Kurztrip nach Rostock, Dezember 2015
Tag1 - Tag2

Tag2:

Den Handywecker hätte ich mir sparen können. Als die Zimmerbesatzungen um mich herum erwachen ist auch für mich Schluss mit den süßen Träumen. Hätte ich mir doch bloß Ohrenstöpsel reingedrückt. Nun ist´s zu spät, es gelingt mir nicht ins Dreamland zurückzukehren und so nehme ich es hin und schaue erstmal aus dem Fenster. Der tolle Ausblick auf den Alten Strom begeistert mich heute noch mehr als gestern, denn über Nacht ist das Wetter richtig gut geworden. Die Sonne lacht, kein Lüftchen nervt. Vielleicht gar nicht so übel, schon so früh wach zu sein. Ich packe meine Neue Hüpferlitasche, dusche eine halbe Ewigkeit und begebe mich ans löblicherweise im Übernachtungspreis inkludierte Frühstücksbüffet.

Wow! Das Büffett ist übersichtlich aber dennoch ist alles da, was ich mir wünsche. Es gibt keinerlei Kritikpunkte. So muss ein Frühstücksbüffet ausschauen, dann kann es nur ein guter Tag werden!

Top-Frühstück im Hotel "Am Alten Strom", Warnemünde
Top-Frühstück im Hotel "Am Alten Strom" (b), Warnemünde

Aus der Not des frühen, Umgebungslärm bedingten Aufstehens eine Tugend machend ziehe ich zügig Leine. Der Check Out erfolgt ebenso herzlich wie der Check In und ich komme nicht umhin, das Personal erneut ausdrücklich zu loben. Mit dem Bus vom Kirchenplatz zur S-Bahnhaltestelle, mit der S-Bahn vorbei an etlichen der Kategorie Streetart zuzuordnenden Hansa-Grafitti zum Umsteigepunkt Holbeinsplatz lautet zunächst die Devise.

Umstiegspunkt Holbeinplatz
Umstiegspunkt Holbeinplatz

An der Haltestelle Holbeinplatz wechsle ich das Transportmittel und steige aus der S- in die Straßenbahn. Beim Warten auf die Tram fällt mir ein Touri-Paar mit Stadtplan in der Hand auf. Die beiden planen ihren Rostockbesuch. Kurzentschlossen geselle ich mich dazu und lasse die beiden netten Menschen von den meinerseits gestern gesammelten Erfahrungen und Eindrücken profitieren. Dankbar und aufmerksam hören sie zu und nehmen sogar etwas mit, und zwar dass der Turm der Petrikirche begehbar ist. Das war ihnen beispielsweise bis dato unbekannt.

Dann kommt auch schon die Tram. Weiter geht´s zur Haltestelle Kabutzenhof.

Umstiegspunkt Holbeinplatz, oben die S-, unten die Straßenbahn
Umstiegspunkt Holbeinplatz, oben die S-, unten die Straßenbahn

Am eigenen Leib erfahre ich nun, wie ätzend es ist, wenn die Haltestellenanzeige an Bord hakt. Ich steige eine Station zu spät aus, muss ein gutes Stück weit zurück latschen und visiere den Anleger der Warnowfähre "Kabutzehnhof" an um aufs Gehlsdorfer Ufer überzusetztzen.

Auf dem Weg zum Anleger der Warnowfähre "Kabutzehnhof"
Auf dem Weg zum Anleger der Warnowfähre "Kabutzehnhof"
Warnowfähre, Rostock
Warnowfähre, Rostock

Gehlsdorfer Warnowufer
Gehlsdorfer Warnowufer
Gehlsdorfer Warnowufer

Das Gehlsdorfer Ufer wird seinerseits von der sich immer wieder zeigenden Dezembersonne verwöhnt und bietet mir mehrere schöne Bänke zum Abhängen. Eine davon okkupiere ich eine gute Stunde lang und bin froh darüber, so früh und rücksichtslos aus dem Dreamland in die Realität zurückgeholt worden zu sein.

Blick vom Gehlsdorfer Ufer über die Warnow
Blick vom Gehlsdorfer Ufer über die Warnow

Es kommt, wie es mal wieder kommen muss und ich würde gern eine Stunde Asselzeit geschenkt bekommen. Es hilft alles nichts, ich bin nicht Herr über die Zeit und so geht es wieder zurück, wo ich mich schon auf das zuvor erspähte Denkmal freue.

