Kurztrip nach Paris, November 2012

Ja, ich wage es kaum zu schreiben, aber es gibt eben noch immer Angebote, die man als Reise-Junk einfach nicht ablehen kann. Mitte August habe ich zugeschlagen und für einen angesichts der zu besuchenden Destination und des dortigen touristischen Preisniveaus sensationell läppischen Kurs das Pauschalreiseangebot eingeloggt. Für effektiv knapp hundert Ocken fliege ich samstags um 16.10h ab HAJ nach CDG und am folgenden Montag in aller Herrgottsfrühe (7.35h) wieder zurück. Beide Flüge an Bord einer Embraer 170 aus dem renommierten Stall von Air France. Inkludiert sind zwei Übernachtungen inklusive FS im guten *** Hotel namens "Le Dauphin" im gutbürgerlichen, an das Finanz-Zentrum La Défense angrenzende Puteaux. Den recht kostspieligen und nicht so ganz einfach in Eigenregie planbaren Transfer vom Flughafen Charles-De-Gaulle zum Hotel Le Dauphin in Puteaux und wieder zurück muss man leider individuell wuppen, aber das ist machbar.

So, und nun endet die Einleitung auch schon. Auf geht´s nach Paris!

Samstag

Nach nur knapp über einer Stunde landet die Maschine in CDG (w). Vom abseits gelegenen Satellitenterminal verkehren kostenfrei nutzbare Shuttlebusse, die Navettes, zum Hauptgebäude. Dort befindet sich die Bahnstation, von dort fahren die S-Bahnen "RER" ins Zentrum ab. Eine einfache Fahrt nach La Défense mit Umstieg in Chatellet Les Halles kostet übrigens fast 16,- € und ist somit kein Schnäppchen. Aber wat willste machen, wa?


Angekommen!

Navette

Die Fahrt nach Chatellet Les Halles ist teils etwas unheimlich. Die Strecke führt durch die ein oder andere Bronx (w) und die S-Bahn hält fast überall. Hätte noch ein paar Minuten warten und die Express-Variante nehmen sollen. Zu spät. Einige krumme Gestalten steigen dazu und ja, tatsächlich werde ich beäugt und von einem Asi angelabert und beschimpft, weil ich verdammter Esel das Fenster einen Spalt geöffnet habe angesichts der dominierenden Gerüche und der mit jedem Zugestiegenen steigenden Temperaturen. Dem Aggro-Ghetto-Boy jedenfalls ist kalt und sein Zustand aktuell offenbar ziemlich mies, also verkneife ich mir eine mich als Fremden entlarvende Antwort, nicke mit dem Kopf, vermeide Augenkontakt und schließe das Fenster. Ansonsten starren die Leute um mich herum mit Fragezeichen im Gesicht auf das vergnarzte Wesen auf meiner neuen (die alte hätte diesen Trip nicht mehr gepackt und ist nur noch als "Schönwetter-Begleiter" zu behandeln) Hüpferlitasche. Puh!

In La Défense (w) kehre ich nach dem einfach zu bewerkstelligen Umsteigevorgang an die Erdoberfläche zurück und staune über die futuristischen Bauten sowie den aus dem guten alten Französischlehrbuch bekannten Wahrzeichen des Finanzdistrikts namens La Grande Arche (w). Leider kann man seit 2010 nicht mehr rauf auf das Teil.


La Grande Arche de la Fraternité

Von La Defénse zum Zentrum von Puteaux latsche ich circa zwanzig Minuten und freue mich über das angenehm-peacige Viertel. Finde sogar einen bis 22h geöffneten, gutsortierten Monoprix, bei dem ich den kompletten Provianteinkauf bis Montagfrüh erledige und anschließend schwer beladen an der Rezeption des Hotels Le Dauphin vorstellig werde.

Schnell einchecken, die Minibar mit den verderblichen Waren füllen und mit optimierter bzw. angepasster Hüpferlitasche wieder losziehen. Und so latsche ich nochmals durch La Défense und lasse die Eindrücke auf mich wirken. Zwecks Tagesabschluss betrete ich die Seineinsel zwischen La Défense und Paris, auf der sich Sportplätze und ein Veranstaltungszentrum, dazu etliche prima Asselbänke mit Flussblick, befinden.


"La Grille - wer soll denn das verstehen?"

