Venedig, Neapel, Capri, Rom, Castel Gandolfo, Sofia und Frankfurt am Main - Trip im Spätherbst 2017
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Tag 5: Neapel

Frühstück gibt es keines in der Unterkunft und so erfreue ich mich (der harten Schule sei Dank) am von gestern übrig gebliebenen Rest Weißbrot, ein paar Würstchen und Ketchup sowie einer Banane. Reicht um Kraft für den Tag zu laden. Hat früher während der ersten interrailmäßigen Teenager-Reise übrigens wochenlang gereicht. Eine Dose Cola on top wäre der perfekte Kickstart für mich und so ich treibe eine solche noch zu einem freilich unverschämten Kurs auf dem Weg zur Fähre von Marina Grande zurück nach Neapel auf.

Blick auf den Hafen von Marina Grande, das verglichen mit den Schnellbooten direkt günstige Fährschiff von Caremar legt bereits an
Blick auf den Hafen von Marina Grande, das verglichen mit den Schnellbooten direkt günstige Fährschiff von Caremar legt bereits an
Noch hält der Andrang an der Standseilbahn von Capri sich in Grenzen aber das wird sich wenige Schiffsladungen später ändern
Noch hält sich der Andrang an der Standseilbahn von Capri in Grenzen aber das wird sich wenige Schiffsladungen später ändern
Das "günstige" Fährschiff von Caremar im Hafen von Marina Grande
Das "günstige" Fährschiff von Caremar im Hafen von Marina Grande

An Bord der Fähre ist wenig los. Mehr Besatzungsmitglieder als Passagiere, so scheint es mir. Aus diesem Grund habe ich das Oberdeck im Heck für mich alleine und keinerlei Probleme damit ein lauschiges Plätzchen mit Top-Aussicht für die folgende knapp anderthalb Stunden dauernde Überfahrt zu finden und mich einzurichten.

Hafen von Marina Grande
Hafen von Marina Grande
Marina Grande
Marina Grande

Zum Auslaufen ist es soweit und ich ziehe mir die teure Coke rein. Bringt mich immer wieder rasant nach vorn, ähnlich so wie wenn K.I.T.T.s Turbo-Boost-Knopf gedrückt wird. Eine Coke allein reicht schon. Dementsprechend konsumiere ich koffeinhaltige Erfrischungsgetränke generell nur zu besonderen Anlässen. Beim nachfolgenden Video, welches alle (!) Turbo Boosts der Serie zeigt, empfehle ich bis ungefähr 0:26 vorzu"spulen" um direkt in die "Action" einzusteigen.

So auch heute. Obgleich ich das angesichts der sich während der Fahrt bietenden Eindrücke kaum nötig gehabt hätte, klar.

Ciao Capri - dass ich noch mal wiederkehre erscheint mir der Menschenmassen sowie der m.E. teuren Überfahrt wegen mehr als fraglich
Ciao Capri - dass ich noch mal wiederkehre erscheint mir der Menschenmassen sowie der m.E. teuren Überfahrt wegen mehr als fraglich

Schon ist der Hafen von Neapel erreicht.

Neapel
Neapel

Pünktlich legt die Fähre an und spuckt das Dutzend Passagiere aus, die mir übrigens allesamt hochgradig einheimisch erscheinen. Die Touristenmassen scheinen primär die Schnellboote zu nutzen. Und der Mob der protestierenden Schüler und Studenten scheint motiviert zu sein. Worum es geht erschließt sich mir nicht und ich bin auch zu faul um einen der Demo-Teilnehmer nach deren Anliegen zu befragen. Hat vermutlich irgendwas mit Kommunismus oder so zu zun.

Der mich unmittelbar nach meiner Ankunft im Hafen Neapels begrüßende Mob der protestierenden Schüler und Studenten scheint motiviert zu sein
Der mich unmittelbar nach meiner Ankunft im Hafen Neapels begrüßende Mob der protestierenden Schüler und Studenten scheint motiviert zu sein

Als erstes gilt es, das Gepäck in der Bude der folgenden Nacht zu deponieren. also latsche ich frei Schnauze vom Hafen zum Hauptbahnhof bzw zur Piazza Garibaldi und sammle Eindrücke. Hier und da schaut es echt schäbig, gammelig, endzeitmäßig und abgefuckt aus. Insgesamt so, wie ich mir Neapel in dieser Gegend auch vorgestellt habe.

