Venedig, Neapel, Capri, Rom, Castel Gandolfo, Sofia und Frankfurt am Main - Trip im Spätherbst 2017
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Tag 3: Venedig (Dorsoduro, Accademia, Sacca Fisola) - Treviso - Neapel

Heute bereits gilt es für mich Tränen des Abschiedsschmerzes zu unterdrücken und Venedig leise wimmernd und mit dünner, zitteriger Stimme ein wehleidig-melancholisches "Adieu, gehab´dich wohl und bis zum nächsten Mal, das hoffentlich nicht wieder ein volles Jahr auf sich warten lassen wird" zuzuraunen. Es geht weiter, immer weiter. Doch ehe es soweit ist, dass ich in Treviso in den Ryanair-Jet nach Süden steige ist noch eine Menge Zeit die es einigermaßen sinnvoll zu gestalten gilt.

Beim Frühstück haue ich mir wieder den Bauch und die Jackentaschen voll und wenig später checke ich aus. Fahre ich nach Treviso und latsche da ein bisschen durch die Stadt und später einfach mal die ganze Strecke bis zum Flughafen oder ziehe ich mir wieder, wenn auch bedingt durch das überraschend schwere Gepäck mit geringem Aktionsradius, Venedig rein? Lange muss ich nicht überlegen. Schon steige ich wieder in den Bus der Linie 4L und an der Piazzale Roma um ins Vaporetto der Linie 2. An der Haltstelle San Basilio steige ich aus und spaziere am Dorsoduro-Ufer "Fodamenta Zattere al Ponte Longo" entlang bis Zattere. Hier und da finden sich Botschaften der Gegner der Venedig sukzessive zerstörenden Kreuzfahrtschiffe.

An dieser Stelle passenderweise erneut der bereits gestern vorgestellte Mega-Filmtipp: "Das Venedig-Prinzig".

Ja, aus der Perspektive der Lagunenstadt sind es Monster, das ist leider wahr; verfluchte Venedig schadende Kreuzfahrtschiffe
Ja, aus der Perspektive der Lagunenstadt sind es Monster, das ist leider wahr; verfluchte Venedig schadende Kreuzfahrtschiffe

Den Inhalten der Iniative "No Grande Navi!" kann ich nur zustimmen. Es ist eine Schande, dass immer noch riesige Fähr- und Kreuzfahrtschiffe durch die Lagune brettern und dieses Weltwunder langsam aber sicher zerstören. Es ist zum Heulen. Und allen Passagieren dieser Monster wünsche ich außer einem Schlag in den Nacken die Erkenntnis, dass sie das, was sie vom Schiff aus bei der Ein- und/oder Ausfahrt mit begeisterten Seufzern und "Aaaah" und "Ooooooh" Rufen kommentieren gerade wenn auch passiv (durch das Spülen von Finanzmitteln in die Kassen der verantwortungs-, rücksichts- und skrupellos agierenden Reedereien und Reiseveranstalter) irreversibel kaputt machen.

Ach und ehe ich es vergesse setze ich rasch noch einen Link zu einem wirklich lesenswerten, hochinformativen Blog der sich komplett um die schönste Stadt der Welt dreht und durch den ich damals von der Geldsparmaschine "IMOB" erfahren habe.

Die schwere Neue Hüpferlitasche auf dem Rücken behindert mein ursprünglich avisiertes Pensum und so lege ich in der Nähe des Hotels "Belle Arti" eine Pause ein. In dem Schuppen pennten wir (BH und ich) übrigens damals nachdem wir auf der Rialtobrücke in meinen dreißigsten Geburtstag reinfeierten. Ja, die Zeit ist flüchtig, keine Frage.

Dorsoduro, kurze Rast auf dem Campo di Sant'Agnese
Dorsoduro, kurze Rast auf dem Campo di Sant'Agnese

Nach kurzem Verschnaufen ziehe ich weiter und überquere den Canal Grande mittels der Ponte dell´Accademia.

Blick von der hölzernen Ponte Accademia auf den Canal Grande Richtung Ponte della Salute
Blick von der hölzernen Ponte dell´Accademia auf den Canal Grande Richtung Ponte della Salute
Campo Santo Stefano
Campo Santo Stefano

Mit der schweren Neuen Hüpferlitasche auf dem Rücken komme ich nur schwer voran.

Bis zum Markusplatz weiter zu latschen war mein Plan, den ich nun verwerfe. Egal. Muss niemandem, nicht einmal mehr mir selbst etwas beweisen. Schon gar nicht bezüglich der Stadt Venedig. Kurzum: ich beschließe, aus der Not eine Tugend zu machen und good old Sacca Fisola mal wieder einen Besuch abzustatten. Etliche Male habe ich dort schon abgehangen und die dort auffindbare authentische Atmosphäre sowie den Blick rüber nach San Basilio und die Promenade von Dorsoduro genossen. Also setze ich mit der 2 über und schlage auf der angestammten Asselbank mehrere Stunden lang Wurzeln. Der leicht in Vergessenheit geratene Style Sacca Fisolas zieht mich sofort wieder in seinen Bann.

