Schottland-Reise, November 2009
Von Edinburgh durch die Highlands zum nördlichsten Punkt Großbritanniens und via Inverness und Glasgow wieder zurück. Mit dem Mietwagen durch Schottland, Tomasz und Buzz auf Tour.

Tag1:

Mittwochabend am Bremer Hauptbahnhof: Tomasz und Buzz kommen aus ihren jeweiligen Heimatstädten mit der Bahn gereist und freuen sich. Nicht nur über das Wiedersehen nach viel zu langer Zeit, sondern auch über den bevorstehenden Trip. Über den neuen Länderpunkt. Es geht nach Schottland. Ryanair macht es wieder mal möglich.

Pünktlich finden wir uns am Gate ein. Pflanzen uns und schauen uns die sich die Beine in den Bauch stehenden Warteschlangenesel an. Mit ´nem Beck´s, welches im Shop hinter der Sicherheitskontrolle für einen schmalen Euro feilgeboten wird. Kenne den Wartebereich hinter der Passkontrolle wie meine Hosentasche, beginnt doch an Ort und Stelle jeder meiner zahlreichen England-Daytrips (eigener Reisebericht vom letzten Tagesausflug nach Harlow aka "Die Graue Perle", Essex im Januar 2010).

Heute ist Premiere: wie bereits erwähnt geht es nach Schottland! Von Bremen mit Ryanair nach Edinburgh (w)
Im Flieger haben wir eine Dreierreihe für uns alleine. Schottland empfängt uns mit Nieselregen. Am Flughafen von Edinburgh (w) stürzt zu allem Überfluss zehn Leute vor uns das Computersystem der Immigrationskontrolle ab, so dass wir eine Viertelstunde der ohnehin schon knappen Zeit vergeuden. Um kurz nach neun schließlich haben wir den Check passiert. Buzz wartet am Gepäckband auf den notwendigerweise aufgegebenen gemeinsamen Koffer und ich sprinte zu Europcar.

Während ich dort die Formalitäten kläre und mich wie vor über zwei Jahren bei der Ankunft in Irland (eigener Reisebericht) erstmal an den heftigen Dialekt der Einheimischen gewöhnen muss, taucht er auch schon auf die Minute pünktlich auf. Der Buzz. Unser Transportmittel und Dach über dem Kopf in Union ist ein funkelniegelnagelneuer (1.100 Km auf der Uhr) Peugeot 308 Diesel mit ungewohntem 6-Gang Schaltgetriebe, vier Türen, Glasdach und einigen sogenannten Pferdestärken (112 an der Zahl) unter der Haube. Einziges Manko: die Sportsitze. Unbequem bei Nacht. Ansonsten aber echt eine Top-Karre, die uns ausgesprochen gut gefällt.

21.30 Uhr. Beeilung. Wir brauchen einen Supermarkt. Zeitdruck und zunächst ungewohnter Linksverkehr sind eine bedrohliche Kombination. Bis ich mich an den Linksverkehr gewöhne, werden einige Meilen verstreichen.

Nach einigem Herumfragen betreten wir um 21.45 Uhr einen Sainsbury´s Supermarkt am Stadtrand. Bis 22 Uhr geöffnet. Wieder gilt es, sich zu beeilen. Das Preisniveau entspricht jenem seines Pendants im fernen, meinerseits so heißgeliebten Harlow (Foto), das Angebot weiß zu begeistern. Unerwartet entschlussfreudig stehen wir wenige Minuten vor Ladenschluss an der Kasse und erwischen einen der langsamsten Vertreter seiner Zunft. So ein Mist. Ich hasse Mist!

Der Typ trödelt herum und belehrt uns minutenlang darüber, dass der geplante Erwerb der Zweiliter-Plastebuddel des erlesenen Hausmarken-Ciders und des Zehnerkartons Carling eventuell angesichts der vorangeschrittenen Uhrzeit Probleme bereiten könnte. "Man Alter, sabbel nicht, sieh lieber zu!" und walte deines Amtes als Diener und Gehilfe der zahlungswilligen Kundschaft. Er befolgt unsere ernstgemeinte Aufforderung, zieht den Cider über den Scanner und sieh an: war noch rechtzeitig bzw. vor 22 Uhr. Dann zieht er Fisch, Brötchen, Salt&Vinegar Chips, Milch, Bananen, Brot - "Man Alter, erst das Bier!" - Kochschinken und Co und zu guter Letzt dann doch noch den Bierkarton über den Scanner. Lautes Piepen. Error. Es ist nach 22 Uhr. Nach 22 Uhr darf kein Alk mehr verkauft werden. Na toll. Das Bier bleibt also im Laden, da hilft auch kein Gespräch mit der Fillialleiterin, Gesetz ist auch in Schottland Gesetz.

Sainsbury´s, Edinburgh

Sainsbury´s, Edinburgh

Unser Zorn gilt dem dämlichen Kassierer. Na was soll´s, heute gibt es also kein Willkommensbier in Schottland. Nun brauchen wir einen adäquaten Übernachtungsplatz. Der vor einiger Zeit während eines Tagestrips nach Cambridge (eigener Reisebericht) preiswert erworbene Straßenatlas für Großbritannien leistet uns dabei wertvolle Dienste. Wir landen direkt an der fjordartigen Nordseebucht Firth of Forth (w, Satellitenfoto) auf Höhe des stattlichen Hopetoun House (w, Karte).

Wir richten uns in unserer Pension Peugeot gemütlich ein und lassen den Abend bis Mitternacht mit Blick auf die Meeresenge, Cider aus Tupperbechern und dem Rauschen des Wassers ausklingen. Temperaturmäßig ist alles im oftzitierten grünen Bereich. Kaum ist die Cider-Pulle geleert, fängt es an zu pissen. Das nennt man Timing.

