berühmt-berüchtigte süß-säuerliche Eau de Kattowice Glowny in Vollendung! Würg! Kein Wunder, hängen hier doch etliche Hardcore-Eulen auf den beiden Holzbänken herum. Die Verkäuferin spricht polnisch und tut uns leid. Wir erwerben das lokale Bier und ziehen es vor, die Buddeln vor und nicht in dem Laden zu konsumieren.

Urlaubstyle.

Nitusz und ich freuen uns darüber, ein Wochenende in Litauen verbringen zu können und stoßen auf unseren irischen Freund Rainer an.

Brauerei Ragutis, Kaunas

Brauerei Ragutis, Kaunas

Nach wenigen Minuten gesellt sich eine der Eulen aus dem Inneren der Verkaufsstelle, seinem Wohnzimmer, zu uns. Ungefragt drängt er uns ein Gespräch auf. Litauisch verstehe ich noch weniger als ungarisch und so lallt er förmlich ins Leere. Hätte er mir sein Mitteilungsbedürfnis in lesbaren Druckbuchstaben auf einen Zettel gezaubert, hätte ich ihn wesentlich besser verstanden. Beim Lesen der Landessprache bilde ich mir eine gewisse Ähnlichkeit zum Polnisch-Tschechischen bzw. allgemein Slawischen ein, gemischt mit germanischen Einflüssen. Kann aber auch vollkommen falsch sein, meine Einschätzung. Bin schließlich kein Linguist und habe auch keine Doktorarbeit darüber gelesen geschweige denn verfasst.

Die aus seinem nahezu zahnlosen, übelst verfault riechendem Mund herüberwehende Fahne zwingt mich dazu, ihn unwirsch zu unterbrechen und darüber aufzuklären, dass wir seine Sprache nicht sprechen und keinen Bock auf eine Unterhaltung mit ihm haben. Beeindruckt den Typen nicht. Stattdessen textet er uns nun auf russisch voll. Sein von zwei Goldzähnen geschmückter und ansonsten leerstehender Unterkiefer gleitet dabei smooth von oben nach unten. Seine Kiefer bewegen sich aber wir hören nichts. Nichts, was irgendwie Sinn ergeben würde. Wichtig jedoch und unbedingt hervorzuheben gilt, dass er keineswegs aggro unterwegs ist. Er sülzt uns mit unerwartet friedvollen Phrasen wie "Ob nun Litauen oder Deutschland, beide Länder sind gleich cool" und "Es ist egal, wo man herkommt, Hauptsache man ist und bleibt Mensch" und "Alle Menschen sind gleich und sollten sich lieb haben" voll.

Lobenswert. Ändert aber nichts daran, dass wir unsere Ruhe haben und bis zur Abfahrt des Zuges nach Vilnius euphorisch weiterplaudern wollen. Da die verbale Kommunikation extrem eingeschränkt ist, zieht sich der Trunkenbold nach Aufquarzen seiner weißrussischen Kippe wieder in sein Wohnzimmer zurück.

Umgebung der Radutis Brauerei in Kaunas

Umgebung der Radutis Brauerei in Kaunas

So bleibt mir und meiner besseren Hälfte noch ausreichend Zeit, ungestört über das hier und jetzt zu philosophieren, ehe wir uns auf die Socken zum Bahnhof von Kaunas begeben müssen.

Kaunas Hauptbahnhof

Kaunas Hauptbahnhof

Das unsererseits gewählte Transportmittel von Kaunas nach Vilnius weiß vollends zu begeistern. Vor Antritt der Reise tippe ich den auf unserem Abgabebon gedruckten Code auf der Tastatur des Gepäckabgabeverwaltungscomputers ein und stelle erleichtert fest, dass sich der "Safe" tatsächlich öffnet. Nitusz und ich erfreuen uns erneut, und zwar am Zustand der Bahn nach Vilnius. Hochmodern, sauber und preiswert. So sollen Bahnreisen sein.

Die Litauische Bahn hat, jedenfalls bei uns, den sprichwörtlichen Stein im Brett.

Ankunft in Vilnius

Ankunft in Vilnius

In Vilnius (w) angekommen begeben wir uns schnurstracks zum Hotel unseres Vertrauens, welches uns für die nächsten drei Nächte ein hoffentlich lauschiges Dach über dem Kopf bieten wird. Die Distanz vom Bahnhof zum Hotel Uniquestay Vilnius legen wir auf Schusters Rappen zurück. Gemäß Stadtplan keine drei Kilometer, also easy.

