Bulgarien Kurztrip Juni 2016
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Alle paar Monate wieder fallen Sie wie Schuppen vor die Augen, die nicht ablehnbaren Pauschalreiseangebote. Der Preis für die Flüge Hannover - Burgas - Hannover inklusive der zwei Übernachtungen mit Frühstück in einem Mittelklassehotel in Sonnenstrand (in Sonnenstrand, weil der gesamte Ort diesen Namen trägt) kostet mich effektiv so wenig, dass ich ihn an dieser Stelle einfach mal verschweige und in Gedanken daran genieße. Die beiden Übernachtungen lasse ich ungenutzt verstreichen, da ich Sonnenstrand schon kenne und a) keine Lust auf den bulgarischen Ballermann (neben Goldstrand, circa 200 Kilometer entfernt nördlich von Varna) und b) Bock auf eine eher zufällig entdeckte, typisch bulgarische Stadt mit sensationellem Denkmal habe die auf den klangvollen Namen Shumen hört. Im Anschluss an den Besuch dort will ich mir die bis dato unbekannte angebliche Schönheit Varna am Schwarzen Meer ansehen und vor dem Rückflug nochnmals Burgas einen Besuch abstatten. Somit ist das Programm in Kurzfassung erläutert und zack, geht es auch schon los.

Tag1:

Als erstes begebe ich mich nicht nur gefühlt sondern tatsächlich mitten in der Nacht auf den Ritt zum Flughafen von Hannover. Das ganze so, wie ich es am Liebsten habe, nämlich mit dem Rad. Die Fahrt durch die laue Sommernacht an den Stadtrand Hannovers (Langenhagen) ist bereits alleinstehend für sich ein Glanzlicht des gerade erst beginnenden Kurztrips. Am Flughafen stelle ich den Zossen an bewährter Stelle ab und begebe mich um 2:55h in der Früh auf die Abflugebene.

Der frühe Vogel ist heute ausnahmsweise mein Freund und so begebe mich um 2:55h in der Früh auf die Abflugebene
Der frühe Vogel ist heute ausnahmsweise mein Freund und so begebe mich um 2:55h in der Früh auf die Abflugebene
Frühmorgendliches Warten auf den Hüpfer von Hannover nach Burgas
Frühmorgendliches Warten auf den Hüpfer von Hannover nach Burgas

Der frühe Flug ermöglicht es mir, bereits morgens um 7h bulgarischen Boden zu betreten. Als erster verlasse ich das Terminal und überprüfe beim Joggen zur Bushaltestelle, ob ich die im Vorfeld erforderlichen Recherchehausaufgaben anständig gemacht habe. Ich gebe mir und der Arbeit die Note "sehr gut" denn ich finde das gläserne Wartekabuff (in welchem auch schon ein paar Locals herumstehen) auf Anhieb. Und auch die Abfahrtszeit des Öffi-Busses von Sarafowo ins Zentrum von Burgas habe ich fast auf die Minute genau mit den zur Verfügung stehenden Informationen berechnet. Kaum stehe ich mir schwitzend die Beine in den Bauch, biegt das Vehikel auch schon um die Ecke. Welch grandioses Timing, da hat sich die zwischenzeitlich eingelegte Sprinteinlage mit schwerer Neuer Hüpferlitasche auf dem Rücken definitiv gelohnt.

Den Fahrschein gibt´s es bei der Busbegleiterin, er kostet einen fairen BGL. An dieser Stelle eine wichtige Information für Individualreisende (und auch für alle Pauschalreisenden, deren Gesamtpaket keinen Transfer vom/zum Flughafen beinhaltet): es gibt keinen direkten Bus vom Flughafen Burgas nach Sonnenstrand oder gar Goldstrand. Es gibt dennoch verschiedene Optionen, und zwar a) die Fahrer der Transferbusse fragen, ob sie einen gegen ein kleines Trinkgeld mitnehmen können, b) mit dem Bus so wie ich von der Bushaltestelle am Kreisverkehr nach Burgas reinfahren und vom dortigen ZOB den Bus nach Sonnenstrand oder Varna oder was ich wohin die Reise gehen soll nehmen und zu guter letzt natürlich auch c) ein Taxi oder d) einen Mietwagen. Option a) testete ich übrigens vor ein paar Jahren und klappte schon beim zweiten angequatschten Buslenker hervorragend.