Cider aus Tupperbechern

Firth of Forth - Cider aus Tupperbechern

Tag2:

Es regnet die ganze Nacht hindurch, um acht Uhr in der Früh ebbt der Niederschlag den Fluten im Firth of Forth entsprechend ab und es gibt für den Big Buzz und mich keine Ausrede mehr, die wohlig warmen Schlafsäcke nicht zu verlassen und endlich in den Tag zu starten. Ein Blick aus dem Fenster treibt uns voran.

Firth of Forth, Blick aus dem Fenster unserer Pension Peugeot

Firth of Forth, Blick aus dem Fenster unserer Pension Peugeot

Zähneputzen, Katzenwäsche, Brot belegen, Banane greifen und ab ans Meer.

PKW-Pennplatz am Firth of Forth

Unser Deluxe-Pennplatz am Firth of Forth (grobe Übersichtskarte)

Tomasz am Firth of Forth, im Hintergrund die Eisenbahn- und die Autobahnbrücke

Tomasz am Firth of Forth, im Hintergrund die Eisenbahn- und die Autobahnbrücke

Leider fängt es kurz nach Verlassen des fahrbaren Schlafzimmers schon wieder an zu regnen. Und es will anscheinend einfach nicht aufhören. Also entschließen wir uns nach einem kurzen Besuch des Hopetoun House gezwungenermaßen, Kilometer zu schrubben. Ab in den Norden!

Zwischendurch beehren wir die Shopping-Mall The Thistles in Stirling (w). Und drehen der des für uns äusserst günstigen Wechselkurses wegen so niedrigen Preise bei von meinen zahlreichen Harlow-Trips her nur allzu gut bekannten Läden wie Primark, SD und dem OnePounder beinahe durch. Lassen die Kreditkarten glühen und freuen uns über die Beute. Zudem erledigen wir den Provianteinkauf an Ort und Stelle.

Der Peugeot bringt uns sicher gen Norden und je weiter wir kommen, desto schöner sieht die Landschaft aus. Habe von einer Mitarbeiterin der Stadtverwaltung von Wick gehört, dass Schottland (interessante interaktive Karte) erst nördlich der Stadt Inverness schottisch ist. Erinnert mich an den legendären Ausspruch der Eule an Bord der Prinsesse Ragnhild (w) auf dem Weg von Kiel nach Oslo im Jahr 1998, nach welchem das echte Norwegen ausschließlich nördlich von Trondheim zu finden ist. Wie auch immer.

In dem touristischen Kaff Dalwhinnie hört es auf, zu regnen. Für eine halbe Stunde. Wir nutzen die Gunst der Stunde und schauen uns um, landen dabei auch am lokalen Bahnhof. Höchstinteressante An- und Abfahrtszeiten. Zudem sehr überschaubar.

Wartebereich im als "kaum frequentiert" zu bezeichnenden Örtchen namen Dalwhinnie, bekannt für seine Whisky-Destillerie (w) - für Buzz und mich als Pilsfreunde uninteressant!

Wartebereich im als "kaum frequentiert" zu bezeichnenden Örtchen namen Dalwhinnie, bekannt für seine Whisky-Destillerie (w) - für Buzz und mich als Pilsfreunde uninteressant!

In Inverness legen wir einen kurzen Zwischenstopp ein und merken uns die Stadt schon mal für Samstagnacht vor. Bietet vermutlich ein ansprechendes Nachtleben, scheint aber auch eine junkiemäßig nicht ganz saubere Stadt zu sein. Der Pennplatz wird mit Bedacht zu wählen sein. Inverness ist halt die nördlichste Großstadt Schottlands.

Wollen eigentlich in Lairg (w), mit gut 900 (!) Einwohnern übrigens eine der größten Städte der Region, die Nacht verbringen, sind aber, weshalb auch immer, mit den vorhandenen Stellplätzen nicht zufrieden zu stellen. Ist es das im Laufe der Jahre als bekennender und leidenschaftlicher PKW-Penner erworbene Bauchgefühl? Intuition? Instinkt?

Steuern deshalb die Falls of Shin an. Der Besucherparkplatz ist friedlich verwaist und ich will bleiben. Buzz nicht. Nach langer Diskussion fahren wir. Über die einspurige Hauptstraße mit Ausweichbuchten weiter gen Norden. Ist es das im Laufe der Jahre als bekennender und leidenschaftlicher PKW-Penner erworbene Bauchgefühl? Intuition? Instinkt?

Wie auch immer, die intensive Suche wird Früchte tragen.

Plötzlich begegnet uns ein LKW. Schock! Beiderseitiges Ausweichmanöver in letzter Sekunde. Gegen 23 Uhr, in der Nähe des berühmten am Arsch der Welt und definitiv ab vom Schuss gelegenen Pub namens Crask Inn (Karte, Bildersuche), direkt an der A836, finden wir schließlich einen ausgesprochen schönen Pennplatz inmitten der berühmten schottischen Highlands (Streetview). Der Pub ist leider schon dicht. Na ja, derart gelegen und dann zu dieser Uhrzeit kein Wunder.

Wir lehnen uns windgeschützt gegen unsere Pension, zischen ein paar Carlings und freuen uns, an Ort und Stelle stylen zu dürfen. Ungefähr einmal pro Stunde kommt ein KFZ vorbei. Unter uns rauscht ein Fluß. Der Regen ist verschwunden. Das Hochland ist erfüllt von einer beeindruckenden Stille. Mehr geht nicht!

Tag3:

Nach einer erholsamen Nacht, der Verkehr ist nicht der Rede wert (nachts weniger als akkumuliert ein KFZ pro Stunde), bestaunen wir die schöne Umgebung. Der Blick aus dem Fenster ist vielversprechend.