Leider sind die am Eingangs"grill" angegebenen Öffnungszeiten wenig einladend. Außerdem lässt sich das Tor in abgeschlossenem Zustand nicht überwinden. Aber in dem Gebäude brennt Licht und ich höre menschliche Geräusche. So lange in dem Veranstaltungszentrum etwas geht, wird das Tor wohl kaum geschlossen. Darauf spekuliere ich, setze mich auf eine vom Eingang einsehbare Bank, fülle Seiten und verzichte auf Mucke. Will es natürlich mitbekommen, wenn abgeschlossen wird. Nach einer Stunde ist es soweit. Es gibt so eine Art Pförtner, der laut pfeift und mich heranwinkt. Schon gut, ich gehe ja schon.

Auf den unendlich dummen Gedanken, eine der Kneipen in Puteaux zu besuchen, verzichte ich. Fällt mir nicht schwer, bei den irren Preisen.


Schnäppchen!

Stattdessen gönne ich mir eine ausgiebige, durchwärmende Dusche und staune über den Brausekopf, der mit LEDs bestückt sowas wie eine Lichttherapie bieten soll. Nett anzuschauende Spielerei. Ebenfalls nett anzuschauen ist der Müll auf RTL, den ich mir zum Runterkommen reinpfeife. Noch ein paar Worte zum DZ als EZ im Le Dauphin zu Puteaux: flächenmäßig recht beengt, wenig Stauraum; sauber, ansprechend gestaltet und modern. Auf jeden Fall zu empfehlen.

Sonntag

Der Tag beginnt mit einer herrlich beknackten Folge von "Die Camper". Und einem darauf folgenden, tollen Frühstück, welches in Buffetform angeboten wird und klein, aber wirklich fein daher kommt.


Zimmer im Le Dauphin, Puteaux

Puteaux; im Hintergrund einige der Hochhäuser von La Défense

Beim Verlassen des Hotels freue ich mich über das gemessen an der Reisezeit traumhafte Wetter und entscheide mich dafür, dem Verleihsystem Vélib eine Chance zu geben. Heute wird mich eine ausgewogene Mischung aus Rad, Métro und Schusters Rappen durch die französische Hauptstadt transportieren. Die nächste Vélibstation befindet sich wenige Schritte entfernt und ich studiere das System. Idiotensicher und gut. Lediglich eine Kreditkarte benötigt man und schon kann man, so auch ich, losradeln. Mehr zum System und den Tarifen gibt´s hier. Sehr praktisch ist deren App, mit der man sich umliegende Stationen und dortige Kapazitäten live anzeigen lassen kann.


Puteaux

Sehr praktisch sind die vorne montierten, robusten (haben sogar meine schwere neue Hüpferlitasche verkraftet) Körbe an den überraschend leichtgängigen Verleihrädern von Vélib in Paris

Noch immer extrem begeistert vom Wetter überquere ich die Seine sowie die mittig liegende Insel, auf der ich gestern zum Tagesausklang verweilte (und welche ich auch heute Abend wieder zu besuchen plane) und radle immer geradeaus zum Arc De Triomphe (w).


Seine-Insel mit lauschigen Bänken, zwischen Puteaux und Paris

Blick zurück auf La Défense

Unterwegs zum Triumpfbogen

Sauber, da ist es, das Ding!

Ich kurve einmal um den Triumpfbogen herum und suche nach einer Möglichkeit, das Bike loszuwerden, da ich schon seit 28 Minuten draufsitze. Mist, in Minute 31 finde ich einen freien Platz bei einer nahegelegenen Station und darf natürlich prompt zahlen. Jedermann wird inzwischen wissen, was ich von Mist halte. Natürlich verdirbt das keineswegs, jedenfalls nicht länger als zwei-drei Minuten, meine Laune. Im Gegenteil, bin bestens aufgelegt und schlendere die Avenue des Champs Élysées (w) hinunter. Staune selbst darüber, vorher nicht wirklich in Paris gewesen zu sein. So gesehen ist heute tatsächlich Premiere, denn der Besuch im Herbst 1994, bei dem ich via Métro quer durch die Stadt vom Gare de L´Est zum Gare de Montparnasse hetzte und es lediglich auf das Hochhaus und einmal um die Aussischtsplattform herum packte, zählt logischerweise nicht.


Avenue des Champs Élysées

Zack, schon steht der nächste Zossen für mich bereit!