Vilnius Hauptbahnhof

Vilnius Hauptbahnhof

V. Sopeno Gatve, Vilnius, Bahnhofsgegend

V. Sopeno Gatve, Vilnius, Bahnhofsgegend

Vilnius - keine ahnung, was das wohl mal gewesen sein mag. Scheint jedenfalls nicht besonders beliebt gewesen zu sein...

Vilnius - keine Ahnung, was das wohl mal gewesen sein mag. Scheint jedenfalls nicht besonders beliebt (gewesen) zu sein...

Das Hotel Uniquestay, welches (hier kommt erneut der 23-Faktor ans Tageslicht) wie schon das Monika in Riga der Centrum-Kette angehört, ist innerhalb einer halben Stunde erreicht. Der Check In verläuft professionell und binnen weniger Minuten. Den Voucher brauchen wir nicht vorzulegen. Der Typ an der Rezeption verlangt nichtmal die Ausweise. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

Die Inspektion des Doppelzimmers im Uniquestay Vilnius stimmt uns, nicht nur angesichts des sensationellen Übernachtungspreises, mehr als positiv. Die uns zugewiesene Butze hat die Nummer 216 und ist astrein. Super sauber. Geräumig, modern und ansprechend möbliert. Die Glotze empfängt diverse deutsche TV-Sender, unter anderem: ARD, Sat1, RTL, VOX und Super RTL. Ausreichend. Größte Überraschung außer dem französischen Balkon ist der auf dem Zimmer bereitgestellte komplette Rechner (der allerdings dermaßen langsam läuft, dass wir es dann doch vorziehen, den eigenen Laptop anzuschließen). Ach ja, und ehe ich es vergesse: das Badezimmer verfügt über eine sehr komfortable Badewanne. Die Preise für ausgehende Telefonate und die Minibar jedoch sind einfach nur dumm-dreist hoch.

Heute wollen wir, thank god it´s friday, Party machen. An der Rezeption fragen wir nach dem nächstgelegen Supermarkt und werden an den Hipermarket Rimi in der Vivulskio Gatve Ecke Smolensko Gatve (Karte) verwiesen. Eine Viertelstunde zu Fuß, kein Problem. Die Preise im Rimi zu Vilnius sind okay. Ungefähr auf dem gefühlten Niveau eines deutschen Penny-Markts. Wir decken uns ein mit Salaten von der Frischetheke, Baguette, eingelegten Gurken, Dillchips, Coke, Mineralwasser (das Leitungswasser im Hotel Uniquestay schmeckt nach Chlor und sonst nichts), und litauischen Brauereierzeugnissen. Utenos (Test), Kalnapilis (Test) und Ragutis Fortas wandern in den Einkaufswagen.

Zurück auf der Hotelbude gehen wir den Abend bzw. die Partynacht gemächlich an und genießen das kostenneutrale Internet sowie die vorhandenen deutschen Fernsehsender. Kurz nach Mitternacht bestellen wir uns ein Taxi und lassen uns zur Disse unserer Wahl chauffieren. Der Arsch am Steuer ist ein Abzieher. Sein Taxometer verfügt vermutlich über einen Schalter, der das Doppelte des Fahrpreises anzeigt. Zwanzig Litas für weniger als fünf Kilometer erscheinen uns dann doch eher happig.

Final landen Nitusz und ich im Brodvejus. Preise, Niveau und Publikum passen wie Arsch auf Eimer.

Für die Taxifahrt zurück zum Hotel sind übrigens nur knapp zehn Litas zu berappen.

Tag2:

Bis elf Uhr wird das Frühstück in Buffetform bereitgestellt. Das Angebot ist nicht nur quanti-, sondern auch qualitatv als sehr hochwertig zu beurteilen. Entsprechend verleiben Nitusz und ich uns eine bis zum Abend hin ausreichende Grundlage ein. Man minimiert die Kosten eines Kurztrips halt wo man kann.

Heute wollen wir uns das wohl bekannteste touristische Ziel Litauens, noch vor der Kurischen Nehrung und dem Berg der Kreuze reinziehen: das berühmte Wasserschloss Trakai (w). Wir begeben uns zum Busbahnhof und sind pünktlich vor Abfahrt des Minibusses da. Knapp unter sieben Litas pro Zinken wechseln den Besitzer. Preiswertes Vergnügen, die Öffis in Litauen.

Auf nach Trakai!

Eine Dreiviertelstunde und gut 30 Km später steigen wir am ZOB des kleinen Städtchens aus und machen uns auf die Suche nach dem so heftig angepriesenen und ach so sehenswerten Wasserschloss (Fotos) auf einer der zahlreichen Inseln im ca. 400 Hektar großen Galve-See.