Unterwegs in Neapel, Parkraum ist auch außerhalb des engen und mitunter arg steilen Gassen-Wirr-Warrs knapp
Unterwegs in Neapel, Parkraum ist auch außerhalb des engen und mitunter arg steilen Gassen-Wirr-Warrs knapp
Die Mischung aus Gammel, Platten und geschichtsträchtigen (durchaus vorzeigbaren) Bauten weiß zu beeindrucken
Die Mischung aus Gammel, Platten und geschichtsträchtigen (durchaus vorzeigbaren) Bauten weiß zu beeindrucken
Auch in Neapel gibt es stylishe (typisch südeuropäische) Platten
Auch in Neapel gibt es stylishe (typisch südeuropäische) Platten
Chiesa di Santa Croce e Purgatorio al Mercato am Piazza del Mercato, Neapel
Chiesa di Santa Croce e Purgatorio al Mercato am Piazza del Mercato, Neapel
Unterwegs in Neapel, auf dem Marsch vom Hafen zur Piazza Garibaldi
Unterwegs in Neapel, auf dem Marsch vom Hafen zur Piazza Garibaldi

Unterwegs in Neapel, auf dem Marsch vom Hafen zur Piazza Garibaldi

Mich erwartet das gleiche wie Hotel wie vorletzte Nacht, das absolut zentrale und besonders Bahnreisenden zu empfehlende Hotel La Stazione. Das Zimmer ist bestens bekannt und wartet auf mich, fein. Zeit, kurz zu verschnaufen, die Füße hochzulegen, eine Dusche zu nehmen, Klamotten zu waschen und zum Trocknen aufzuhängen und das Gepäck für die nun anstehende Stadtbesichtigung zu optimieren.


Das gleiche Hotel und das gleiche Zimmer wie vorletzte Nacht - das Zimmer hat nur noch auf mich gewartet und ist bereits vorzeitig bezugsfertig, so habe ich es gern

Ich könnte gut ´ne Runde Mittagsschlaf machen aber ziehe los. Den Stadtplan habe ich mir einigermaßen eingeprägt und so latsche ich einfach mal herrlich oldschool ohne technische Hiflsmittel der Intuition und dem inneren Kompass folgend los. Als erstes erwarten mich die in Neapel zahlreich zu findenden Trödel-, Ramsch, und Gammelmärkte.

So schaut´s in vielen Straßen Neapels aus
So schaut´s in vielen Straßen Neapels aus
Typische Straßenszene, Neapel
Typische Straßenszene, Neapel
Zu Fuß und frei Schnauze unterwegs im Zentrum Neapels
Zu Fuß und frei Schnauze unterwegs im Zentrum Neapels

Zu Fuß und frei Schnauze unterwegs im Zentrum Neapels: Piazza San Gaetano
Neapel, Foro Carolino (Platz und Denkmal sind soweit ich weiß Dante gewidmet)
Neapel, Foro Carolino (Platz und Denkmal sind soweit ich weiß Dante gewidmet)

Neapel, geradeaus im Hintergrund zu sehen das Castel Sant Elmo, zu dem es mich nun zieht

Ich latsche weiter und erreiche den Bahnhof "Stazione Napoli Montesanto", von dem aus eine Standseilbahn hinauf in den gediegenen bzw nicht nur der Lage wegen als "gehoben" zu bezeichnenden Stadtteil Vomero führt. Ich erwerbe ein Tagesticket für die Öffis und zahle weniger als fünf Tacken, das nenne ich mal fair. Wenig später geht die Fahrt mit dem Funicular los und ich drücke mir die Nase an der Scheibe platt um die Aussicht zu genießen. Spontan steige ich am ersten Haltepunkt, der den Namen "C.v.e." für "Corso Vittorio Emanuele" trägt, aus.

