Kurztrip nach Rostock, Dezember 2015
Tag1 - Tag2

Tag:1
Oft schweife ich in die Ferne. Dabei liegt soviel gutes ganz in der Nähe. Rostock und Warnemünde beispielsweise. Und nachdem ich im Sommer bereits restlos begeistert vom Ried i.I. - Passau- Würzburg Kurztrip gewesen bin, nutze ich die aktuelle Preisoffensive der DB (die Konkurrenz durch Fernbusse belebt eindeutig das Geschäft) um der Hansestadt Rostock nach fast zwanzig Jahren der Ortsabwesenheit endlich mal wieder einen Besuch abzustatten.

Hamburger Allee, Hannover
Hamburger Allee, Hannover
Hamburger Allee, Hannover
Hamburger Allee, Hannover

Um 5.55h steige ich in den durchgehenden IC, dessen Route an und für sich über Hamburg Hauptbahnhof führt. Spätestens ab Lüneburg ist das Abteil proppevoll. Fast alles Pendler. Zu doof, dass der IC heute aus technischen Gründen nicht in der Lage ist, HH Hbf anzusteuern und so leert sich der Zug bereits in Harburg. Außer einer schlafenden Mutti schräg hinter mit ist der Großraumwagen leer. Die Mutti erwacht, steht auf und fragt mich, wann wir denn eigentlich HH Hbf erreichen. "Öhm na ja, gar nicht." lautet meine Antwort und ich erkläre was los ist. Zu ihrem Glück hält der Zug in Bergedorf.

Die Fahrt ist entschleunigend. Bei derart niedrigen Ticketpreisen, Hin- und Rückfahrt kosten mich schmale 28,50€ ist die DB definitiv präferiertes Transportmittel auf kurzen bis mittleren Strecken.
Je näher ich mich Rostock nähere, desto mehr teilweise tief beeindruckende Reviermarkierungen der Hansaszene an Häuserfassaden, Lärmschutzwänden, Brücken und Tunneldurchfahrten gibt es zu bestaunen. Einige wirken massiv brachial, andere humorvoll. Viele gekonnt, wenige stümperhaft hingekritzelt. Allesamt haben gemein, dass sie sehr deutlich machen, welche Szene hier Hohheitsrecht hat. Eine derart besonders auch im ländlichen Raum flächendeckende Gebietsmarkierung jedenfalls habe ich bislang nirgends gesehen, Respekt!

Und dann ist es soweit, ich erreiche die 200.000-Einwohner-Stadt Rostock (w) und steige aus dem Zug.

Rostock Hbf; es gibt, gut zu wissen, Schließfächer oben an den Gleisen
Rostock Hbf; es gibt, gut zu wissen, Schließfächer oben an den Gleisen

Hier war ich tatsächlich zuletzt vor fast zwanzig Jahren im Rahmen eines unter Zuhilfenahme des Wochenendtickets von Kiel aus durchgeführten Teenager-Discotrips, gemeinsam mit T.L. der R.-Schlange und dem Hip Hopper. Erinnerungen poppen auf. War eine bewegte, ereignisreiche und abenteuerliche Zeit. Und der Trip im speziellen ein Meilenstein meiner Jugend.

Die Fahrt über auf einem Vierer gesessen, Mucke mit einem alten Kasidreher gehört (ja Ulf, es war dein Profex-Teil, dass die Kassetten meist einen Tick zu schnell abgespielt hat), vorwurfsvolle Blicke Mitreisender ignoriert (soviel zum Thema "Die Jugend von heute"... ) und Regenten gezischt. In Rostock wie auf derartigen Discoexkursionen üblich Mädels der Kategorie "unser Ding" nach Ausgehoptionen befragt und die Gegenfrage gestellt bekommen, für wen von uns der Laden denn maßgeschneidert sein soll. Häh? Die Frage erklärt sich dadurch, dass wir eine optisch bzw. vom Klamottenstyle echt bunt zusammengewürfelte, heterogene Gruppe darstellten.
Wir fragten, wonach wir denn aussähen und fanden uns in verschiedenene Schubladen einsortiert wieder. R.-Schlange: Grufti. Hip-Hopper: Kiffer- bzw Hippietyp. T.L.: normal (!). Ich: Popper. Wie auch immer, wir lachten uns schlapp und enterten erst das DT64 bei der Tramhaltestelle Kabutzenhof und final die Großraumdisco, dessen Name mir entfallen ist, im Plattenbauviertel Lütten Klein. War total geil dort.