Place de la Concorde (w) mit Obelisk von Luxor (w
)

Plötzlich habe ich ein massives Problem am Start. Gar nicht so einfach, eine Toilette im Herzen von Paris zu finden bzw. sich Zugang zu einem Restaurant-, Café- oder Hotelklo zu verschaffen. Ich eile schweißgebadet durch eine Straße nach der anderen, werde hier und da abgewiesen. Letzten Endes habe ich keine andere Wahl, ich stürme ein ****Hotel, sprinte zur Rezeption und frage wo das WC ist. Die überraschte Dame gibt mir die gewünschte Antwort und schon stürme ich die Treppe wie beschrieben herunter, höre noch wie sie mir hinterherruft dass ich das Klo nicht benutzen darf und sie meine Zimmernummer wissen will oder den Wachdienst rufen wird, reiße die Tür auf und schaffe es in buchstäblich allerletzter Minute. Anschließend verlasse ich das Hotel und ignoriere die immer noch lautstark keifende Rezeptionistin. Im Vorbeilaufen rate ich ihr, Contenance zu bewahren, dies sei doch schließlich ein erlesenes ****Hotel und niemand sei zu Schade gekommen.

Mal ehrlich, jeder kennt solche Situationen und was hätte ich denn machen sollen und vor allem: wohin? In die Büx? Nee, echt nicht. Denn das hätte meine gute Laune definitiv nachhaltig getrübt. Ohne Scherz, es sollte wirklich ein Gesetz dafür geben, dass einem die Notdurft bzw. das Aufsuchen einer hierfür vorhandenen Einrichtung nicht verweigert werden darf. Was soll´s, ich war wieder entspannt und entkrampfte langsam. Ein Wachdienst verfolgte mich ebensowenig wie die Polizei, alles gut also.

Am Eingang zum Jardin de Tuileries (w) entdecke ich übrigens etwas später ein öffentliches Klo, aber bis hierhin hätte ich es niemals ohne eine Katastrophe geschafft.


Da ist er endlich, der Eiffelturm, den ich gestern schon aus dem Flieger beäugen durfte...

Jardin de Tuileries

Jardin de Tuileries

Per Pedes geht´s durch den Jardin de Tuileries zum Palais Du Louvre (w), wo auch heute eine Menge los ist. Ich bin ein Kulturbanause ohne Geld und mit wenig Zeit, also sehe ich mir diesen lediglich von außen an. Das Lächeln der Mona Lisa würde und werde ich eines Tages noch zu sehen bekommen, soviel steht jetzt schon fest. An dieser Stelle ein wichtiger Hinweis: es ist weder mein Ziel noch eigener Anspruch, hier einen supertollen Reiseführer für einen Besuch in Paris abzuliefern. Dazu habe ich weder Lust, noch das Wissen und außerdem mache ich das hier just for fun und aus selbstdarstellerischen Zwecken für Freunde, Interessierte und Bekannte. Geld gibt´s nirgendwoher für diese Zeilen und Fotos. Wenn es mir dennoch gelingt, dem einen oder anderen zufällig oder durch Einladung vorbeigekommenen Besucher Anregungen und praktisch anwendbares Wissen zu vermitteln, dann freut mich das. Feedback freut mich ebenfalls. Zum Beispiel an diese Adresse: tomaszhsv(at)googlemail(punkt)com.

Mit Blick auf den Palast zische ich ein Mineralwasser, raste und roste und latsche weiter.

Ich überquere die Seine, greife mir für wenige Minuten (echt perfekt, dass die Inanspruchnahme unter 30 Minuten nichts extra kostet!) ein weiteres Fahrrad und stelle dieses in der Nähe von der Kathedrale Notre Dame, im historischen Herzen der Stadt, ab. Zu Fuß spaziere ich ein wenig durch die Gegend und steuere einen wirklich einzigartigen Platz zum Ausruhen an der Spitze der Seineinsel (flussabwärts) an, dessen Existenz mir lange vor dem Trip von einem gut informierten Vögelchen, dem Betreiber dieses Reiseblogs, zugezwitschert wurde.


Das Pendant zu einer klassischen deutschen S-Bahn wie beispielsweise in Hannover heißt in Paris "RER"

Von vielen Leuten betrampelt, von kaum jemandem beachtet: der "Point zéro des routes de France" (w
)

Kathedrale Notre-Dame de Paris (w)

Mit einem weiteren Vélib-Bike geht´s weiter...

Spitze der Seineinsel (flussabwärts)!*

Einzigartiger Platz zum Ausruhen an der Spitze der Seineinsel (flussabwärts)!


Nach einigen Minuten des Innehaltens fahre ich immer an der Seine entlang, flussabwärts, zum wohl bekanntesten Wahrzeichen, dem Eiffelturm (w). Ich stelle das Mietrad ab und suche mir eine sonnige Bank, auf der ich eine Viertelstunde lang auf die Metallkonstruktion starre und meinen Gedanken freien Lauf lasse. Ja, ich bin geflashed! Und immer wieder extrem happy darüber, zu dieser Jahreszeit solch selten geniales Wetter genießen zu dürfen. Danke, Petrus!