An Bord der Warnowfähre von Gehlsdorf zum Kabutzenhof
An Bord der Warnowfähre von Gehlsdorf zum Kabutzenhof
Gedenkstätte revolutionärer Matrosen
Neun Meter hohe Bronzeskulptur der Gedenkstätte revolutionärer Matrosen (hier lohnt sich der Klick auf den Wikipediaartikel für jeden an solchen Denkmälern interessierten Leser)

Da ich davon ausgehen muss, dass der eine oder andere der sich hier tummelnden Leser zu klickfaul ist: das Denkmal ist, wie der Name verrät, den revolutionären Matrosen gewidmet und erinnert an den Kieler Matrosenaufstand (w) von 1918. Dabei fungiert(e) es als Symbol der deutsch-sowjetischen Freundschaft und dient(e) der Erinnerung an die Novemberrevolution (w), die wiederum durch den Kieler Matrosenaufstand provoziert wurde. Geschichte kann so spannend sein! Wie auch immer. Es wurde 1977 eingeweiht und zuvor von Wolfgang Eckardt und Reinhard Dietrich gestaltet.

Gedenkstätte revolutionärer Matrosen
Circa 20m lange, absolut sehenswerte Reliefwand der Gedenkstätte revolutionärer Matrosen

Die Gedenkstätte revolutionärer Matrosen begeistert mich, auch des geschichtlichen Hintergrundes wegen (noch an Ort und stelle zücke ich das Smartphone und erfahre von eben jenem). Angeblich soll das Ensemble saniert und der Platz drumherum umgestaltet werden. Gute Idee!

Gedenkstätte revolutionärer Matrosen, Ewige Flamme
Gedenkstätte revolutionärer Matrosen, Ewige Flamme

Am Rostocker Hauptbahnhof steige ich in den bereitgestellten IC, bei dem es sich abteilstechnisch um einen alten Interregio handelt. Das bedeutet, dass sich die Scheiben auf dem Gang nach unten drücken lassen. Yeah, das verspricht eine stilvolle Fahrt nach Bad Kleinen.

Rostock Hbf
Rostock Hbf

Und so vergeht die Fahrt von Rostock nach Bad Kleinen wie im Flug. Ich schaue aus dem offenen Fenster, höre Mucke und freue mich. Tage wie diese sind einfach erfüllend und sorgen für volle Akkus im Alltag.

Fazit zu meinem Besuch in Rostock? Eine Stadt, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe. Eine Stadt, die den normalen Touristen, ganz besonders bei Sommerwetter, begeistern wird. Abgesehen von dem Gesamtbild einer geschichtsträchtigen Hanse- mit standesgemäßer Altstadt bietet sie platteninteressierten Freaks ebenfalls eine Menge.


Zu guter Letzt darf eine kleine während meines Aufenthaltes gesammelte Hansasticker-Kollektion nicht fehlen. Auch wenn es mir noch so schwerfällt: dieses vid ist cool. Auch wenn ich mich aggro zeigen sollte aufgrund meiner Zuneigung zu den Hütteldorfern. Respekt ist auch so möglich.


Zack, schon bin ich in Bad Kleinen. Bad Kleinen? Da war doch was. Richtig (w).

Bahnhof Bad Kleinen
Bahnhof Bad Kleinen

Mein persönliches Dillemma in Bad Kleinen ist die vermeintliche Nähe zu den Ufern des nördlichen Teils des Schweriner Sees. Luftlinie ist der See einen gekonnten Weitwurf entfernt und es wäre zu geil, wenn es eine unter den Gleisen durchführende Passage direkt am Bahnhof gäbe. Konjunktiv, gibt es nämlich nicht. Aber einen Kilometer weiter Richtung Schwerin soll es einen Fußgehertunnel geben. Verrät mir meine äußerst empfehlenswerte offline nutzbare Navigations-App. Nichts wie hin.

Altes Postamt, Bad Kleinen
Altes Postamt, Bad Kleinen
Schönes Oldschool-Gebäude
Schönes Oldschool-Gebäude

Für den Fall, dass jemand Bock auf einen Zwischenstopp in Bad Kleinen zwecks Besuch des Schweriner Sees haben sollte und mal auf der Ecke ist die Info, dass es auf dem Weg vom Bahnhof zum Tunnel einen Getränkemarkt gibt, sicher wertvoll. Ich habe alles dabei und verzichte auf einen Besuch. Stattdessen schlendere ich entspannt zum Tunnel und genieße den verschlafenen Straßenkaffstyle. Bad Kleinens Ausfallstraße gen Schwerin gefällt mir, die Atmosphäre ist klasse. Verschlafen, idyllisch und irgendwie "Heile-Welt"-mäßig.