Doof nur, dass dem Hip-Hopper bei der Tankstelle in den Rücken gesprungen und die Fresse poliert werden sollte. T.L. als "normaler Typ" konnte die Aggressoren jedoch beschwichtigen und davon überzeugen, dass der Hip-Hopper zwar scheiße aussieht, ansonsten aber okay ist.


Reisegruppe Rostock, 1999

Am nächsten Morgen um kurz nach sechs fuhren wir dann mit dem ersten Zug via Wismar, Bad Kleinen und Lübeck wieder zurück in die Heimatstadt. Zwischen halb elf und elf fielen wir, jeder für sich versteht sich, in die Koje und knackten mehr oder minder bis Montag durch. Zwei Wochen später war dann, meine ich mich zu erinnern, Bremen fällig. Zurück ins "Jetzt und Hier". Bei dieser Gelegenheit zwecks besserer Orientierung für dich eine Karte. Die Markierungen in Gestalt gelber Sterne lassen sich anklicken.


Als erstes staune ich über das die vielen Migranten (fast alle ziehen weiter gen Skandinavien) begrüßende Empfangskommitee und unterlasse an dieser Stelle meinerseits jeglichen Kommentar.


Rostock Hauptbahnhof: das die vielen Migranten (fast alle ziehen weiter gen Skandinavien) begrüßende Empfangskommitee

Es fällt mir schwer, mich aus der Nummer herauszuhalten. Gern würde ich mich mal mit den, nennen wir sie meinetwegen so, Helfern unterhalten. Nennen wir es "unterhalten. Damals wie heute bleibe ich diszipliniert und halte mich zurück.

"No registration!" - Kein Kommentar
"No registration!" - Kein Kommentar

Hochinteressant, dass die Zeugen Jehovas unter den Neuankömmlingen Glaubensbrüder zu rekrutieren versuchen.

Hochinteressant, dass die Zeugen Jehovas unter den Neuankömmlingen Glaubensbrüder zu rekrutieren versuchen...
Hochinteressant, dass die Zeugen Jehovas unter den Neuankömmlingen Glaubensbrüder zu rekrutieren versuchen...

Für die Öffis besorge ich mir eine Tageskarte. Das Blackticket hätte, das nehme ich vorweg, auch voll und ganz gereicht aber auf den Stress habe ich keine Lust. Und so gehe ich zur unterirdischen Straßenbahnhaltestelle und fahre stadteinwärts. Der Rostocker Hauptbahnhof liegt ein gutes Stück außerhalb des Zentrums.

Unterirdische Straßenbahnhaltestelle, Rostock Hbf
Unterirdische Straßenbahnhaltestelle, Rostock Hbf
Mit der Straßenbahn unterwegs in Rostock, die lokalen Öffis wissen zu gefallen
Mit der Straßenbahn unterwegs in Rostock, die lokalen Öffis wissen zu gefallen

Steintor IHK heißt die Stadtbahn-Haltestelle an der ich kurz aussteige und die ersten frischen Eindrücke von der Stadt sammle. Die Hansestadt Rostock hat eine bewegte, interessante Geschichte und aufgrund der Hansezugehörigkeit einige schmucke Bauten vorzuweisen. Auch nach objektiven Kriterien.

Steintor
Steintor

Weiter geht´s zur Nikolaikirche (w).

Nikolaikirche
Nikolaikirche
Weise Worte des Igels an der Hausfassade
Weise Worte des Igels an der Hausfassade

Leider ist es mir nicht vergönnt, einen Blick ins Innere der riesigen Hallenkirche zu werfen - dicht!

Nikolaikirche; links zu erkennen der Schwibbogen mit Bildnis des Hl. Nikolaus
Nikolaikirche; links zu erkennen der Schwibbogen mit Bildnis des Hl. Nikolaus

Durch die idyllische Lohngerberstraße spaziere ich bei leichtem Nieselregen, der sich im Laufe des Tages komplett verabschieden wird, zur Petrikirche.

Blick in die Lohgerberstraße Richtung Petrikirche
Blick in die Lohgerberstraße Richtung Petrikirche
Petrikirche
Petrikirche

Die Petrikirche lockt mit ihrem begehbaren Turm, von dem man einen Rundumblick auf Rostock genießen kann. Da bin ich natürlich heiß drauf. Ich sollte die Treppen nehmen, entscheide mich aber für den Lift. Drei Euro kostet der Zutritt.

Treuer Begleiter!
Treuer Begleiter!