Was mich so sehr an Sacca Fisola begeistert, lässt sich fix auf den Punkt bringen. Diese Gegend ist real. Echt. Hier wohnen wahre Locals und das spürt man. Hierher verirren sich außer den Bewohnern des nahegelegenen Hilton Molino Stucky, die ihre Nobelbude mitunter unter Zuhilfenahme der Linie 2 erreichen, so gut wie keine Touristen. Außer Freaks wie mir, aber die passen sich nahtlos in das Gesamtbild ein und fallen nicht auf. Hier gibt es enge Hinterhöfe, auf denen die Bambini lärmend bolzen und schäbige mehrstöckige Wohnblöcke. Hier spürt man etwas vom Alltag der Einheimischen. Hier verspürt man eine natürliche Scheu beim Ziehen des Fotoapparats, hier gehen die Uhren langsamer. Hier gefällt es mir ausgezeichnet.


Stamm-Asselbank auf Sacca Fisola (lang ist er her, mein letzter Besuch)
Sacca Fisola, Blick rüber nach San Basilio und die Promenade von Dorsoduro
Sacca Fisola, Blick rüber nach San Basilio und die Promenade von Dorsoduro
Herrlich authentisch und stylish, die Wohnblöcke auf Sacca Fisola (Venedig)
Herrlich authentisch und stylish, die Wohnblöcke auf Sacca Fisola (Venedig)

Die Asselei auf Sacca Fisola ist der Knaller, und zwar im positiven Sinne. Letzten Endes vergeht die Zeit wie üblich zu schnell. Schon steige ich ins Boot und lasse mich zum Bahnhof Santa Lucia schippern.

Bahnhof Venezia Santa Lucia
Bahnhof Venezia Santa Lucia

Mit dem Zug fahre ich nach Treviso.

Treviso (aus dem Mc D.-Ableger gehen wenig später wie bislang jedes Mal verwerflicherweise zwei Hamburger à 1,- € mit... )
Treviso (aus dem Mc D.-Ableger gehen wenig später wie bislang jedes Mal verwerflicherweise zwei realbepreiste Hamburger à 1,- € mit... )

In Treviso ziehe ich mir zwei Hamburger rein und haue mich am Flussufer auf einer an und für sich viel zu stark PSF-geschädigten Bank hin.

Leider zu stark frequentierte Asselbank in Treviso (PSF: 5-6 auf der Skala von 1 = inexistent bis 10 = kirmesartig)
Leider zu stark frequentierte Asselbank in Treviso (PSF: 5-6 auf der Skala von 1 = inexistent bis 10 = kirmesartig)

Der PSF ist auf Dauer nicht auszuhalten, weshalb ich die nächstbeste Transportmöglichkeit Richtung Flughafen wähle. Kleiner Tipp am Rande: es gibt zwar städtische Busse zum lokalen Flughafen aber diese brauchen für den eigentlich streckenmäßig kurzen Ritt gefühlt Ewigkeiten. Wesentlich praktischer ist es, zum ZOB von Treviso zu dackeln und einen der alle zwanzig Minuten (tagsüber; werktags) abfahrenden Busse Richtung Padua zu wählen. So mache ich es übrigens auch heute mal wieder.

Trevisos Zentraler-Omnibus-Bahnhof (aka "ZOB")
Trevisos Zentraler-Omnibus-Bahnhof (aka "ZOB")

Nur fünfzehn Minuten später steige ich am Flughafen von Treviso aus dem Bus.

Aeroporto di Treviso A. Canova
Aeroporto di Treviso A. Canova (w)

Bis zum Abflug des Ryanair-Jets gilt es noch eine Menge Zeit zu überbrücken. Nichts leichter als das. Habe ich früher öfters gemacht. Wo? Auf einem nahegelegenen Parkplatz. Fotos?


Fotos (von 2011), die sogar mittels Doppel-Klick in Originalgröße angezeigt werden (die aber sicher nachvollziehbarerweise kaum jemanden außer einschlägig bekannten Leuten interessieren dürften ):

Ungenutzer Park- bzw. Asselplatz, der heute noch genauso aussieht
2011 noch im Dauereinsatz: die Originale Hüpferlitasche, der Vorgänger der Neuen Hüpferlitasche
Ungenutzer Park- bzw. Asselplatz, der heute noch genauso aussieht
Exakt hier habe ich schon mehrfach abgeasselt, es war stets stylish, so auch heute...
Ungenutzer Park- bzw. Asselplatz, der heute noch genauso aussieht
2011 im Dauereinsatz: die Originale Hüpferlitasche (Vorgänger der Neuen Hüpferlitasche)
Ungenutzer Park- bzw. Asselplatz, der heute noch genauso aussieht
Exakt hier habe ich schon mehrfach abgeasselt, es war stets stylish, so auch heute...