Blick aus dem Seitenfenster unserer Pension, ganz in der Nähe vom Crask Inn

Blick aus dem Seitenfenster unserer Pension, ganz in der Nähe vom Crask Inn

Übernachtungsplatz ganz in der Nähe vom Crask Inn

Übernachtungsplatz ganz in der Nähe vom Crask Inn

Wir hören das Rauschen eines Flusses, des River Vagastie. Sehen, dass die A836 den Fluss weiter talwärts überquert und steuern die Brücke (Streetview) an, um uns dort genauer umzusehen und zu frühstücken.

River Vagastie, Sutherland

River Vagastie, Sutherland

Das Flusswasser ist arschkalt und erfrischend. Trotz der bräunlichen Trübung bestens zur flüchtigen Morgentoilette geeignet.

Tomasz am River Vagastie, Sutherland

Tomasz am River Vagastie, Sutherland

Milch, Brot, geräucherte Makrele, Colelslaw und dazu Brot. Wir speisen wie Könige und nutzen die Brückenmauer als Frühstückstheke.

Frühstück in Schottland

Frühstück in Schottland

Under the bridge - River Vagastie, Sutherland

Under the bridge - River Vagastie, Sutherland

River Vagastie, Sutherland

River Vagastie, Sutherland

An der Kreuzung hinter dem winzigen Nest Grummore verlassen wir die A836 und folgen einer schmalen Straße (Karte) Richtung Loch Meadie. Hier darf uns bloß keiner entgegen kommen. Um es vorweg zu nehmen: während der folgenden Stunden bis zum Erreichen der A838 treffen wir insgesamt drei andere Kraftfahrzeuge.

Loch Meadie

Loch Meadie

Das Wetter spielt verrückt, scheint es. Regen und Sonnenschein wechseln sich mehrfach die Stunde ab und bescheren uns des Öfteren schöne Regenbögen. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. Die karge Landschaft und die wechselnden Lichtverhältnisse begeistern uns.

Straße von Grummore/vom Loch Meadie zum Loch Hope

Straße von Grummore/vom Loch Meadie zum Loch Hope

Unterwegs vom Loch Meadie zum Loch Hope

Unterwegs vom Loch Meadie zum Loch Hope

Unterwegs vom Loch Meadie zum Loch Hope

Unterwegs vom Loch Meadie zum Loch Hope

Glen Hope

Glen Hope mit Strathmore River

Wir kommen am Wanderparkplatz in Altnacaillich vorbei und halten kurz. Von hier aus könnten wir auf den Ben Hope (w), einem sogenannten und als deren Häuptling betrachteten Munro (w), von dem man bei guter Sicht bis zu den Orkneys gucken können soll, latschen (fremder Fotobericht über eine Wanderung auf den Gipfel).

Wäre eine feine Sache, wenn Wetter und Zeitrahmen mitspielen würden. Aufgrund der Jahreszeit wird es für unseren Geschmack eh viel zu früh dunkel und wir wollen noch einiges sehen bis zur Ankunft in Thurso, dem heutigen Tagesziel.

Am Ufer des Loch Hope

Am Ufer des Loch Hope

Der Loch Hope und seine Ausstrahlung ziehen uns in den Bann. Wortlos stehen wir am Ufer und bewundern die beeindruckende Landschaft. Ich wiederhole mich an dieser Stelle und werde mich auch im weiteren Verlauf der Schilderungen häufig wiederholen, daran führt kein Weg vorbei. Diese Stille. Nichts als das Rauschen, zum einen das des leichten Windes und dann das der sanft ans Ufer schlagenden Wellen. Kurz überlegen wir, ein Bad zu nehmen. Verwerfen den Gedanken dann jedoch aufgrund der Wassertemperatur. Vielleicht nachher am Atlantik. Wir entdecken zudem einen perfekten PKW-Übernachtungsplatz direkt am Ufer des Sees, den wir diesmal leider nicht nutzen. Aber wer weiß, vielleicht kommen wir ja irgendwann mal wieder in diese tolle Ecke.

Am Ufer des Loch Hope

Am Ufer des Loch Hope

Vom Loch Hope aus ist es nicht weit bis ans Meer. Aufrgund der engen Straßen mit all den uneinsehbaren Kurven und Huppel kommt man, darauf sei an dieser Stelle ausdrücklich hingewiesen, nur langsam voran. In Hope, einer Handvoll Häuser, treffen wir auf die gut ausgebaute A838, die uns über einen Damm, zwischen Kyle of Tongue (fremder Fotobericht) und Tongue Bay (Foto), auf dem wir mittig anhalten und angesichts der Aussicht echt geflashed sind, weiter gen Nordosten führt . Wäre vom Style her ein astreiner PKW-Pennplatz (Streetview)!

Hier in Schottland gibt es etliche davon!

Vom Loch Hope aus ist nicht bis ans Meer. In Hope, einer Handvoll Häuser, treffen wir auf die gut ausgebaute A838, die uns mittels eines Dammes (Foto, Streetview) zwischen Kyle of Tongue (fremder Fotobericht) und Tongue Bay weiter gen Nordosten führt.

Tongue Bay

In Invernaver überqueren wir den Naver und fahren an die Steilküste. Kirtomy (Karte) sieht gemäß Straßenatlas vielversprechend aus.

Überquerung des Naver

Überquerung des Naver

Kirtomy

Kirtomy und seine Steilküste entpuppen sich als Volltreffer. Herrlich!

Atlantikküste bei Kirtomy

Atlantikküste bei Kirtomy

Weiter geht´s zum Leuchturm des Strathy Points.

Am Strathy Point

Am Strathy Point

Am Strathy Point

Strathy Point Lighthouse - Strathy Point Leuchtturm

Strathy Point Lighthouse - Strathy Point Leuchtturm

Am Strathy Point

Vom Strathy Point aus geht es weiter zur Sandside Bay (Streetview), in der Nähe von Dounreay (Karte). Ein absolut verlockender Strand und so sind wir kurz davor, in die Fluten zu hüpfen. Die Wassertemperatur in Kombination mit der frischen Brise und zahlreichen Warnschildern (Foto) halten uns ab. Wir sehen Säuberungsfahrzeuge auf Ketten den Strand umpflügen und verzichten endgültig.