Die drei gelatzten Tacken haben sich gelohnt. Ich lege die Neue Hüpferlitasche mal kurz ab und studiere Rostock von oben. Lasse mir Zeit, sauge die Impressionen auf und schwelge in Erinnerungen an vorherige Besuche in der Stadt. Zum ersten Mal war ich 1988 hier. Hat mir als Kind wesentlich besser gefallen als Schwerin, das weiß ich noch. Weshalb? Das weiß ich nicht mehr. Zeit für einen direkten Vergleich. In zehn Tagen werde ich Schwerin besuchen. Und davon wie´s aussieht auch paar textbegleitete Bilder ins Netz stellen. Willst Du benachrichtigt werden, wenn´s soweit ist? Oder generell, wenn hier was neues hochgeladen wurde? Dann schick mir ´ne Email.

Rostock vom Turm der Petrikirche aus betrachtet; links oben die Sankt-Marien-Kirche
Rostock vom Turm der Petrikirche aus betrachtet; links oben die Sankt-Marien-Kirche (Blickrichtung gen Warnemünde)
Rostock vom Turm der Petrikirche aus betrachtet
Rostock vom Turm der Petrikirche aus betrachtet: die Warnow, Blick nordwärts
Rostock vom Turm der Petrikirche aus betrachtet
Rostock vom Turm der Petrikirche aus betrachtet; südlicher Blick auf die Nikolaikirche

Rostock vom Turm der Petrikirche aus betrachtet; Blick gen Osten

Von der Nikolaikirche aus gehe ich Richtung "Neuer Markt", wo sich das Rathaus und temporär ein Weihnachtsmarkt befindet. Unterwegs staune ich immer wieder über die vielen verschiedenen nahezu überall angebappten Hansa-Sticker, die mir teils richtig gut gefallen. Extremst bedauerlich, dass der Verein Hansa Rostock (w), der 1991 immerhin (man lese und staune) den FC Barcelona weggehauen hat und über eine so beeindruckende Fan-Szene verfügt, derzeit am unteren Ende der Drittligatabelle zu finden ist. Ein Jammer. Aber gleiches gilt bekanntlich auch für andere Top-Ost-Vereine.

Sackpfeife, so nennt man diese Rostocker Gasse
Sackpfeife, so nennt man diese Rostocker Gasse
Blick in die Grubenstraße stadteinwärts
Blick in die Grubenstraße stadteinwärts

Nach Überquerung der Grubenstraße entdecke ich wunderschöne Wandbilder über den Eingängen eines Wohnblock in der Krämerstraße (rechte Seite, wenn man Richtung Sankt-Marien-Kirche geht). Für meinen Geschmack Highlights unter den Sehenswürdigkeiten Rostocks. Ich nehme mir ehrfürchtig die gebotene Zeit beim Betrachten der dargestellten Motive, fühle mich kurz in alte Zeiten zurückversetzt und freue mich darüber, dass diese Bilder erhalten geblieben und so gut in Schuss sind.

Wow!

Sankt-Marien-Kirche (w), die übrigens als einizge der großen Rostocker Kirchen die schweren Bombardierungen zwischen 1942 und 1944 heil überstanden hatRathaus der Hansestadt Rostock am Neuen Markt
Rathaus der Hansestadt Rostock am Neuen Markt
Weihnachtsmarkt auf dem Neuen Markt
Weihnachtsmarkt auf dem Neuen Markt

Weihnachtsmarkt auf dem Neuen Markt

Vom Neuen Markt aus gehe ich durch die Füßgeherzone Kröpeliner Straße Richtung Kröpeliner Tor und Wallanlagen.


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Sankt-Marien-Kirche
Kröpeliner Straße
Kröpeliner Straße
Universität Rostock, Referat Forschungs- Und Transferangelegenheiten
Universität Rostock, Referat Forschungs- und Transferangelegenheiten
Kröpeliner Tor
Kröpeliner Tor (w)

Ich gehe durch das Kröpeliner Tor und erreiche die Wallanlagen. Bei angenehmeren Wetter gibt es hier viele lauschige Asselplätze. Die sich auch bei recht miesem Wetter wie heute bei etlichen Hangaround-Eulen dennoch großer Beliebtheit erfreuen. Und so sind zahlreiche Sitzgelegenheiten okkupiert. Macht nichts, will ja heute nur einen Blick auf den Park werfen und keine Assel-Session abhalten. Diese wird es erst am späten Nachmittag an der Ostsee, in Warnemünde auf der Mole geben. Gefühlt ist der Abend bereits sehr nah, denn heute wird die Sonne schon um 16h untergegangen sein. Abgesehen vom Wetter ein elementarer Nachteil von Reiseaktivitäten an Daten wie diesen.