Kopfbahnhof in Burgas, 8:10h (vor über sechs Stunden habe ich die Wohnungstür hinter mir abgeschlossen... )
Kopfbahnhof in Burgas, 8:10h (vor über sechs Stunden habe ich die Wohnungstür hinter mir abgeschlossen... )

Die Fahrt von Sarafowo, so der Name des Ortes beim Flughafen Burgas, dauert eine knappe halbe Stunde. Am ZOB besorge ich mir als erstes ein Ticket für den nächsten Bus nach Varna.

Busbahnhof in Burgas, der sich praktischerweise direkt neben dem der Eisenbahn befindet
Busbahnhof in Burgas, der sich praktischerweise direkt neben dem der Eisenbahn befindet

Ich hoffe, die nächsten zweieinhalb Stunden in einem bequemen, klimatisierten Reisebus zurücklegen zu können.

Einer der Zossen würde mir für den Bus-Ritt von Burgas nach Varna gefallen
Einer der Zossen würde mir für den Bus-Ritt von Burgas nach Varna gefallen

Das Daumendrücken bringt nichts. Mein Bus wird mal wieder, wie fast immer wenn ich auf dem Balkan toure, ein Minibus sein. So ein Mist. Das werden wieder nervige zweieinhalb Stunden.

Balkan-Style, den ich weniger schätze: wieder ein Mini-Bus
Balkan-Style, den ich weniger schätze: wieder ein Mini-Bus
Balkan-Style, den ich weniger schätze: wieder ein Mini-Bus, diesmal auf der Route Burgas - Varna
Balkan-Style, den ich weniger schätze: wieder ein Mini-Bus, diesmal auf der Route Burgas - Varna

Elend lang ist sie, die Fahrt im unklimatisierten, scheppernden und seine besten Tage hinter sich habenden Sprinter. Nach fast drei Stunden erreiche ich die Stadtgrenze Varnas und kann einen ersten Blick auf den Hafen am Schwarzen Meer werfen.

Hafenanlagen am Schwarzen Meer, Varna
Hafenanlagen am Schwarzen Meer, Varna

Die Mehrzahl der anderen Passagiere steigt an einer roten Ampel aus. Ich will weiter zum Busbahnhof von Varna um von dort die nächste Reisemöglichkeit nach Shumen zu nehmen. Am vermeintlichen Busbahnhof von Varna staune ich nicht schlecht über die dort vorgefundene Endzeit-Atmosphäre.


Am vermeintlichen Busbahnhof von Varna staune ich nicht schlecht über die dort vorgefundene Endzeit-Atmosphäre - das soll der ZOB der drittgrößten Stadt Bulgariens sein?

Den Busbahnhof des wichtigsten Verkehrsknotenpunkts im Nordosten Bulgariens hatte ich mir anders vorgestellt. Schnell entdecke ich ein Schild mit der Aufschrift "Shumen". Der nächste Bus wird irgendwann am Nachmittag abfahren. Was ist denn hier los? Hier in der Platte stehen ein paar blecherne Buden mit Schildern auf denen Ortsangaben stehen aber ansonsten ist das hier alles andere als ein Busbahnhof. Okay, ein Busbahnhof ist das sicherlich aber garantiert nicht der ZOB. Was nun?