Trakai, Busbahnhof

Trakai, Zentraler Omnibus Bahnhof

Trakai, Totoriskiu Ezero

Trakai, Totoriskiu Ezero

Sowohl Bahn- als auch Busbahnhof liegen recht weit außerhalb der Wasserburg. Auf dem Weg dorthin kommen wir an zwei großen Supermärkten vorbei, am ersten erfolgt die Wasserversorgung.

Burg Trakai

Burg Trakai

Burg Trakai

Burg Trakai

Auf eine intensive Inspizierung des Burginneren verzichten wir. Das dieses Wasserschloss (und die an die Holsteinische Schweiz (w) zumindest ansatzweise erinnernde Landschaft) dermaßen gehyped wird, sagt einiges über das touristische Attraktivitätspotential Litauens aus, finde ich. Sorry, Litauenfreunde, aber Land und Leute sind meines Erachtens abgesehen von der Kurischen Nehrung wirklich nicht der Knaller.

Das Gleiche gilt für das nur 40 Km von Vilnius entfernte Weißrussland (w). Den Staat hätten wir allerdings wesentlich lieber besucht als Trakai. Wie gern würden Nitusz und ich den entsprechenden Länderpunkt einsammeln. aber nein, Belarus (Botschaft) hat anscheinend kaum Bock auf zahlende Kundschaft und erschwert die Einreise mit überflüssigen Schikanen wie dem kostenspieligen, für einen stylishen Tagestrip rotzfrech teuren Visum.

Am frühen Nachmittag fahren wir mit dem Minibus zurück nach Vilnius und lassen uns an einer Kreuzung in der Nähe des gestern als hervorragend eingestuften Rimis absetzen. Praktisch. Diese Marshrutkas und Minibusse halten auf Anfrage überall, wo es möglich ist. Die letzten Meter führen uns durch ein typisches Wohngebiet. Rotte Platten in Vollendung!

Wohngebiet am Rand der litauischen Hauptstadt

Wohngebiet am Rand der litauischen Hauptstadt

Rotte Platten in Vollendung

Vilnius, Zemaites Gatve - Rotte Platten in Vollendung

Vilnius, Zemaites Gatve / Ecke Egliu Gatve - Rotte Platten in Vollendung

Vilnius, Zemaites Gatve / Ecke Egliu Gatve - Rotte Platten in Vollendung

Wenn ich die miesen Buden so ansehe, verstehe ich weshalb die meisten Einheimischen mit Muffvisagen durch ihre graue Stadt latschen. Mir wäre auch nicht gerade nach Sambatanzen, wenn ich in einem der heruntergekommenen Wohnsilos hausen müsste. Ernsthaft: es ist anscheinend egal, wohin man kommt. Überall wird man entweder ignoriert oder mit erlesener Unfreundlichkeit konfrontiert. Selbst als zahlender Kunde, egal ob im Hotel, bei der Bahn oder im Supermarkt, weiß man sofort, dass man absolut unerwünscht ist.

Servicewüste Deutschland? Verglichen mit den Zuständen in Litauen ein Mordsgag!

Wohnblock in Vilnius

Typischer Wohnblock in Vilnius

Bei Rimi gönnen wir uns landestypische Speisen vom Supermarktimbiss. Teigtaschen, Hühnerbeine und irgendwas kartoffeliges. Cepelinai (w) heißen die Teile. Gut und günstig. Zurück im Hotel wundern wir uns einmal mehr über das sensationell desinteressierte Rezeptionspersonal. Dass der Typ uns nicht grüßt, nicht lächelt sondern komplett ignoriert, ist schon nicht schlecht für ein Businesshotel, erstaunt uns aber nach den Erfahrungen am Frühstücksbuffet nicht wirklich.

Auf dem Zimmer lassen wir es gemütlich angehen und starten dann doch noch durch in eine weitere Partynacht in Vilnius. Gegen Mitternacht rufen wir den gleichgültigen Rezeptionisten an um ein Taxi zu bestellen. Stöhnend geht er ans Telefon und beschwert sich grummelnd darüber, dass wir ihn geweckt haben. Unglaublich.

Das Taxi in die Stadt, zum Rathaus kostet heute elf Litas. Praktischerweise befinden sich die meisten Discos und Pubs im Zentrum und sind somit, wenn man erstmal in der Innenstadt ist, zu Fuß abklapperbar. Das Helios sagt uns nicht zu und so landern wir erneut im Brodvejus. Bleiben eine ganze Weile, der Laden ist proppevoll und weiß, mehr noch als gestern, zu gefallen. Das Taxi zurück zum Uniquestay kostet 14,- Litas. Na ja.