Sandside Bay

Sandside Bay

Dounreay

Dounreay (w)

Die Dämmerung bricht bereits herein und so heizen wir im letzten Tageslicht zum Fährhafen Scrabster (w). Dem Hafen mit den wichtigsten Fährverbindungen zu den Orkneys (w, Karte), die ich alleine wegen der von mir so heißgeliebten Papageientaucher (w) und nicht bloß der Abgeschiedenheit, der Am-Arsch-Der-Welt-Lage wegen, so gern besuchen würde. Leider machen uns die Preise einen Strich durch die Rechnung. Wissen wir aber bereits von Anfang an, also hält sich das Entsetzen in Grenzen.

Buzz imitiert den Ruf den Habitus eines Papageientauchers und ich stehe stolz daneben, im Fährterminal in Scrabster

Buzz imitiert den Habitus (w) eines Papageientauchers und ich stehe belustigt und gleichermaßen stolz daneben, im Fährterminal in Scrabster

Scrabster, Fährterminal: wir brauchen deine Stimme!

Scrabster, Fährterminal: wir brauchen deine Stimme!

Nach dem Besuch des Hafens begeben wir uns nach Thurso, gälisch: Inbhir Theorsa (w, Luftbild), und beehren den örtlichen Lidl (Karte), in dem wir uns mit den essentiellen Grundnahrungsmitteln eindecken. Das günstigste Mineralwasser stammt kurioserweise aus Luxemburg. Die Transport- und Logistikkosten sind anscheinend trotz der steigenden Energiepreise noch immer zu gering, um derart sinnlosen und ökonomisch extrem bedenklichen Warenaustausch zu unterbinden. Bier und Snacks kaufen wir hier nicht, dafür beehren wir den hiesigen Ableger der Tesco Kette (Karte). Die Öffnungszeiten sagen uns zu und so kaufen wir außer dem Bier der Partynacht, Tennent´s aus dem zum Ende des Schottlandbesuchs zu besuchenden Glasgow, Salt and Vinegar Chips und pro Nase einen halben Hahn. Das Geflügel schmeckt, by the way, shice. Wirkt nicht so ganz durch, ist aber wenigestens würzig. Uns fällt auf, dass das preisliche Niveau über dem in Edinburgh vorgefundenen liegt. Was wohl wiederrum mit den gesteigerten Transportkosten in Zusammenhang steht. Globalisierung. Verstehe sie, wer will.

Gefuttert haben wir schon mal, nun muss der nächste angesichts einer Partynacht in der nördlichsten Stadt der Grafschaft Caithness (w) notwendige Schritt eingeleitet werden. Wir müssen ein Mindestmaß an Hygiene und den discothekenentsprechenden Klamottenwechsel schnellstens vollziehen. Auf zum lokalen Schwimmbad.

Die Halle hat noch eine Stunde lang auf, also zögern wir nicht und schieben die Kohle der freundlichen, aber extrem seltsam englisch sprechenden Bediensteten über die Theke. Sie ist sichtlich erstaunt über die beiden kurz vor Torschluss eintrudelnden deutschen Touris und genehmigt uns einen angesichts der Uhrzeit angemessenen Preisnachlass. Eigentlich wollen wir lediglich duschen. Nun sind die Duschen in der Schwimmhalle von Thurso jedoch kaum ansprechend. Eher verkommen und schimmelig. Buzz und ich kommen nicht an einem Bad im großen Schwimmbecken herum, zumal wir aus dem für Kinder vorhergesehenen Bassin vertrieben werden. Na wenigstens sind Shorts erlaubt.

Binnen einer Dreiviertelstunde beseitigen wir den sich im Laufe der Zeit angesammelten Reisesiff und versuchen, die für heute Nacht auserkorene Partylocation, den Skinandis Club, gemäß betreibereigener Aussage ein echter Superlativ ("The most northerly nightclub on mainland UK") und anschließend einen fußläufig erreichbaren Pennplatz zu finden. Wir cruisen durch die Kleinstadt und werden nicht fündig. Ich spreche Locals an, die allesamt außerordentlich freundlich und hilfsbereit sind. Last but not least finden wir den Nightclub Skinandis und wenige Minuten später einen annehmbaren Platz zur Übernachtung im PKW, direkt neben der Touristeninformation und am Ufer des namensgebenden Flusses situiert (Streetview).

Was nun? Unsere Mägen sind gesättigt und so glühen wir nicht zuletzt der verglichen mit deutschen Verhältnissen anscheinend kostenintensiven Relationen preiswert auf der Brücke (Karte) über den namensgebenden Fluss vor. Haben etliche Tennent´s und Carlings am Start. Stellen erstaunt fest, dass passierende Teens ausnahmslos grüßen und zum Teil in T-Shirts, ohne dabei zu frösteln, unterwegs sind. Das nennen wir Style! Von der Fußgängerbrücke aus nehmen wir zu spätererer Stunde einen Standortwechsel vor und stromern durch den Hafen. Am weitläufigen Stadtstrand kracht die Brandung gegen die Mole. Am Horizont strahlen die Lichter des Fährhafens von Scrabster, über uns die Sterne. Auf dem Weg zum Skinandis bunkern wir zunächst unser Sack und Pack im Mietwagen und schauen noch auf ein Pint im direkt gegenüber unseres Pennplatzes (Streetview) und an den Zapfhähnen der Bar (Foto) gut besuchten Royal British Legion Scotland, Thurso Branch rein. Zunächst jedoch müssen wir die Gesichtskontrolle bestehen. Wir stehen vor der verschlossenen Tür, glotzen möglichst freundlich in die schräg darüber angebrachte Videokamera und drücken den Klingelknopf. Nach gefühlt endlosen zwanzig Sekunden, in denen wir vermutlich auf Herz und Nieren gescanned werden, ertönt ein Summer und die Tür läßt sich öffnen. Wir sind drin.