In den Wallanlagen, Rostock
In den Wallanlagen, Rostock
Allgemein u.a. als Piss-, Kack- und Suffplatz betrachteter Teich in den Wallanlagen, ein Steinwurf vom Kröpeliner Tor entfernt
Allgemein u.a. als Piss-, Kack- und Suffplatz betrachteter Teich in den Wallanlagen, ein Steinwurf vom Kröpeliner Tor entfernt

Vorm Kröpeliner Tor ist eine Märchenwelt in diversen Buden aufgebaut. Da geht das Herz auf. Schön.

Schön!
Schön!

Nochmal das westliche Tor der alten Befestigungsanlage Rostocks

Von der Stadtbahn-Haltestelle Doberaner Platz fahre ich mit der Tram Richtung Lütten Klein.

Stadtbahn-Haltestelle Doberaner Platz
Stadtbahn-Haltestelle Doberaner Platz

Evershagen, Lütten Klein, Lichtenhagen. Das sind die Stadtteile, in denen (Ost-) Platten-Fans voll auf ihre Kosten kommen. Gespannt schaue ich aus dem Fenster und staune sowohl über die vielen, teils riesigen Hansa-Grafittis als auch die extrem stylishen Wohnblöcke. An der Thomas-Morus-Straße (map) in Evershagen ist es soweit. Hier muss ich einfach aussteigen. Warum? Weil die Gegend schlicht und ergreifend zu geil aussieht, um einfach so vorbeizufahren.

Der Beweis, dass es derartige Schätze nur wenige hundert Km von zuhause im eigenen Land noch immer zu bewundern gibt, ist erbracht.

Evershagen: Haltestelle Thomas-Morus-Straße
Evershagen: Haltestelle Thomas-Morus-Straße
Wohnblock in Evershagen
Wohnblock in Evershagen
Liebreiz versprühendes Evershagen...
Liebreiz versprühendes Evershagen...
Einkaufszentrum in Evershagen; man beachte den sensationell-fett-stylishen Mega-Block im Hintergrund
Einkaufszentrum in Evershagen; man beachte den sensationell-fett-stylishen Mega-Block (höchstes Gebäude Rostocks, das WIRO-Hochhaus) im Hintergrund

Ums Einkaufszentrum herum hängen viele Kleingruppen ab, die alle das gleiche Hobby bzw. Unglückslos teilen. Das folgende Schild ist sicher nicht grundlos an die Wand gebracht worden.

Das Schild ist sicher nicht grundlos an die Wand gebracht worden
Das Schild ist sicher nicht grundlos an die Wand gebracht worden

Ich gehe durch das Einkaufszentrum und halte Ausschau nach einem Klo. Will die Wasserflasche auffüllen. Das Klo ist Geschichte, schade.

Auch diese Maßnahme hat gewiss triftige Gründe...
Auch diese Maßnahme hat gewiss triftige Gründe...
Evershagen (in der Ladenzeile ist übrigens der Schuppen "Radaune" zu finden)
Evershagen (in der Ladenzeile ist übrigens der Schuppen "Radaune" zu finden)

In die Gaststätte Radaune werfe ich von außen ein Auge. Für einen Besuch ist´s zu früh, abgesehen davon gilt es die paar hellen Stunden des Tages auszunutzen und nicht etwa in geschlossenen Räumen zu verdaddeln. Doch was ich sehe, verspricht einiges. Bereits jetzt hängen ein paar Haudegen an der Theke. Allerdings mit Buddeln in den Flossen, was wiederum kein gutes Zeichen ist. Wie auch immer, ein Besuch kommt nicht in Frage und so stelle ich mich wieder an die Straßenbahnhaltestelle, an der ich vor einer halben Stunde ausgestiegen bin und fahre bis zur Endstation der Tramlinie 5 namens Mecklenburger Allee. Hier kannst Du dir das RSAG-Liniennetz als Plan im PDF-Format herunterladen.

Mit dem Bus geht es weiter und ich erreiche ein weiteres Einkaufszentrum an der Güstrower Straße. An der Ecke Güstrower / Parchimer befindet sich übrigens ein schönes Hansabild sowie die Gaststätte "Mein Krug", die allerdings löblicherweise noch geschlossen ist.