Idyllischer Straßenort-Style, Bad Kleinens Ausfallstraße nach Schwerin (rückwärts gen Postamt und Bahnhof fotografiert)
Idyllischer Straßenort-Style, Bad Kleinens Ausfallstraße nach Schwerin (rückwärts gen Postamt und Bahnhof fotografiert)

Nach paar Minuten biege ich, der begrüßenswerterweise vorhandenen Beschilderung folgend, links ab und studiere die anlässlich des schmalen Tunnels aufgestellten Informationstafeln. Eiertunnel nennt sich das Teil also. Der Name ist Programm und der Tunnel m.E. eine echte Sehenswürdigkeit. Wenn Du mehr über den Eiertunnel wissen willst, lies dir doch einfach den Text auf den beiden folgenden Pics durch. Wo liegt er denn eigentlich genau, dieser ominöse Eiertunnel, wirst Du dich gegebenenfalls fragen.

Frage beantwortet. Weiter geht´s mit den versprochenen Infotafeln.

So war das also mit dem endcoolen Eiertunnel...
So war das also mit dem endcoolen Eiertunnel...
So war das also mit dem endcoolen Eiertunnel...
So war und ist das also mit dem endcoolen Eiertunnel...

Alle Infos sind aufgesogen (?). Nun aber nichts wie ab durch den Eiertunnel, den ich sofort in mein Herz schließe.

Endcooler Eiertunnel, Blick Richtung Seeufer
Endcooler Eiertunnel, Blick Richtung Seeufer
Endcooler Eiertunnel, Blick Richtung Seeufer
Endcooler Eiertunnel, Blick Richtung Seeufer

Gut, dass der Boden des Eiertunnels eben ist. Ansonsten bestünde akute Abledergefahr.

Endcooler Eiertunnel, auf der Seite des Seeufers
Endcooler Eiertunnel, auf der Seite des Seeufers

Auf der anderen Seite angekommen, nach Unterquerung der Gleise circa einen Kilometer vom Bahnhof Bad Kleinens entfernt, erreiche ich das Ufer des Sees. Auch auf die Gefahr hin dass es auf die Nüsse geht: die Zeit ist extrem knapp. Es ist wie es ist. Habe insgesamt läppisch-lächerliche zwei Stunden Aufenthalt in Bad Kleinen, ehe es weiter nach Lübeck geht. Von diesen zwei Stunden sind bereits 30 Minuten verstrichen. Also suche ich mir schleunigst eine Asselgelegenheit am Ufer, werde fündig, fülle Seiten, bin geflashed, stelle mir vorsichtshalber den Handywecker und genieße - alles!

Bad Kleinen, am Ufer des Schweriner Sees
Bad Kleinen, am Ufer des Schweriner Sees

Mehr geht nicht. Meine Erwartungen waren gering. Was ich geboten bekomme ist riesig. Es ist windstill, vor mir plätschern die sanften Miniwellen gegen das Ufer und es liegt, ab und zu unterbrochen von in meinem Rücken verkehrenden Zügen (Harlow-Style... ), einfach nur Stille, Ruhe, Harmonie in der sprichwörtlichen Luft. Der Ort ist etwas ganz besonderes und ich verspreche mir selbst, bei der nächstbesten Gelegenheit wieder herzukommen (dass das dermaßen schnell geschehen würde ahne ich jedoch noch nicht).

Schließlich verabschiede ich mich schweren Herzens vom phänomenalen Asselplatz und eile zurück zum Bahnhof. In Lübeck wartet eine Party. Viel lieber würde ich an Ort und Stelle Isomatte und Schlafsack ausrollen und bleiben. Solange ich will. Geht nicht. Ab zur Party. Auch nicht die schlimmste Aussicht. Dennoch aktuell grausam.

Gesamtfazit zum Trip: so geil, dass ich ihn von der Art her umgehend wiederholen und Schwerin abchecken werde.

Vielen Dank für das Interesse und deine Aufmerksamkeit.

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