Buzz im Marineheim, Thursö

Buzz zu Besuch bei der Royal British Legion Scotland, Thurso Branch

Eine Stunde später stehen wir wie bestellt und nicht abgeholt im Skinandis und reiben uns verwundert die Augen: kurz vor zwölf und außer uns ist kaum jemand da. Tanzfläche und Tresen sind leergefegt. Das ändert sich jedoch innerhalb weniger Minuten. Plötzlich ist die Hölle los. Meine Fresse, dass nenne ich mal ´ne geile Party! Schade, dass um 2.30 Uhr schon wieder Schluß ist. Zack, Punkt halb gehen die Lichter an und die Musik aus.

Wir richten den Peugeot für die Nacht her und erregen dabei die Aufmerksamkeit der Besatzung eines Streifenwagens. Mann und Frau, beide in meinem Alter steigen aus und fragen, was wir hier krummes veranstalten. Wollen die Ausweis- wie Fahrzeugpapiere sehen. Ich erkläre, dass wir keine Papiere für den Peugeot besitzen, da es sich um einen Mietwagen handelt und wir aus Deutschland sind. Okay, dann also wenigstens unsere National IDs. Die junge, ansehnliche und wie sich später herausstellt auch charmante Dame verschwindet mit den Pässen in dem Streifenwagen und gibt die Ausweisnummern der Zentrale durch. Ihr Kollege unterhält sich mit mir über meine Reisepläne, wie es mir in Schottland, speziell im hohen Norden, gefällt und was ich zuhause in Hannover für gewöhnlich so zu treiben pflege.

Buzz verabschiedet sich während dessen bereits und schläft ein. Seitens der Beamten kein Problem.

Nach fünf Minuten kommt die junge Dame dazu. Ich will die beiden auf ´ne Coke einladen. Würden sie gern, dürfen sie aber nicht annehmen. Aber unterhalten dürfen sie sich mit mir, haben gerade ohnehin nichts zu tun, also plaudern wir angeregt. Die beiden Beamten sind voll in Ordnung, wir sind uns sympathisch und haben, wenn man das so sagen darf, eine Menge Spaß zusammen. Nach einer Stunde kommt eine Meldung über Funk. Die beiden müssen los und wünschen Buzz und mir weiterhin eine schöne Zeit in Schottland. Bekomme den Tipp, um "Wick by Night", besonders um das "Wick Water Front House" einen Bogen zu machen und muss versprechen, frühestens mittags Thurso zu verlassen. Wegen des Restalkohols. Versprochen! Sehr entspannte Einstellung der Ordnungshüter. Sie vertrauen mir und finden es höchst ehrenhaft, dass wir im PKW übernachten anstatt noch irgendwohin zu eiern. Sollten Probleme auftauchen, sollen wir uns einfach melden. Bekomme eine Karte mit der Adresse und Telefonnummer der zuständigen Diensstelle ausgehändigt. Korrekt!

Die Reise ins Dreamland indes gestaltet sich schwierig, da Buzz ganze Wälder abholzt.

Tag3:

Putzmunter erwachen wir simultan gegen elf Uhr, putzen Zähne, machen uns frisch, räumen unsere Pension Peugeot auf und spazieren an der Mündung des Flusses Thurso entlang zum Hafen.

Thurso, River Thurso: Blick aus dem Seitenfenster unserer Pension

Thurso, River Thurso: Blick aus dem Seitenfenster unserer Pension

Unser Freund und Kollege in Thurso

Unser Freund und Kollege in Thurso

Spaziergang durch Thurso

Spaziergang durch Thurso, Häuserfront am Thurso River

Thurso, Hafen

Thurso, Hafen

Thurso, Hafen: Unser Lieblingsschild!

Thurso, Hafen: Unser Lieblingsschild!

Thurso Beach: Blick auf den Fährhafen Scrabster, von dem aus die Schiffe auf die Orkney Inseln verkehren

Thurso: Blick auf den Fährhafen Scrabster, von dem aus die Schiffe auf die Orkney Inseln verkehren



Thurso Hafen, im Hintergrund zu erkennen: der Dunnet Head mit dem gleichnamigen Leuchtturm

Einfach nur geil, dass das Wetter uns so freundlich begrüßt. Da macht der Spaziergang durch das sonnabendmittagliche Städtchen im äußersten Norden Schottlands gleich mal doppelt soviel Freude. Am Stadtstrand fällt es uns wirklich schwer, nicht einfach in die glasklaren, dupakalten Fluten des Atlantiks zu springen.

Der Strand ist der Knaller! Das Wasser auch.

Stadtstrand Thurso

Stadtstrand Thurso

Bei den Wassertemperaturen ist an Bad nicht zu denken, egal wie groß die Verlockung auch sein mag. Schade.

Thurso, Stadtzentrum

Thurso, Stadtzentrum

Thurso - Fußgängerzone

Thurso - Fußgängerzone

Wir stolpern über ein Postamt und schaffen es tatsächlich, sowohl Postkarten als auch Briefmarken zu besorgen. Wenn wir es jetzt auch noch packen, die Karten zu versenden, können wir stolz auf uns ein.

Der wie alle Locals außerordentlich freundliche Postler fragt, wohin die Karten verschickt werden sollen und gibt uns auf Vorrat einen DIN A5 Bogen Air Mail-Aufkleber mit. Er meint, dass die blau-weißen Sticker nicht überall verfügbar, aber für eine fixe Beförderung unabdingbar seien und ist der Meinung, uns für alle Fälle einen Vorrat mitgeben zu müssen. Egal, mit wem Buzz und ich hier im Norden Schottlands auch in Kontakt geraten: jeder behandelt uns mit erlesener Freundlich- und Höflichkeit. Es ist ein wahres Vergnügen, an diesem unvergleichlich respektvollen zwischenmenschlichen Miteinander teilhaben zu dürfen.