Stromkasten in HRO-Lichtenhagen, schönes Hansabild
Stromkasten in HRO-Lichtenhagen, schönes Hansabild
EKZ an der Güstrower Straße, Lichtenhagen
EKZ an der Güstrower Straße, Lichtenhagen
Unterwegs in Lichtenhagen
Unterwegs in Lichtenhagen

Ich latsche ein bisschen durch Lichtenhagen und frage einen netten Passanten nach der Lage des sich gewisser, wenn auch zweifelhafter Bekanntheit erfreuenden sogenannten Sonnenblumenhauses und entdecke zufällig eine Skulptur, über die ich leider keinerlei Info in den Weiten des Netzes finde. Vielleicht weiß jemand mehr? Dann schick mir ´ne Email.

Zufällig entdeckte Skulptur - zu blöd, dass mir die Infotafel auf dem Boden erst jetzt beim Betrachten des Fotos auffällt
Zufällig entdeckte Skulptur - zu blöd, dass mir die Infotafel auf dem Boden erst jetzt beim Betrachten des Fotos auffällt
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Sonnenblumenhaus von der Parchimer Straße aus, genauer gesagt vom Parkplatz des EKZs aus (in welchem ich erstmal meinen Wasservorrat auffülle)
Sonnenblumenhaus von der Parchimer Straße, genauer gesagt vom Parkplatz des EKZs aus (in welchem ich erstmal meinen Wasservorrat auffülle)

Das Sonnenblumenhaus ist nicht nur der Historie und der wunderschönen namensgebenden Seitenfassadenmalerei (das wäre doch auch mal ein Wort für so eine Call-In-Quiz-Show) wegen ein echtes Highlight. Nein, das Gesamtkunstwerk in Gestalt dieses brachial-monumental-funktional-stylishen Plattenbauwohnblocks ist einfach die Wucht. Bin total geflashed und studiere die Details.

Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen
Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen
Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen
Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen
Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen
Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen

Meine Vorliebe für derartige, böse Zungen nennen diese beeidruckenden Gebäude blasphemischerweise "Bausünden", Plattenbauten trifft vielerorts auf massives Unverständnis. Ist okay für mich. Andererseits kenne ich auch den einen oder anderen Zeitgenossen, der ähnlich wie ich auf sowas abfährt. Meine Vorliebe für (Ost-) Platten im Allgemeinen kann ich mir selbst nicht erklären. Sie ist einfach da und über Jahrzehnte gewachsen. Nach der Umrundung des gewaltigen Blocks stehe ich vor der wunderschönen namensgebenden Seitenfassadenmalerei. Mir fehlen die Worte. Überwältigend. Einfach nur geil!

Sonnenblumehaus, Rostock-Lichtenhagen: wunderschöne namensgebende Seitenfassadenmalerei
Sonnenblumenhaus (map), Rostock-Lichtenhagen: wunderschöne namensgebende Seitenfassadenmalerei

In diesem Gebäude war übrigens einst die zentrale Anlaufstelle der Asylbewerber untergebracht, weshalb der Block leider Gottes abgesehen von seiner wunderschönen, namensgebenden Seitenfassade vielmehr für die Ereignisse von Rostock-Lichtenhagen im Jahre 1991 (w) bekannt ist. Lange sehe ich mich satt, dann gehe ich zur S-Bahnstation Rostock-Lichtenhagen und treffe zeitgleich mit der S-Bahn nach Warnemünde am Gleis ein. Das nenne ich mal Timing. Bingo.

Zugang zur S-Bahnstation Rostock-Lichtenhagen
Zugang zur S-Bahnstation Rostock-Lichtenhagen
Ehrfürchtiger Blick zurück aufs Sonnenblumenhaus, Rostock-Lichtenhagen
Ehrfürchtiger Blick zurück aufs Sonnenblumenhaus, Rostock-Lichtenhagen

Endstation der S-Bahn ist der Haltepunkt "Warnemünde Werft". Keine Ahnung weshalb. Wurmt mich. Ich glaube ich werde mal bei der RSAG anrufen und nachfragen, muss ja einen Grund haben weshalb der Bahnhof Warnemünde nicht (mehr) bedient wird. Habe es auch ohne Anruf herausgefunden. Umfangreiche Bauarbeiten an der Stromgrabenbrücke sind der Grund. Nach den baulichen Maßnahmen wird die S-Bahn wieder wie sonst auch üblich weiter zum Bahnhof Warnemünde fahren.