Von hier soll er irgendwann am Nachmittag abfahren, der Bus nach Shumen
Von hier soll er irgendwann am Nachmittag abfahren, der Bus nach Shumen
Umgebung eines, nicht "des" Busbahnhofs von Varna
Umgebung eines, nicht "des" Busbahnhofs von Varna

Die bereits erwähnten Hausaufgaben habe ich sehr sorgfältig gemacht und so weiß ich, dass um kurz nach elf ein Zug vom Bahnhof der für Bulgarien so bedeutsamen Hafenstadt Varna (w) nach Shumen abfahren wird. Ein Blick auf die Uhrzeit verrät, dass ich den Zug mit dem Endziel Sofia im Falle der Inanspruchnahme der Dienste der lokalen Taxifahrerzunft durchaus noch erreichen kann und steige zähneknirschend in eine mir unbekannte gelbe Mistkarre. Der Typ findet Deutschland laser und heizt los. Er zieht mich nicht ab, ich freue mich und eile zum Ticketschalter. Die alle Klischees einer übelst verstimmten osteuropäischen Bahnfahrkartenverkäuferin bedienende Hackfresse hat zwar kein Lächeln, dafür aber das gewünschte Billet für mich am Start. Noch während der Drucker rattert ärgere ich mich darüber, kein 1.Klasse-Ticket gelöst zu haben. Die knapp 1,5€ Aufpreis hätten mich kaum gejuckt und mir im Gegenzug ein Viererabteil ganz für mich alleine beschert. Egal, es ist wie es ist, ab rein in den Zug.

Bahnhof von Varna, Zug nach Sofia (mit Halt u.a. in Shumen)
Bahnhof von Varna (es gibt verschiedene Schreibweisen, ich habe mich für "Varna" entschieden), Zug nach Sofia (mit Halt u.a. in Shumen)

Der Zug ist rappelvoll, zumindest in der zweiten Klasse. Während ich noch mit dem Gedanken spiele, mich einfach in die erste zu setzen und dann beim Schaffner einen Aufschlag bzw. ein kleines Taschengeld zu spendieren sind die Waggons plötzlich leer. Die meisten Mitreisenden sind an den innerstädtischen Bahnhöfen ausgestiegen und so gelingt es mir auch in der zweiten Klasse, ein Abteil ganz für mich alleine zu ergattern. So macht jede Bahnfahrt Spaß, so wird jeder Weg zum Ziel: Scheibe nach unten drücken, bequeme Standposition in Fahrtrichtung einnehmen, Mucke auf die Ohren geben und die vorüberziehende Landschaft beobachten ist schlicht und ergreifend jedes Mal aufs Neue top!

Mit der Bahn unterwegs von Varna nach Shumen
Mit der Bahn unterwegs von Varna nach Shumen

Fast zwei Stunden dauert die zu keinem Zeitpunkt langweilige Fahrt. Bei meiner Ankunft in Shumen (w) bin ich, und das macht sich zugegebenermaßen almählich bemerkbar, bereits elf Stunden unterwegs.

Verlockender Kiosk am Bahngleis mit breitgefächertem Sortiment; Shumen
Verlockender Kiosk am Bahngleis mit breitgefächertem Sortiment; Shumen
Angekommen in Shumen, der Zug setzt seine Reise fort bis Sofia
Angekommen in Shumen, der Zug setzt seine Reise fort bis Sofia
Shumen Hauptbahnhof
Shumen Hauptbahnhof, Wartebereich am Gleis
Shumen Hauptbahnhof
Shumen Hauptbahnhof, Wartehalle
Shumen Hauptbahnhof, Info-Schalter (es erfordert eine Menge Mut und Verzweiflung, sich an einer der miesgelaunten Bediensteten hinter der Luke zu wenden - ganz besonders wenn man so wie ich aus deren Sicht ein absolut dämlich-verpeilter Nichts-Checker ohne landessprachliche Kenntnisse ist)
Shumen Hauptbahnhof, Info-Schalter (es erfordert eine Menge Mut und Verzweiflung, sich an eine der miesgelaunten Bediensteten hinter der Luke zu wenden - ganz besonders wenn man so wie ich aus deren Sicht ein absolut dämlich-verpeilter Nichts-Checker ohne landessprachliche Kenntnisse ist)