Thurso - Fußgängerzone

Thurso - Fußgängerzone

Die kleine Einkaufsstraße von Thurso ist schnell abgegrast und so zieht es uns rasch weiter, in den absoluten Norden, zum Dunnet Head aka Ceann Dùnaid ("Most northerly point of mainland Britain"; Karte). Kurz vor dem Eintreffen am Pennplatz kommen wir am Partytempel Nummer Eins der gesamten Region, am Skinandis Nightclub vorbei und schwelgen in Erinnerungen an die letzte, gelungene Nacht. Durchaus möglich, dass wir eines Tages wiederkommen.

Partytempel Nummer Eins der gesamten Region: Skinandis Nightclub

Partytempel Nummer Eins der gesamten Region: Skinandis Nightclub

Am Peugeot angekommen machen wir unser rollendes Zuhause endgültig startklar und fahren Richtung Dunnet Head (w). Den ersten Zwischenstopp legen wir nach wenigen Kilometern am schönen Sandstrand der Dunnet Bay ein.

Dunnet Bay

Dunnet Bay

Dunnet Beach - radioaktiv verseucht!

Dunnet Beach - radioaktiv verseucht?

Ist der Dunnet Beach radioaktiv verseucht? Die Frage stellt sich dem Besucher nicht nur angesichts solcher Hinweisschilder mehr oder minder zwangsläufig. Aus diesem Grund rufe ich die angegebene Tefelonnummer der Dounreay Site an. Ich werde freundlich beraten, informiert und beruhigt. Bekomme außerdem, und das finde ich besonders erwähnenswert, Telefonnummern von unabhängigen Beurteilern der gegenwärtigen Situation an den Stränden im äußersten Nordwesten Großbritanniens. Das Echo klingt übrigens unisono beruhigend. Ein kurzes Bad in den kalten Fluten kann anscheinend kaum Schaden anrichten.

Und dann erreichen wir ihn, den Leuchtturm vom Dunnet Head mit seinen atemberaubend steil und locker 60 Meter hinabfallenden Klippen.

Dunnet Head Lighthouse

Dunnet Head Lighthouse

Klippen am Ceann Dùnaid

Klippen am Ceann Dùnaid

Ich erfinde eine neue olympische Disziplin, den RW-Weitwurf und schlage mich hervorragend. Gemeinsam lauschen wir der Brandung und dem Möwengeschrei, werfen den gegenüberliegenden Orkney Islands sehnsuchtsvoll schmachtende Blicke zu und sind wie weggespult. Wir befinden uns mitten drin in dem Film, in dem wir selbst die Hauptrollen spielen. Wir spüren, dass wir bisher alles richtig gemacht haben und zuversichtlich sein dürfen, einen auch final betrachtet wiedermal sensationellen Big Point mit diesem Schottland-Trip einsacken zu können. Bis jetzt ist schließlich alles noch besser gelaufen als wir es uns zu je zu erträumen gewagt hätten. Und dieser Trend scheint nicht abzureißen.

Tomasz am nördlichsten Punkt des britannischen Festlands, übrigens auf der geografischen Breite Südgrönlands gelegen - unglaublich aber wahr!

Tomasz am nördlichsten Punkt des britannischen Festlands, übrigens auf der geografischen Breite Südgrönlands gelegen - unglaublich aber wahr!

Vom Dunnet Head fahren wir weiter zum Landsend, nach John o’ Groats (w) und anschließend zum Duncansby Head, dem Maß schlechthin bezogen auf die britischen Entfernungen (w). In John o’ Groats ist kaum etwas los und das öffentliche Klo kostet rotzfreche Benutzungsgebühren. Es gibt hier außer dem Fährhafen ein verfallen(d)es Hotel, etliche Souvenirshops und durchaus respektable Entfernungsanzeiger zu den wichtigsten Destinationen.

John o’ Groats (w)

Ehemaliges Hotel in John o’ Groats

Ehemaliges Hotel in John o’ Groats

Entfernungsanzeiger zu den wichtigsten Destinationen - Tomasz zeigt, wo es lang geht... .

Entfernungsanzeiger zu den wichtigsten Destinationen - Tomasz zeigt, wo es lang geht... .

John o’ Groats - Fischerei- und Fährhafen zu den Orkney Islands in Union

John o’ Groats (Karte) - Fischerei- und Fährhafen zu den Orkney Islands in Union

Duncansby Head Lighthouse

Duncansby Head Lighthouse (Karte)

Von den Klippen am Duncansby Head und dem nach jenem benannten Leuchtturm zieht es uns gen Süden. Samstagnacht = Partytime, so lautet unter anderem (hier mein Motto) unsere Maxime, weshalb wir Inverness ansteuern. Nach kurzen Stopps in Wick (w) zwecks Betrachtungs eines niedrigklassigen Fußballspiels und eines anschließenden in Helmsdale zum klassischen und unserer Meinung nach einmal während eines Britannienaufenthalts obligatorischen Fish and Chips (w) - Mampfens erreichen wir gegen 20 Uhr Inverness.

Unser erstes Ziel: das ortseigene Schwimmbad, das leider schon geschlossen ist, weshalb wir außer einer gekonnten Katzenwäsche userer Körper sowie einer Neuordnung des sichtbaren Fahrzeuginneren bereits das endgültige und für Inverness (w) hoffentlich angebrachte Nightclubstyling vornehmen.