Warnowwerft, Warnemünde
Warnowwerft (w), Warnemünde
Wandmalerei am Haltepunkt "Warnemünde Werft"
Wandmalerei am Haltepunkt "Warnemünde Werft"

Dem Umstand, dass die S-Bahn nicht mehr zur ursprünglichen Endstation fährt ist es geschuldet, dass ich in einen Bus um- und am Warnemünder Kirchenplatz wieder aussteige. Dort gibt es die, wie ich später leider feststelle, einzige meinen Bedürfnissen entsprechende Einkaufsgelegenheit in Warnemünde (abgesehen vom REWE in der Nähe der Haltestelle "Warnemünde Werft") in Gestalt eines gut sortierten Edeka-Markts.

Edeka am Warnemünder Kirchenplatz
Edeka am Warnemünder Kirchenplatz

Ehe ich mich zwecks Check In zur Rezeption der heutigen Unterkunft meiner Wahl bzw. meines Budgets begebe, drehe ich eine kleine Runde durchs Zentrum von Warnemünde und werfe einen Blick ins Gotteshaus.

Kirche Warnemünde
Kirche Warnemünde (w)
Im Inneren der schmucken Warnemünder Kirche
Im Inneren der schmucken Warnemünder Kirche
Zentrum von Warnemünde
Zentrum von Warnemünde
Warnemünder Kirchenplatz
Warnemünder Kirchenplatz
Warnemünde
Warnemünde

Schon stehe ich vor dem Hotel. Dem Hotel "Am Alten Strom". Ich hoffe, dass das EZ bezugsfertig ist und mein Wunsch nach einem Zimmer mit schönem Ausblick berücksichtigt wurde und werde an der Rezeption vorstellig.

Hotel "Am Alten Strom"
Hotel "Am Alten Strom"

Das Personal ist sehr freundlich und zuvorkommend. Der erste Eindruck von der Unterkunft ist schon mal super. Das Zimmer wartet bereits auf mich und ich beziehe Quartier.


Hotel "Am Alten Strom", EZ mit Top-Aussicht

Zimmercheck: die Bude ist das Geld wert. Sauber, gepflegt und gemütlich. Das Wlan kostenfrei nutzbar und der Ausblick aus dem Zimmerfenster klasse. Ich fühle mich auf Anhieb rundum wohl.

Hotel "Am Alten Strom", Badezimmer/WC
Hotel "Am Alten Strom", Badezimmer/WC
Hotel "Am Alten Strom", Blick durchs Zimmerfenster
Hotel "Am Alten Strom", Blick durchs Zimmerfenster

Mit der Bleibe habe ich also die perfekte Wahl getroffen. Angenehmer Nebeneffekt übrigens, dass ich die Hälfte der Übernachtungskosten im Gegenzug dafür, dass ich einen Testbericht abgebe, zurückerstattet bekomme. Den der Jahreszeit zu verdankenden alles andere als angenehmen Effekt der frühen Sonnenuntergangszeiten erwähnte ich bereits an anderer Stelle. Nun macht er sich, es ist gerade erst 14:30h, bereits bemerkbar. Hastig packe ich die Neue Hüpferlitasche um und ziehe wieder los. Als erstes will ich am Alten Strom entlang flanieren und dann zum Penny in der Rostocker Straße zwecks Provianterwerbs. Dann zum Warnemünder Leuchtturm, zum berühmten Teepott und auf die Mole. Und auf der Mole den Tag seitenfüllend ausklingen lassen. Los geht´s an den Alten Strom, ans touristische Epizentrum von Warnemünde. Hier reihen sich Restaurants, Cafés, Bars, Souvenirshops und alles, was man sonst noch so üblicherweise an einer typischen Ferienortpromenade findet, aneinander.

Am Alten Strom (aus dem Hotelzimmerfenster heraus fotografiert)
Am Alten Strom (aus dem Hotelzimmerfenster heraus fotografiert)
Am Alten Strom (aus dem Hotelzimmerfenster heraus fotografiert; am gegenüberliegenden Ufer rechts siehst Du ein kleines weißes Häusschen: dort findet das heutige Tagesfinale statt)
Am Alten Strom (aus dem Hotelzimmerfenster heraus fotografiert; am gegenüberliegenden Ufer rechts siehst Du ein kleines weißes Häusschen: dort findet das heutige Tages-Assel-Finale statt)Am Alten Strom (aus dem Hotelzimmerfenster heraus fotografiert; am gegenüberliegenden Ufer rechts siehst Du ein kleines weißes Häusschen: dort findet das heutige Tagesfinale statt)
Hotel Am Alten Strom von der Promenade aus betrachtet (hinter der vorhanglosen Scheibe im zweiten Stock befindet sich glaube ich mein tolles Einzelzimmer)
Diese Unsitte breitet sich aus wie die Pest
Diese Unsitte breitet sich aus wie die Pest
Warnemünde
Warnemünde
Alter Strom, Warnemünde
Alter Strom, Warnemünde
Alter Strom, Warnemünde
Alter Strom, Warnemünde