Selbstredend muss ich während der routinierten wie unspektakulären Asselei an vergangene Zeiten denken. Klar auch, dass ich etliche Seiten fülle und den Style irgendwie sogar zu genießen im Stande bin. Zack, schon latsche ich wieder zurück zum Terminal.

Auch das noch: der Flug von Treviso nach Neapel ist nicht nur verspätet, nein, auch das Boarding zieht sich ätzenderweise in die Länge
Auch das noch: der Flug von Treviso nach Neapel ist nicht nur verspätet, nein, auch das Boarding zieht sich ätzenderweise in die Länge

Wo liegt eigentlich Neapel? Wie weit ist es dorthin von Treviso aus? Wird der Flug gefühlt ewig dauern? Karte? Karte.

Die Flugzeit ist ryanairtypisch großzügig kalkuliert doch wird die Pünktlichkeitsfanfare dieses Mal sicher nicht mehr erklingen. Immerhin kommt langsam Bewegung in die Schlange der sich die Beine in den Bauch stehenden Warte-Esel. Das Boarding beginnt, wurde auch Zeit. Weshalb ich so gestresst bin? Weil ich den Flughafenbus zur Piazza Garibaldi noch bekommen will, der nur bis irgendwann zwischen 23h und Mitternacht verkehrt und wenig Lust darauf habe, nachts, alleine, schwer bepackt und relativ orientierungslos locker sechs-sieben Kilometer durch Neapel zu marschieren. Zumal Neapel in Sachen Kriminalität eine erstzunehmende große Nummer darstellt. Nicht nur wegen der mafiösen Strukturen sondern ganz besonders wegen der Jugendbanden und Migranten. Wie auch immer. Und komme mir bloß nicht mit dem Vorschlag, notfalls Kohle für ein Taxi springen zu lassen. Die Dinger sind hierzulande generell unbezahlbar und wenn dann auch noch der Flughafen- sowie der Nachtzuschlag samt Abzieherfaktor dazu käme würde ich eh abreihern. Kurzum: niemals!

Auf geht´s nach Neapel (das wird dann mein zehnter italienischer Flughafen auf der Liste)
Auf geht´s nach Neapel (das wird dann mein zehnter italienischer Flughafen auf der Liste)

Mit fast einstündiger Verspätung hebt derJet endlich ab. Es geht also tatsächlich nach Neapel. Auf Neapel bin ich seit vielen Jahren, genau genommen seit dem Aufeinandertreffen zwischen dem SSC Neapel und Werder Bremen damals [in Neapel verlor Werder 2:3 (vid), den daufhin folgenden 5:1 Heimsieg im Rückspiel (vid) werde ich nie vergessen] im Dezember 1989, extrem heiß. Auslöser waren jedoch nicht die mitreißenden Spiele selbst sondern das kleine Filmchen vorm Anpfiff des Hinspiels in dem Neapel porträtiert wurde und die Stimmung inklusive Bengalo-Meer in Neapel.

Zurück in die Gegenwart. Den Flug verpenne ich mit an die Seite gelehnter Birne. Habe wieder einmal einen Fensterplatz ergattert, fein. Eine Stunde später betrete ich ehrfürchtig neapolitanischen Boden und hetze zur Bushaltestelle, an der der sogenannte Alibus mit laufendem Motor bereit steht. Fünf Euro kostet der um diese Uhrzeit des schwachen Verkehrsaufkommen wegen lediglich viertelstündige Ritt, zahlbar direkt beim Fahrer. An der Piazza Garibaldi, die direkt vor dem Hauptbahnhof Napoli Centrale liegt, steige ich aus und frage mich wie schon in Verona neulich, ob ich wirklich in Italien bin.

Die Unterkunft meines Vertrauens beziehungsweise meines Budgets befindet sich nur knapp 250 Meter von der Alibushaltestelle entfernt, ist also strategisch ideal gelegen. Ich tapere hin, erstehe unterwegs noch zwei Buddeln Mineralwasser und checke im schwer auffindbaren Hotel "La Stazione" ein. Das Zimmer ist in Ordnung, das Wlan läuft und alles ist sauber. Kurze Rückmeldung noch bei BH (dass ich es wohlauf in die Horizontale gepackt habe) und schon schlafe ich hundemüde ein.

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