Haltepunkt der Standseilbahn von der "Stazione Napoli Montesanto" nach "Morghen", der den Namen "C.v.e." trägt
Haltepunkt der Standseilbahn von der "Stazione Napoli Montesanto" nach "Morghen", der den Namen "C.v.e." trägt
Wenige Meter vom Haltepunkt der Standseilbahn von der "Stazione Napoli Montesanto" nach "Morghen" ( der den Namen "C.v.e." trägt) entfernt begeistert mich dieser Ausblick
Wenige Meter vom Haltepunkt der Standseilbahn von der "Stazione Napoli Montesanto" nach "Morghen" ( der den Namen "C.v.e." für "Corso Vittorio Emanuele" trägt) entfernt begeistert mich dieser Ausblick

Ich erfreue mich am Ausblick und fahre wenig später weiter nach ganz oben, nach Morghen.

Haltepunkt der Standseilbahn der den Namen "C.v.e." trägt - es geht weiter aufwärts, nach Morghen
Haltepunkt der Standseilbahn der den Namen "C.v.e." für "Corso Vittorio Emanuele" trägt - es geht weiter aufwärts, nach Morghen

Im noblen Stadtteil Vomero latsche ich ein bischen herum und erreiche das Castel Sant´Elmo (w).


Castel Sant´Elmo

Eine Besichtigung erspare ich sowohl meinem finanziellem als auch meinem zeitlichen Budget und genieße einfach nur die sich vom Belvedere San Martino (San Martiono ist übrigens der Name des nahegelegenen Klosters) bietende überragende Aussicht über Neapel bis hin zum wolkenverhangenen Krater des Vesuv. Auf ein Erklimmen des Kraterrands und eine Rundwanderung auf eben jenem hätte ich Bock gehabt. Ebenso auf eine Erkundung Ischias. Auch Pompeji oder der gut zwei Bahnstunden entfernte Monte Cassino (w) hätten sich gewiss gelohnt. Kurzum: ich wiederhole mich gern wenn ich betone, dass die Gegend hier mächtig attraktiv ist und einen wesentlich längeren Aufenthalt verdient hätte. Wer weiß, vielleicht komme ich ja, idealerweise in Begleitung und mit mehr Aufenthaltszeit im Gepäck, wieder.

Blick vom Belvedere San Martino
Blick vom Belvedere San Martino auf Neapel

Vom Belvedere San Martino aus führt ein nicht zu verfehlender, mitunter in Sachen Gefälle an Madeira erinnernder Treppengang runter ins Zentrum Neapels. Eine Asselei oben beim Aussichtspunkt ist an zwei Faktoren gescheitert: 1. am PSF und 2. an der Videoüberwachung. Und so hoffe ich während des nun folgenden Treppenabstiegs darauf, dass plötzlich wie aus dem Nichts hinter irgendeiner Ecke oder Kehre ein lauschiges und mit toller Aussicht gesegnetes Plätzchen zum entspannten Abasseln auftaucht und latsche los. Es taucht jedoch keines auf, soviel nehme ich vorweg.

Blick vom Belvedere San Martino über Neapel
Blick vom Belvedere San Martino über Neapel
Zu gern würde ich erfahren, was der Künstler mitteilen will...
Zu gern würde ich erfahren, was der Künstler mitteilen will...
Lille On Tour (da waren die Jungs vom OSC aktiv und bescheren mir Erinnerungen an den mittlerweile sage und schreibe 23 Jahre zurückliegenden coolen Trip nach Belgien und Frankreich mit dem "Hip-Hopper"
Lille On Tour [da waren offenbar die Jungs aka "Les Dogues" vom OSC (w) aktiv und bescheren mir Erinnerungen an den mittlerweile sage und schreibe 23 Jahre zurückliegenden coolen Trip nach Belgien und Frankreich mit dem "Hip-Hopper"]

Ab und zu bleibe ich stehen, nehme die Neue Hüpferlitasche vom mittlerweile wieder geschundenen Rücken und halte inne, die Aussicht aufsaugend. Kann an dieser Stelle nur empfehlen, bei einem Besuch des neapolitanischen Top-Aussichtspunkts namens Belvedere San Martino für den Weg zurück ins Zentrum diese Option zu wählen. Das einzige was leider fehlt ist eine auch nur ansatzweise adäquate Sitzgelegenheit.