Ich verlasse den Alten Strom, biege ab, komme am rott ausschauenden Haus des Sportes vorbei und suche den Penny Markt (map). Finde ihn nicht. Frage eine Hundegängerin, die zuerst abweisend auf mich reagiert und dann gar nicht mehr aufhören kann zu plappern. Die Info, dass es den Penny Markt nicht mehr gibt habe ich nach wenigen Sekunden. Danach folgt Smalltalk, der durchaus als kurzweilig zu bezeichnen ist, für den ich aber keine Zeit habe. Erstens ist der Tag viel zu kurz hell, zweitens muss ich nun zu Edeka am Kirchenplatz und drittens will ich endlich ans Meer, an die gute alte Ostsee. Gern hätte ich mich länger mit der Meisterin des verbal "Vom Arsch- auf Kuchenbacken-Kommens" unterhalten aber wie bestellt brettert der Bus heran. Tschüs, Hundegängerin und nix wie rein da. Die Plapperschlange erinnert mich hart an den Typen, der mich am Schärdinger Bhf im Frühsommer dieses (Mutti sei "gedankt": verhängnisvollen) Jahres 2015 unterhielt.

Sah auch schon mal fitter aus...
Sah auch schon mal fitter aus...
Auf der Suche nach dem Penny Markt in Warnemünde
Auf der Suche nach dem Penny Markt in Warnemünde

Am Kirchenplatz steige ich wieder aus und gehe zu Edeka.

Kirchenplatz, Warnemünde
Kirchenplatz, Warnemünde

Mit deutlich schwererer Neuen Hüpferlitasche auf dem Rücken flaniere ich am Alten Strom entlang Richtung Ostseestrand. Im Sommer ist hier sicher richtig viel Trubel.

Promenade am Alten Strom
Promenade am Alten Strom
Promenade am Alten Strom
Promenade am Alten Strom
Alten Strom
Am Alten Strom
Promenade am Alten Strom
Promenade am Alten Strom
Scandlines Fähre
Scandlines Fähre

Schließlich erreiche die architektonische Sehenswürdigkeit schlechthin, den Teepott. Neben dem Teppott steht der Warnemünder Leuchtturm, der zu dieser Jahreszeit leider nicht zwecks Begehung geöffnet ist. Ich schaue mir das Ensemble der Warnemünder Wahrzeichen aufmerksam an und reise gedanklich ein paar Jahrzehnte zurück. Des Weiteren stelle ich mir vor, wie es hier wohl im Sommer ist. Sicherlich, gesetzt der Fall das Wetter zeigt sich von seiner sommerlichen Seite, total schön. Warnemünde gefällt mir gut.

Warnemünder Leuchtturm (leider saisonbedingt geschlossen) und eines der architektonischen Wahrzeichen Warnemündes, der Teepott
Warnemünder Leuchtturm (leider saisonbedingt geschlossen) und eines der architektonischen Wahrzeichen Warnemündes, der Teepott
Der Teepott, ein gelungenes Beispiel für die sogenannte Hyparschalenarchitektur (auch noch nie gehört den Begriff aber gemäß Wikipedia heißt es so)
Der Teepott (w), ein gelungenes Beispiel für die sogenannte Hyparschalenarchitektur (auch noch nie gehört den Begriff aber gemäß Wikipedia heißt es so)
Betonplastik „Lotsenehrung“ von 1976
Betonplastik „Lotsenehrung“ von 1976
Teepott, Leuchtturm und Betonplastik „Lotsenehrung“ von 1976
Teepott, Leuchtturm und Betonplastik „Lotsenehrung“ von 1976
Strandpromenade Warnemünde, Blick aufs Hotel Neptun
Strandpromenade Warnemünde, Blick aufs altehrwürdige (Wikipediaartikel lesen lohnt) Hotel Neptun (w)
Warnemünde
Warnemünde

Nun aber nichts wie ab auf die Mole. Ich gehe bis ans Ende und finde eine schöne und darüber hinaus auch noch windgeschützte Sitzgelegenheit mit Blick auf die Warnowmündung. Mein Urteil über den Strand fällt sehr gut aus. Feinsandig, sauber und bei passendem Wetter extrem einladend. Ja, Warnemünde gefällt mir.