Tag3:

Das Frühstücksbuffet steht heute, am Sonntagmorgen, bis elf Uhr für uns bereit. Die miesepetrige Aggro-Servicekraft von gestern ebenfalls. Keine Begrüßungsfloskel, kein Verziehen der Miene, die Mundwinkel bleiben stets unten. Das einzige was die verstimmte, im Hotelgewerbe vollkommen deplatzierte Tusse interessiert ist unsere Zimmernummer. Nachdem wir ihr diese nennen, läßt sie sich nicht mehr blicken. Latte. Hauptsache das Buffetangebot stimmt, und das tut es.

Vollgefuttert machen wir uns auf zum großen Stadtrundgang. Was finden die Leute bloß an Vilnius? Riga (w, eigener Reisebericht) ist vermutlich am Ehesten vergleichbar und definitiv um einiges schöner und anziehender. Verglichen wiederum mit Lübeck (w) oder Danzig (w, eigener Reisebericht) ist Riga dann aber auch nicht mehr als ein Furz. Wir finden die Stadt Vilnius (Reisebericht) jedenfalls nicht besonders toll, sind aber froh, mal hier sein zu können und latschen motiviert und interessiert durch das Zentrum der litauischen Kapitale (Reisebericht). Dennoch: Kulturhauptstadt Europas 2009? Unfassbar!

Orhodoxe Kirche von St. Michael und St. Constantine (Šv. Konstantino ir šv. michailo cerkve), Vilnius

Orhodoxe Kirche von St. Michael und St. Constantine (Šv. Konstantino ir Šv. Michailo Cerkve), Vilnius

Kirche in Vilnius, kein Plan wie die heißt - der Dom?

Kirche in Vilnius, kein Plan wie die heißt

Altstadt von Vilnius, Litauen

Bemerkenswert ist übrigens der selten geisteskranke und vollends aggressive Fahrstil der Litauer. Vollgas, Fußgänger erschrecken und beinahe umnieten, Gummi riechen lassen und Geschwindigkeitsbegrenzungen sowie Ampelfarben komplett ignorieren sind für viele einheimische Fahrer ehrenwerte Disziplinen, in denen sie europaweit ganz weit vorn sind.

Wikipedia zum Beispiel schreibt: "Mit durchschnittlich 219 Verkehrstoten pro Million Einwohner im Jahr ist der Verkehr in Litauen der gefährlichste in der gesamten EU".

Da macht der Spaziergang gleich umso mehr Spaß.

Altstadt von Vilnius, Litauen

Wie auch immer, Vilnius haut uns nicht gerade vom Hocker und so steuern wir am späten Nachmittag den bewährten Rimi an. Versorgen uns mit einem ansprechenden Proviantpaket und beehren das Hotelzimmer.

Hipermarket Rimi in der Vivulskio Gatve Ecke Smolensko Gatve

Hipermarket Rimi in der Vivulskio Gatve Ecke Smolensko Gatve (Karte)

Auf einen Besuch im hoteleigenen Spabereich verzichten wir notgedrungen. Die Entgeltforderungen sind schier unglaublich. Entsprechen einer AI-Party-Session. Wird vielleicht dennoch oder aber gerade deshalb das eine oder andere Mal in Anspruch genommen, wer weiß.

Wir lassen es uns gutgehen und freuen uns über den Empfang des Ersten Deutschen Fernsehens. Wir können, wenn auch grieselig, Tatort gucken, yeah!

Tag3:

Heute treten wir die Heimreise an. Nach dem ausgiebigen Frühstück lungern wir bis kurz nach elf auf dem Hotelzimmer herum, gucken in die Röhre und checken dann aus. Um Zwölf Uhr mittags fährt der Zug nach Kaunas.

In Kaunas angekommen haben wir endlich mal Glück, denn kaum sind wir aus der Bahnhofsunterführung zurück im Tageslicht, kommt auch schon der Bus der Linie 26 vorbei und fährt uns innerhalb einer halben Stunde Richtung Karmelava (Karte), zum Flughafen. Für bescheidene zwei Litas pro Person.