Zur Verifizierung der Abfahrtszeiten des morgen zu nutzenden Zug zurück nach Varna reicht ein Blick auf Tafel. Gut, dass ich einst während eines extrem langweiligen mehrtägigen Seminars das kyrillische Alphabet (w) erlernt habe. Ich verlasse die Bahnhofshalle und atme tief durch: Shumen, da bin ich nun, nach mehr als elf Stunden Anreise mit dem Rad, dem Flugzeug, zwei verschiedenen Bussen und final der Bahn. Warum ich mir das alles antue kann ich dir nicht hinreichend beantworten geschweige denn begründen. Dass ich Shumen als lohnendes Ziel einschätze allerdings schon. Die Stadt mit ihren gut 80.000 Einwohnern ist beschaulich, touristisch kaum beachtet und verfügt über eine Sehenswürdigkeit, die mich sofort beim Entdecken in den weiten des Internets fasziniert hat. Die Rede ist vom Shumen-Monument, gewidmet dem circa 1.300 jährigen Bestehen Bulgariens. Ein riesiger Betonhaufen auf dem Hausberg Shumens mit beeindruckend gigantischen Statuen und allem, was flasht ausgestattet. Ich habe das Teil gesehen und wusste sofort, dass ich da hin muss. Und nun bin ich tatsächlich hier. An dieser Stelle eine Karte zwecks besserer Orientierung für dich. Wie man diese Karte (gesetzte Markierungen anzeigen lassen, rein- und rauszoomen und so weiter) bedient setze ich optimistischerweise einfach mal voraus und spare mir die Erläuterungen dazu.

Der Bahnhofsvorplatz empfängt mich mit heftiger Endzeitatmosphäre und ich beschließe, erstmal etwas zu futtern und den Style auf mich einwirken zu lassen.

Blick auf den Bahnhofsvorplatz von Shumen - genau mein Style!
Blick auf den Bahnhofsvorplatz von Shumen - genau mein Style!
Bahnhofsvorplatz von Shumen
Bahnhofsvorplatz von Shumen, Blick aufs Bahnhofsgebäude - genau mein Style!
Gut zu wissen, dass es am Busbahnhof eine Gepäckaufbewahrungsstelle gibt
Gut zu wissen, dass es am Busbahnhof eine Gepäckaufbewahrungsstelle gibt

Das bulgarische Preisniveau und ich sind schon seit langer Zeit sehr gute Freunde und so gönne ich mir zunächst einen Döner der Größenkategorie "Goliath". Dazu einen Kefir.

Gar nicht so mies, das Teil
Gar nicht so mies, das Teil (die Größenbezeichnung ist allerdings m.E: lachhaft)

Ich pflanze mich an einen der Tische im Außenbereich des Imbisses und beobachte das wenig unterhaltsame Treiben auf dem Bahnhofsvorplatz, der zwischen dem Bus- und dem Eisenbahnhof liegt. Viel ist hier nicht los. Der Goliath-Döner entpuppt sich als alles andere als sättigend und so werfe ich noch eine kleine Handpizza nach (die Teile gibt es hier wirklich an jeder Ecke und es wird nicht die letzte während diesen Kurztrips sein, die ich mir reingeballert habe).

Noch mieser als es aussieht, das Teil
Noch mieser als es aussieht, das Teil

Gestärkt und mal eben um den durchschnittlichen Kalorientagesbedarf eines Triathleten am Wettkampftag bereichert latsche ich Richtung Hotel. Die gebuchte Unterkunft liegt in der Flaniermeile Shumens, dem Boulevard Slavyanski und nennt sich "Hotel Central". Inklusive Frühstück kostet das klimatisierte DZ zur Einzelnutzung um die 25,- Tacken. Der Boulevard Slavyanski ist schön. Auf der einen Seite sind Parkanlagen und Sitzgelegenheiten, auf der anderen Geschäfte aller Art. Mir gefällt es hier auf Anhieb sehr gut.