Den kennt jeder!

Ich nehme mir alle Zeit der Welt für die eindringliche Betrachtung des Eiffelturms und wechsle anschließend das Transportmittel. Will unbedingt noch die Basilika von Sacré Coeur sehen und steige deshalb in die Métro. Einmal Umsteigen, Stationen zählen und wieder aussteigen. Alles ganz einfach und schon stehe ich auf dem Montmartre. Hinauf gönne ich mir übrigens sinnloserweise die Zahnradbahn. Hm, ein klarer Fall von "wer hat, der hat!". Und eines habe ich im Überfluss: Tickets für die U-Bahn. Ein Zehnerblock ist billiger als sechs Einzelkarten, also habe ich natürlich gleich ein paar mehr als für diesen Trip nötig erworben. Komme bestimmt früher oder später, und wenn es wiegesagt nur um des Lächelns der Mona Lisa wegen ist, wieder (in Begleitung!).

Auf dem Montmartre (w) ist natürlich mächtig was los. Menschenmassen. Was geht hier während der Hochsaison ab? Will ich gar nicht wissen, sondern speichere die tollen An- und Ausblicke auf meiner inneren Festplatte ab. Sehr schön hier, genau nach meinem Geschmack!


Blick vom Montmartre

Place Blanche


Reges Treiben auf dem Montmartre


Basilika Sacré-Cœur


Basilika Sacré-Cœur

Langsam aber sicher neigt sich der Tag dem Ende. Vom Gedanken, den Sonnenuntergang vom Montmartre aus zu beobachten und danach noch seitenfüllend Abschied von Paris zu nehmen, muss ich mich angesichts des Trubels um mich herum verabschieden. Also steuere ich den tollen Platz auf der Seine-Insel bei der Kathedrale Notre Dame an. Die unmittelbare Spitze ist dicht bevolkert, also nehme ich auf einer gut ausgeleuchteten, bequemen Bank im kleinen Park statt. Dieser wird jedoch nach nur einer Stunde, mit einbrechender Dunkelheit, abgeschlossen. Na super. Enttäuscht fahre ich zurück nach Puteaux und beehre die gleiche schöne Bank wie am Abend zuvor.


Netter kleiner Park auf der Seine-Insel, Paris

Netter kleiner Park auf der Seine-Insel, Paris


Zurück in Puteaux

In dem Veranstaltungszentrum ist wieder irgendetwas los und so kann ich eine gute Weile, die Pforte habe ich dabei natürlich stets im Blick, bleiben und mich gebührend verabschieden. Der gleiche Schließer wie gestern pfeift mich heran und wir kommen kurz ins Gespräch. Es freut ihn, dass mir "seine" Seine-Insel so gut gefällt und wünscht eine gute Nacht. Die werde ich haben. Leider werde ich allerdings auch eine sehr kurze haben, denn um 4h in der Früh wird mein Handywecker mich unsanft aus dem Dreamland in die Realität befördern.

Montag:

Es ist wie so oft, der Wecker klingelt mich viel zu früh aus dem Dreamland. Aber Vorsicht ist bekanntlich die Mutter der Porzellankiste und ich kann froh sein, dass das Handy überhaupt gebimmelt hat (einmal kurz, dann war der Akku tot), denn der Netzempfang auf dem Hotelzimmer war so mies, dass das Gerät die ganze Nacht über gesucht und nichts gefunden hatte. Puh, Glück gehabt.

Der Rest ist, ich will das hier gar nicht künstlich hinauszögern, schnell getippt. Ab zum Flughafen und wieder mit der Air France Embraer nach Hause.


La Défense


CDG, Terminal 2G (am Arsch der Welt)

Unterwegs klappt alles wie am Schnürchen, abgesehen vom Genuss des servierten Heißgetränks an Bord (dazu gibt es ein Croissant). Ich entscheide mich für einen Kakao und bin während des Schlürfens enttäuscht von der dünnen Suppe. Vielleicht hätte ich den Trunk umrühren sollen, denn am Boden des Pappbechers wartet final eine circa 2cm dicke Schoko-Schleim-Schicht auf mich. Was soll´s. Letzten Endes falle ich gegen halb elf in die heimische Koje, um eine Mütze Schlaf nachzuholen.

Fazit: Paris? Jederzeit wieder, und zwar gern wenn es wärmer ist. Auch, wenn ich diesmal wirklich extremes Wetterglück hatte!