Und weil er so schön ist gleich nochmal: Blick über Neapel, im Hintergrund schön zu sehen der wolkenverhüllte Gipfel des Vesuv
Und weil er so schön ist gleich nochmal: Blick über Neapel, im Hintergrund schön zu sehen der wolkenverhüllte Gipfel des Vesuv
Typisch neapolitanische Gasse
Stellvertend für viele andere eine typisch neapolitanische Gasse

Nach einer Weile erreiche ich also wieder das Zentrum und peile die Uferpromenade beim bereits von der Fähre gesichteten imposanten Castel dell'Ovo an. Das ganze natürlich per Pedes. Es kommen mal wieder eine Menge Kilometer auf Schusters Rappen zusammen heute. S.A.s müssen halt irgendwie wehtun, da ist definitiv was dran.

Piazza del Plebiscito, Blick auf die Basilika San Francesco di Paola
Piazza del Plebiscito, Blick auf die Basilika San Francesco di Paola
Piazza del Plebiscito, Nationalbibliothek
Piazza del Plebiscito, Nationalbibliothek

Schließlich erreiche ich das Castel dell'Ovo, welches ich sogar betrete.

Castel dell'Ovo
Castel dell'Ovo (w)

Nach dem Kurzbesuch des Castels dell'Ovo beschließe ich, den Tag an der Uferpromenade auf einem von diesen aufgeschütteten Wellenbrecherfelsen ausklingen zu lassen. Es folgen weitere Kilometer. Irgendwie bin ich heute den ganzen Tag lang nur am Marschieren, mindestens jedoch am Stehen. Gesessen habe ich jedenfalls bislang kaum und almählich macht es sich auch bemerkbar. Zeit, zur Ruhe zu kommen und mal zu verschnaufen.

Blick vom Meereskadetten gewidmeten Denkmal (Monumento ai Caduti del mare) auf die Uferpromenade und das Castel dell'Ovo, Neapel
Blick vom Meereskadetten gewidmeten Denkmal (Monumento ai Caduti del mare) auf die Uferpromenade und das Castel dell'Ovo, Neapel

Westlich vom "Monumento ai Caduti del mare" endlich ebbt der Strom der flanierenden Menschenmassen ab. Zumindest gefühlt, da ich wie ein ungelenker Affe auf den wellenbrechenden Haufen Felsbrocken klettere und mir einen ansprechenden Verweilort aussuche. Rasch richte ich mich ein und schlage Wurzeln.

Blick vom Asselplatz an der Uferpromenade auf den leider wolkenverdeckten Sonnenuntergang
Blick vom Asselplatz an der Uferpromenade auf den leider wolkenverdeckten Sonnenuntergang

Nach dem Sonnenuntergang suche und finde ich eine Busverbindung zurück zum Hauptbahnhof Neapels, steige ein und an der Piazza Garibaldi wieder aus. Hier gibt es etliche Optionen um meinen Hunger zu stillen und so geht eine Art Döner-Sandwich mit.

Weiterer Standortvorteil des Hotels La Stazione ist ein umfassendes Angebot diverser ansprechender Fressbuden in der unmittelbaren Nähe
Weiterer Standortvorteil des Hotels La Stazione ist ein umfassendes Angebot diverser ansprechender Fressbuden in der unmittelbaren Nähe

Zurück in der Bude ziehe ich mir die sättigende und durchaus wohlschmeckende Imbissnahrung rein und erledige schonmal die Vorbereitungen dafür, morgen früh ratz-fatz losmachen zu können. Klamotten rauslegen, Tasche packen und jeden Winkel des Zimmers auf eventuell verschollene Gegenstände absuchen lautet der Name der Mission, die vor dem wohlverdienten Drift ins heißgeliebte Traumland unbedingt zu erfüllen ist.

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