Unterwegs in Shumen
Unterwegs in Shumen
"Kinder Markt Koki", Shumen
Für die Kleinen: "Kinder Markt Koki", Shumen
Shumen, solche Dinger liebe ich bekanntermaßen
Shumen, solche Dinger liebe ich bekanntermaßen
Shumen, Detail eines heroischen Denkmals
Shumen, Detail eines heroischen Denkmals
Shumen, Detail eines heroischen Denkmals
Shumen, Detail eines heroischen Denkmals
Im Zentrum von Shumen
Im Zentrum von Shumen

Eines der lauschig-schattigen und gut besuchten Cafés überredet mich zu einer Pause.

So ein Espresso darf hierzulande ruhigen Gewissens mal drin sein
So ein Espresso darf hierzulande ruhigen Gewissens mal drin sein
Lausige Bildqualität dank Zoom: da ist es endlich, das Shumen-Monument welches letzten Endes dafür gesorgt hat, dass ich hier überhaupt am Start bin
Lausige Bildqualität dank Zoom: da ist es endlich, das Shumen-Monument welches letzten Endes dafür gesorgt hat, dass ich hier überhaupt am Start binDas Teil hat assoziativ etwas mit Theaterkunst zu tun; Shumen
Das Teil hat assoziativ etwas mit Theaterkunst zu tun; Shumen
Downtown Shumen
Downtown Shumen

Ziemlich am Ende der Fußgeherzone erreiche ich schließlich das Hotel Central und checke ein.

Adäquate Bude im Hotel Central, Shumen
Adäquate Bude im Hotel Central, Shumen

Es gilt mal wieder keine Zeit zu vertrödeln also optimiere ich den Inhalt der Neuen Hüpferlitasche und latsche Richtung gen Osten führender Hauptstraße.

Flaniermeile Shumens, der Boulevard Slavyanski
Flaniermeile Shumens, der Boulevard Slavyanski
Tomasz im liebreizenden Shumen
Tomasz im liebreizenden Shumen

An der Hauptstraße halte ich Ausschau nach einem einigermaßen vertrauenserweckend ausschauenden Taxifahrer. "Der Typ da sieht ehrlich aus" denke ich und winke ihn heran. Eine gute Wahl. Schmale und überaus faire 5,- Lewa sind fällig für den recht weiten Ritt hinauf zur Festung von Shumen, die den Ruf genießt neben dem Shumen-Monument die Top-Sehenswürdigkeit der Stadt zu sein. Auf dem Weg dorthin kommen wir an der Tombul Moschee vorbei.

Steinalte Moschee in Shumen; im Hintergrund auf dem Berg befindet sich die Festung der Stadt
Tombul-Moschee von 1745 (w); im Hintergrund auf dem Berg befindet sich die Festung der Stadt

Am Zugang zum Festungsgelände ist Kohle zu berappen. Derartige Zahlungen halten sich hierzulande allerdings in einem derart moderaten Rahmen, dass es keinerlei Bauchweh bereitet so gut wie alles wegzuscheppern.

Details und Informationen zur Festung von Shumen
Details und Informationen zur Festung von Shumen
Festung von Shumen
Festung von Shumen
Festung von Shumen
Festung von Shumen

Die Festung von Shumen (w) ist alleine der Historie, der Ausmaße und der sich vom Hügel aus bietenden Aussicht auf Shumen und sein bekanntes Monument einen Besuch wert. Auf dem zugänglichen Turm schlage ich eine ganze Weile lang Wurzeln und sehe mich an der Umgebung satt. Schön hier. Langsam aber sicher kribbelt es. Was ist das, woher kommt das Kribbeln? Es ist die wachsende Vorfreude auf den Besuch beim Monument, klarer Fall.