Nightclubstyling in Inverness

Vorbereitung auf die Partynacht in Inverness

Unser zweites Ziel: ein adäquater PKW-Übernachtungsplatz in Zentrumsnähe. Wir entdecken diesen (Karte) unerwartet schnell. Unerwartet deshalb, weil Inverness ein zwar gemütliches kleines, keineswegs jedoch vollkommen sicheres Städtchen ist. Bei unserem ersten Besuch haben wir erschreckend viele krumme Gestalten durch die Gegend schleichen sehen. Wir vertrauen einem kameraüberwachten, kostenpflichtigen Parkplatz wenige Schritte vom Ufer des hochwasserführenden, der Stadt ihren Namen gebenden Flusses Inver (Foto vom Asselplatz) und nehmen sogleich das dritte Ziel in Angriff: gepflegtes Asseln am Fluss. Auch das ist kein Problem und so starten wir durch in die Partynacht im schottischen Inverness (w).

Party-Locations bietet die Stadt genug und so lassen wir uns wie in den alten Zeiten vor der Entdeckung des Internets für diesbezügliche Recherchezwecke einfach treiben. Wir landen in einem kleinen, aber feinen Partylokal in der Young Street, dessen Namen wir inzwischen leider vergessen haben. Musik, Stimmung, Publikum und Preise sind top. Dazu kostet der Laden keinen Eintritt, was will man mehr. Mehr geht kaum. Unbedingt zu beachten gilt auch hier die lokale Gesetzgebung, die ein Betreten des Etablissements vor Mitternacht vorschreibt, da man sonst nicht mehr hineingelassen wird. Punkt Mitternacht füllt sich der Laden, exakt wie gestern der Skinandis Nightclub in Thurso. Um 2.30h ist wieder Zapfenstreich, schade, die Party ist deshalb viel zu schnell vorbei.

Tag4:

Nach einer erholsamen, ungestörten Nacht starten wir unseren Sonntagsspaziergang durch Inverness.

Inverness, nördliche Uferpromenade am Fluss, November 2009

Inverness, nördliche Uferpromenade am Fluss, November 2009

Inverness Stadtzentrum

Inverness, Stadtzentrum

Inverness, High Street

Inverness, High Street

Mittags steuern wir eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Schottlands, Loch Ness, an. Vor unseren Augen taucht sogar, allerdings nur für wenige Sekunden, das berühmte Seeungeheuer auf. Leider versäumen wir es, die Fotoapparate schnell genug zu zücken.

Loch Ness

Loch Ness

Loch Ness

Loch Ness

Selbst zu dieser unattraktiven Jahreszeit ist am Loch Ness mächtig Betrieb. Okay, sieht alles sehr schön aus hier, haben aber weiter nördlich wesentlich beeindruckendere Landschaften bestaunen dürfen.

Urquhart Castle

Urquhart Castle

Auf eine Besichtigung der Urquhart Castle (w) genannten Ruine am Ufer des Loch Ness verzichten wir, nicht zuletzt der unverschämten Eintrittspreise wegen.

Urquhart Castle

Urquhart Castle

In Invermoriston (w) halten wir an und wandern ein wenig durch die Gegend. Ein herrliches Fleckchen Schottland (Karte)!

Invermoriston, Telford Bridge

Invermoriston, Telford Bridge, fertiggestellt 1813

Das Wetter wird immer mieser, der Himmel dunkler und so starten wir durch nach Glasgow, vorbei an Fort Augustus, Fort William und den Ufern des Loch Lomond. Wir haben weder ein Navi noch einen Stadtplan dabei und so ist es ein schwieriges Unterfangen, die für die heutige Nacht auserkorene Herberge im dunklen, verregneten und trüben Glasgow (w) zu finden. Mit mehr Glück als Verstand erreichen wir das Premiere Inn Glasgow City Centre South in der Ballater Street dann jedoch nach nur verhältnismäßig wenigen Zick-Zack-Kilometern, parken den Peugeot auf dem für Hotelgäste kostenfreien Parkplatz und checken ein. Der Check In verläuft ausgesprochen angenehm, der Typ an der Rezeption hat seine Hausaufgaben gemacht.

Gut, dass eine Mitarbeiterin zudem einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht hat. Im Foyer hat sich ein offensichtlich alkoholisierter Gast volles Pfund auf die Fresse gelegt und dabei das Kunststück fertig gebracht, Biergläser mit sich zu Boden zu reißen und sich blutende Kopfwunden zuzufügen. Sah nicht nur übel aus, sondern war auch so.

Nun aber zur Zimmerinspektion: für den Preis astrein, ansonsten okay. Deutsche TV-Sender Fehlanzeige aber egal, Zimmer sauber, Fenster nicht zu öffnen, Badezimmer alt und renovierungsbedürftig. So weit so gut, wir wollten nicht lange versacken sondern nochmal rein in die Stadt, also los.

Premiere Inn Glasgow City Centre South, Buzz in unserer Butze

Auf einem Sonntagabend ist naturgemäß nicht viel los, auch nicht in der schottischen Hauptstadt. Dennoch sind einige Pubs, so zum Beispiel der riesige namens Counting House (Karte) gut gefüllt. Wir widerstehen der Versuchung trotz unerwarteter Gästefülle und verbluffend niedrigen Pintpreisen. Entdecken im Laufe des Stadtspaziergangs einen durchaus annehmbaren Pub, in dem ein Pint Tennent´s für 1,29 GBP (!) zu haben ist. Das sind preislich beinahe tschechische Verhältnisse. Und das in Schottland, wer hätte das gedacht.

Tag5:

Premiere Inn Glasgow City Centre South

Es hat die ganze Nacht durchgeschifft und so erfreuen wir uns daran, dass es bei Verlassen des Hotels plötzlich trocken ist und latschen Richtung Innenstadt. Nach wenigen Gehminuten stolpern wir an der Gorbal Street Ecke Norfolk Street über formvollendete, stylishe Plattenbauten, die außergewöhnlich hübsch anzusehen sind, in denen wir aber auf keinen Fall wohnen wollen. Diese Wohntürme (Karte) sind, so mutmaßen wir nach reiflichen Überlegungen, mit großer Wahrscheinlichkeit die Heimat des guten alten Sonny Mc Wind.