Karmelava, Vilniaus Gatve stadtauswärts, Richtung Nordosten

Karmelava (bei Kaunas, Litauen), Vilniaus Gatve stadtauswärts, Richtung Nordosten

Direkt an der der Aerouostve Gatve entsprechenden Bushaltestelle befindet sich außer einem Postamt, von dem ich eine obligatorische Karte an den Big Buzz auf die Reise nach Bonn schicke, ein kleiner Supermarkt. Wir tauschen die verbliebenen und kaum rentabel umtauschbaren Litas in Lebensmittel und trennen uns für die folgenden zwei Stunden. Nitusz latscht zum Airport und ich versuche, während dessen bislang unbekannte bronxige Sights in Karmelava zu entdecken und stylish abzuasseln. Finde jedoch keine adäquaten Verweilplätze in dem Straßenort.

Karmelava (bei Kaunas, Litauen), Aerouostve Gatve , Richtung Flughafen

Karmelava (bei Kaunas, Litauen), Aerouostve Gatve , Richtung Flughafen

Stylishe aber leider nicht asseltaugliche Barracken in Karmelava (bei Kaunas, Litauen)

Stylishe aber selbst beim besten Willen leider nicht asseltaugliche Baracken in Karmelava (bei Kaunas,in Flughafennähe, Litauen)

Quasi notgedrungen pilgere ich letzten Endes frohen Mutes gen Flughafen.

Karmelava (bei Kaunas, Litauen), unmittelbare Umgebung des Flughafens

Karmelava (bei Kaunas, Litauen), unmittelbare Umgebung des Flughafens

Ich staune darüber, dass die unmittelbare Umgebung eines anscheinend und als solchem titulierten internationalen Airports dem uneingenommenen und eventuell finanzkräftigen und risikofreudigen Investor derart schäbig und vergammelt präsentiert werden kann. Hier wurden etliche Investitionen in das wirtschaftlich zunächst aufstrebende, nahezu boomende Litauen investiert, soviel ist mal sicher. Ein Groschengrab?

Karmelava (bei Kaunas), Flughafen

Karmelava (bei Kaunas), Flughafen

Meine Augen sind weitgeöffnet und ich finde Reste einer betonierten Rampe. Blickfeld: Kaunas Airport. Habe noch knapp anderthalb Stunden zum Asseln in Litauen zu meiner freien Verfügung, also: Party On! Seitenfüllen und Styles tanken.

Frühlingshafter Himmel über Karmelava

Frühlingshimmel über Karmelava

Ich habe es mir bequem gemacht. Betonreste einer Rampe. Blickfeld: Kaunas Airport

Ich habe es mir bequem gemacht - Reste einer betonierten Rampe

Umgebung des Flughafens, Kaunas (Karmelava), Litauen

Umgebung des Flughafens, Kaunas (Karmelava), Litauen

Karmelava (bei Kaunas, Litauen), Aerouostve Gatve , Richtung Flughafen

Karmelava (bei Kaunas, Litauen), Aerouostve Gatve , Richtung Flughafen

Umgebung des Flughafens, Kaunas (Karmelava), Litauen

Umgebung des Flughafens, Kaunas (Karmelava), Litauen

Zwanzig Minuten vor Gateschluss treffe ich Nitusz wieder. Sie hat ein sehr lauschiges, sonniges und windgeschütztes Plätzchen für sich entdeckt.

Lauschiges, sonniges und windgeschütztes Plätzchen am Flughafen von Kaunas

Lauschiges, sonniges und windgeschütztes Plätzchen am Flughafen von Kaunas

Am Flughafen passieren wir in rekordverdächtiger Zeit die Sicherheitskontrolle. Außer unserem Flug nach Bremen ist hier nichts los.

Auf dem Rollfeld des Flughafens in Kaunas (Karmelava), Litauen - Rainer wartet schon darauf, uns nach Bremen zu fliegen

Auf dem Rollfeld des Flughafens in Kaunas (Karmelava), Litauen - Rainer wartet schon darauf, uns nach Bremen zu fliegen

Tschüss, Kaunas!

Tschüss, Kaunas!

Auf dem gut ausgelasteten Rückflug sitzen wir nebeneinander und lesen Zines. Fazit zum verlängerten Wochenende: Party gemacht und den Länderpunkt eingesammelt. Ein wiedersehen mit Litauen? Nahezu ausgeschlossen, wenn dann nur zwecks Transit. Aber man soll ja niemals nie sagen.

Pünktlich in Bremen angekommen stellen wir erfreut fest, dass der Benz noch immer seinen Stern trägt und unversehrt auf uns wartet. Leider total vollgeschissen. Nächstes Mal parken wir nicht direkt unter den Bäumen, soviel ist mal sicher!

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