Blick von der Festung auf Shumen und, halbrechts schön zu sehen, das relativ bekannte Monument anläßlich der circa 1.300 jährigen Existenz Bulgariens
Blick von der Festung auf Shumen und, halbrechts schön zu sehen, das relativ bekannte Monument anläßlich der circa 1.300 jährigen Existenz Bulgariens (errichtet wurde das Denkmal 1981)

Beim Verlassen des Festungsgeländes stelle ich fest, dass ich nun ein gutes Stück weit zu marschieren habe. Immerhin geht es abwärts.

Wanderung von der Festung zurück in die Stadt Shumen
Wanderung von der Festung zurück in die Stadt Shumen
Wie geil ist das denn - ein Brunnen kommt des Weges und spendiert mir eine äußerliche wie innere Erfrischung und füllt meine mitgeführten Trinkwasserbuddeln mit köstlichem Mineralwasser
Wie geil ist das denn - ein Brunnen kommt des Weges und spendiert mir eine äußerliche wie innere Erfrischung und füllt meine mitgeführten Trinkwasserbuddeln mit köstlichem Mineralwasser (welches vermutlich die Hauptgrundlage des Shumenskoe-Biers bildet)Zack, schon ist die Stadtgrenze von Shumen erreicht, an der sich die Brauerei Shumenskoe (Carlsberg) befindet
Zack, schon ist die Stadtgrenze von Shumen erreicht, an der sich die Brauerei Shumenskoe (Carlsberg) befindet
Brauerei Shumenskoe (Carlsberg)
Brauerei Shumenskoe (Carlsberg)

Brauerei Shumenskoe (Carlsberg)

Auf eine Verkostung vor Ort verzichte ich, passt nicht in meinen Plan. Später hole ich dies auf der Treppe vom Monument hinunter in die Stadt nach und kann deshalb schonmal verraten, dass das Gebräu gut mundet.


Brauerei Shumenskoe (Carlsberg)

Spätestens nach Erreichen des Brauereigeländes hatte ich mit der Verfügbarkeit von Taxen gerechnet. Fehlanzeige, also heißt es weiterhin "I´m walking".

Auf dem Weg vom Stadtrand Shumens ins Zentrum
Auf dem Weg vom Stadtrand Shumens ins Zentrum

Endlich erreiche ich das Hotel Central. Wie passend, dass einen Steinwurf von dieser Bleibe entfernt der Stiegenaufgang zum Shumen-Monument zu finden ist.

Hotel Central, Shumen
Hotel Central, Shumen
Shumen Stadtzentrum, schönes Gebäude
Shumen Stadtzentrum, schönes Gebäude
Shumen Stadtzentrum, schönes Gebäude
Shumen Stadtzentrum, schönes Gebäude

Angesichts der vorangeschrittenen Uhrzeit und der sich nun merklich leerenden körpereigenen Kraftreserven entscheide ich mich dafür, mit einem Taxi rauf zu fahren und zu Fuß wieder runter zu latschen. Ich halte also wieder einmal Ausschau nach einem ehrenwerten Vetreter der Taxifahrergilde und habe erneut Glück. Fünf Lewa kostet die Fahrt nach oben.

Während der Taxifahrt hinauf zum Monument entdecke ich beim Blick aus dem Beifahrerfenster, dass wir definitv auf dem richtigen Weg sind (Kenntnisse des Kyrillischen Alphabets sind hierzulande von großem Vorteil)
Während der Taxifahrt hinauf zum Monument entdecke ich beim Blick aus dem Beifahrerfenster, dass wir definitv auf dem richtigen Weg sind (Kenntnisse des Kyrillischen Alphabets sind hierzulande von großem Vorteil)Die lieben Kleinen der Gruppe vor mir werden sich gleich ebenso beeindruckt von dem wahrhaft monumentalen Betonkoloss zeigen wie ich
Die lieben Kleinen der Gruppe vor mir werden sich gleich ebenso beeindruckt von dem wahrhaft monumentalen Betonkoloss zeigen wie ich mich selbst

Auch hier werden, wie schon bei der Festung, ein paar überschaubare Lewa fällig. Kein Problem. Und dann stehe ich endlich mitten drin, im gigantischen Shumen-Monument. Welch fulminanter Flash. Einfach nur laser, das alles.