Glasgow - Gorbal Street Ecke Norfolk Street, formvollendete, stylishe Plattenbauten

Glasgow - Gorbal Street Ecke Norfolk Street, formvollendete, stylishe Plattenbauten

Glasgow - Gorbal Street Ecke Norfolk Street, formvollendete, stylishe Plattenbauten

Glasgow - Gorbal Street Ecke Norfolk Street, formvollendete, stylishe Plattenbauten

Vorbei am Glasgow Sheriff Court (w), dem "reputedly busiest court in Europe", überqueren wir den River Clyde (w) und betreten das Nordufer. Wollen uns die schottische Hauptstadt im Tageslicht ansehen, eventuell noch ein paar Klamotten kaufen (zum Beispiel in der Argyle Street; w) und uns insgesamt einfach frei Schnauze und Eingebung treiben lassen.

Glasgow Sheriff Court

Glasgow Sheriff Court

Glasgow, River Clyde

Glasgow, River Clyde

Glasgow, The Clutha (einer der Läden, in denem selbst sonntags was geht)

Glasgow, The Clutha (Karte; einer der Läden, in denem selbst sonntags was geht)

Glasgow, Fußgängerzone namens Argyle Street

Glasgow, Fußgängerzone namens Argyle Street

Selbstredend verlassen wir zwischendurch auch mal die Shoppingmeilen und begeben uns in rotte Gebiete. Gammel- und Nobelgegenden liegen oftmals direkt nebeneinander, nicht mal einen sprichwörtlichen Steinwurf voneinander entfernt. Viele Gebäude sind nur noch im Erdgeschoss bewohnt und verfaulen in den oberen Stockwerken. Die Seitenstraßen machen keinen guten Eindruck auf uns und so wird uns die Richtigkeit der Entscheidung, sich in Glasgow eine Hotelübernachtung zu gönnen, mehr als bewußt. Im Auto zu ratzen kommt für uns in Glasgow ebenso wenig in Frage wie beispielsweise in Amsterdam, Barcelona oder Marseille. Zudem finden sich im Netz zahlreiche Informationen darüber, wie heiß das Pflaster dort tatsächlich ist. Drogen, Alkohol, Raub, Körperverletzung, Diebstahl und Einbruch sind anscheinend an der Tages- bzw. Nachtordnung. Den nötigen Respekt sollte man jedenfalls definitiv mitbringen, wenn man in Glasgow um die Häuser zieht.

Glasgow, City Centre

Glasgow, City Centre

Glasgow, City Centre

Glasgow, City Centre

In einer eher unschönen Gegend kommen wir an einem schlichten bis schäbigen, dafür aber umso stärker frequentierten Imbiss vorbei und entschließen uns dazu, eineinhalb GBP in einen Cheeseburger zu investieren. Von den Gesprächen in der Gaststätte verstehe ich kaum ein Wort und bin umso erleichterter, dass meine wie üblich stark genuschelte Bestellung ohne Rückfrage notiert wird. Wenig später latscht die Imbissfrau zu einem Gefrierschrank, holt eine unverpackte Eisbulette mit den bloßen Händen hervor, schließt die Gefrierschranktür mit ihrem Hinterteil und wirft den Hack-Klopps in eine tiefe Pfanne mit siedendem Öl. Schneidet ein Brötchen auf, beschmiert die eine Seite mit Ketchup, die andere mit - keine Ahnung - und legt sowohl ein Salatblatt, als auch eine Scheibe Kunstkäse hinein. Zwischendurch kassiert sie den ein oder anderen Kunden ab, nimmt die Kohle entgegen und gibt das Wechselgeld samt Ware zurück und empfängt und bearbeitet neue Bestellungen. Alles, ohne sich zwischendurch mal die Flossen zu waschen. Aber wie so oft, Buzz wartet vor der Tür, bin ich ein Ei und traue mich nicht, die Bestellung zu stornieren und einfach zu verschwinden. Inkonsequent wie wir sind, teilen wir uns letzten Endes den Burger und mampfen diesen, entgegen aller angebrachten Bedenken, sogar auf. Schmeckt übrigens überraschend gut.

Glasgow, Einkaufsstraße

Glasgow, Einkaufsstraße

Glasgow, noble Einkaufspassage

Glasgow, noble Einkaufspassage

Mittags kehren wir zum Hotel zurück, steigen in den Mietwagen und fahren zum Ibrox Stadium (w), der Heimat der meinerseits so sehr geschätzten Glasgow Rangers (w) Leider ist es nicht möglich, einen Blick in das Stadioninnere zu werfen, resoluten Ordnern sei Dank. Well done, ihr Deppen!

Ibrox Park, Heimat der Glasgow Rangers

Ibrox Park, Heimat der Glasgow Rangers

Wenigstens reicht es dann noch für eine kurze Shoppingtour im vereinseigenen Fan-Shop, ehe wir durch dichten Regen zurück zum Flughafen von Edinburgh heizen. Dort angekommen bleibt uns nach Abgabe des Mietwagens noch eine knappe Stunde, um die allerletzten flüssigen Vorräte zu vernichten.

Rainer fliegt uns sicher in die Hansestadt Bremen, wo sich gegen 23 Uhr unsere Wege trennen. Buzz bekommt gerade eben noch seinen IC ins Rheinland, ich dagegen entspannt meinen RE zurück in die niedersächsische Landeshauptstadt.

Einer der besten Tripps aller Zeiten ist zuende. Großartig und unbedingt zu wiederholen. Schottland ist einfach der Oberknaller! Fortan eine unserer absoluten Lieblingsdestinationen, soviel ist mal sicher!