Warnowmündung
Warnowmündung
Feiner heller Sandstrand an der Ostsee, Warnemünde
Feiner heller Sandstrand an der Ostsee, Warnemünde
Warnemünde
Warnemünde
Warnowmündung
Warnowmündung
Die Stena Line verlässt Rostock
Die Stena Line verlässt Rostock

"Die Stena Line verlässt Rostock" lautet die Bildunterschrift des obigen Pics. Ich sitze auf der Bank ohne Rückenlehne und denke natürlich sofort an den genialen Stena-Trip, den ich Ende September 2015 erleben durfte. Und daran, dass ich liebend gern einen Trip nach Gedser (w; map) gemacht hätte. Kostet als Passagier ohne Vehikel weniger als zehn Tacken return und in Gedser wartet dann Bagenkop-Style. Bagenklop-Style? Na ja, typisch dänisch-ländlich-beschauliche Gelassenheit an der Ostsee. Inselatmosphäre. Vorausgesetzt natürlich, man verlässt das lebhafte Terminalareal. Ach ja, nächstes Mal mache ich einen an die guten alten Bagenkop-Trips errinernden Ausflug nach Gedser. Idealerweise in Begleitung. Puttgarden-Rödby böte sich dafür übrigens auch an. Egal ob es dazu kommt oder nicht, das alles ist nichts anderes als Zukunftsmusik. Nichtsdestotrotz meißel ich diese Gedanken gerade nicht nur in mein Tb sondern auch auf die innere To-Do-Liste.

Früher fuhren die Fähren übrigens so weit ich weiß von Warnemünde aus ab. Hätte mir heute gut gepasst, dann wäre ich notfalls und wenn es der Plan hergegeben hätte ohne Ausstieg einfach nur so hin- und hergetuckert. Seufz.

Blick vom Molenplatz auf Warnemünde
Blick vom Molenplatz auf Warnemünde

Die Dunkelheit bricht herein und schon ist es zu dunkel, um ohne künstliche Lichtquelle Seiten zu füllen. Habe eine LED-Klemmlampe dabei. Sie kommt zum Einsatz und leistet wertvolle Dienste.


Schon ist es dunkel, im Dezember geht das in diesen Breiten einfach zu schnell...

Auf dem Weg zurück zum Hotel entschließe ich mich dazu, den Abend noch ein wenig zu verlängern bzw. diesen überhaupt erstmal im Freien zu erreichen (noch ist es nachmittags... ) und halte Ausschau nach einem weiteren schönen Ort zum Herumsitzen und Styleaufsaugen. Am Alten Strom werde ich später vor einem kleinen weißen Häusschen fündig.

Warnemünde, Leuchtturm und Teepott an einem Dezembernachmittag
Warnemünde, Leuchtturm und Teepott an einem Dezembernachmittag
Warnemünde, der Alte Strom an einem Dezembernachmittag
Warnemünde, der Alte Strom an einem Dezembernachmittag

Irgendwann wird es mir trotz etlicher im Zwiebellook übereinander geschichteten Klamottenlagen zu kalt. Vor der Rückkehr ins Zimmer betrete ich eine von außen vielversprechende Kneipe am Kirchenplatz namens Captain Bligh und ziehe mir, auf MDR wird´s live übertragen, noch den Rest des Spiels Dynamo Dresden gegen die Würzburger Kickers rein. Gern wäre ich in den Plattenbauschuppen "Radaune" oder in den "Mein Krug" in der Nähe des Sonnenblumenhaus gegangen (nicht zum versacken sondern zum Lokalkolorit erhaschen, einer Millieustudie wegen quasi, versteht sich), die abendlichen Öffiverbindungen lassen es aber nicht zu. Ok, wäre gegangen aber der zeitliche Aufwand total unverhältnismäßig gewesen. Also habe ich es gelassen und nur kurz meine Nase in den Käptn gesteckt. Hätte ich mir sparen können. Was soll´s. Schade um die Kohle.

Dresden schlägt Würzburg 2:1
Dresden schlägt Würzburg 2:1

Der halbe Liter Rostocker ("Bin ich des Wahnsinns? Rostocker?" fragt sich Ulf nun garantiert und er kann beruhigt werden - wir haben damals wohl einfach nur eine katastrophale Charge ergattert) vom Faß schlägt mit 3,80€ zu Buche und die Stimmung im Laden ist für meinen Geschmack lame. Sofort nach Abpfiff ziehe ich Leine und springe, zuürck im Zimmer, unter die Dusche. Ich stelle den Handywecker und freue mich über den erfüllten, erlebnisreichen und eindrucksvollen Tag.

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