Shumen-Monument
Shumen-Monument
Shumen-Monument
Shumen-Monument
Shumen-Monument
Shumen-Monument
Shumen-Monument
Shumen-Monument

Shumen-Monument
Shumen-Monument
Shumen-Monument

Das einzige, was ich oben beim Shumen-Monument leider vermissen muss ist eine Aussichtsterasse mit annehmbaren Asselbänken. Auf eben jene habe ich spekuliert. Man kann nicht alles haben und so trete ich den Rückweg in die Stadt an. Dieser führt, wie passend, über exakt 1.300 Stufen, korrespondierend zu den Jahren der Existenz Bulgariens zum Zeitpunkt der Errichtung des Monuments talwärts.


1.300 Stufen sind es vom Monument bis nach Shumen

Auch entlang der Treppe findet sich leider keine einzige, schon gar keine asseltaugliche Sitzbank. Auf der gesamten Länge bis in die Stadt nicht. Glücklicherweise jedoch befindet sich, kaum habe ich das obere Drittel der 1.300 Stufen hinter mir gelassen, ein aufgegebenes Bistro auf einer Art Aussichtsplateau. Auf einem ehemaligen Pflanzenkübel schlage ich Wurzeln, zücke das Tb und hänge Gedanken nach. Asseln in Reinkultur ist also doch noch möglich, so muss es sein, so liebe ich es.

Aufgegebenes Bistro auf einer Art Aussichtsplateau bei den 1.300 Stufen von Shumen zum Bulgarien gewidmeten Monument
Aufgegebenes Bistro namens "Panorama" auf einer Art Aussichtsplateau bei den 1.300 Stufen von Shumen zum Bulgarien gewidmeten Monument

Es gibt übrigens zwei Arten von Asseleien. Gewollte und ungewollte. Diese können, müssen sich aber nicht zwangsläufig im Wesen und Empfinden unterscheiden. Ganz im Gegenteil, so manche widrigen Umständen geschuldete, zunächst Sorgenfalten wie Zornesröte ins Gesicht treibende Zwangs-Asselei entpuppte sich letzten Endes als wundervolles Geschenk des Himmels.

Diese Asselei habe ich mir gewünscht und im Vorfeld auch in etwa so vorgestellt, wie sie nun tatsächlich abläuft.

Schöne Aussicht auf Shumen vom Asselplatz an der 1.300-Stufen-Treppe
Schöne Aussicht auf Shumen vom Asselplatz an der 1.300-Stufen-Treppe
Schöne Aussicht auf Shumen vom Asselplatz an der 1.300-Stufen-Treppe (ohne Gräten und Mauken im Bild)
Schöne Aussicht auf Shumen vom Asselplatz an der 1.300-Stufen-Treppe (ohne Gräten und Mauken im Bild)

Die Aussicht ist gut und der PSF erträglich. Die Treppe bildet so eine Art Gratis-Fitness-Institution für die vielen sportlichen Locals, die die Stufen hoch und runter laufen. Teils mit mehreren Wiederholungen, wofür ich großen Respekt zolle. Ich selbst labe mich an Style und Atmosphäre und stelle irgendwann gedankenverloren und schweren Herzens fest, dass die Aufenthaltszeit an diesem lauschigen Plätzchen schon wieder vorbei ist.

Blick aufs abendliche Shumen
Blick aufs abendliche Shumen

Im letzten Tageslicht mache ich mich auf den Weg zurück zum Hotel, welches ich bei Dunkelheit erreiche.

Zurück in Shumen, rechts oben im Hintergrund das meinerseits so geschätzte kolossale Monument
Zurück in Shumen, rechts oben im Hintergrund das meinerseits so geschätzte kolossale Monument

Auch morgen wartet wieder ein tagesfüllendes Programm, weshalb ich zurück in der Bude nicht lange verpeilt Zeit verdaddel sondern mich zeitig in die Horizontale begebe.

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