Serbien Rund-Tour
(Frühsommer 2021)

Tag 1 - Tag 2 -Tag 3 - Tag 4 - Tag 5 - Tag 6 - Tag 7 - Tag 8 - Tag 9 - Tag 10/11

Tag 1: Budapest - Röszke / Horgos - Kikinda - Zrenjanin - Vrsac - Stara Palanka / Ram - Požeženo

Im Frühsommer 2021 begeben BH und ich uns in eines meiner absoluten Lieblingsländer: Serbien. Von Budapest aus sind es weniger als 200 Km bis zum Grenzübergang Röszke (H) / Horgos (SRB).

Die Ungarn lassen uns unkontrolliert aus- und die Serben stressfrei und komplikationslos einreisen. Läuft bei uns. Schon fahren wir durch Horgos durch und in bester Roadtripmanier nach Kikinda. Einfach schön, mal wieder auf Tour zu sein. BH und ich strahlen um die Wette und sind bestens aufgelegt. A propos "Kikinda", nach Kikinda wollte ich schon immer mal, heute ist es soweit.

Was sagt Wikipedia im entsprechenden Artikel (w) eigentlich so über Kikinda? Unter anderem das folgende:

"Kikinda, ungarisch Nagykikinda, deutsch Großkikinda, rumänisch Chichinda Mare, slowakisch Kikinda) ist eine Stadt in der serbischen Provinz Vojvodina, an der Grenze zu Rumänien. Kikinda ist außerdem der Hauptverwaltungssitz bzw. die Hauptstadt des Okrug Severni Banat (Severno-Banatski okrug). Die gesamte Gemeinde hat 67.000 Einwohner, davon sind 76 % Serben und 12,8 % Ungarn. Der Ort Sajan (ungarisch: Szaján) hat eine ungarische Mehrheit. In Topola (ung. Töröktopolya) und Rusko Selo (ung. Torontáloroszi) machen die Ungarn etwa 20 % der Bevölkerung aus.

Die Stadt Kikinda befindet sich auf dem Gebiet alter, zum Großteil verschwundener Kulturen und Zivilisationen. Unzählige archäologische Funde zeigen, dass an dieser Stelle Menschen schon vor 7000 Jahren Siedlungen erbaut haben, die immer wieder durch Kriege oder sonstige Unruhen zerstört oder entvölkert wurden, und sich immer wieder neue Völker ansiedelten.

Erwähnenswerte Ereignisse beginnen in den Jahren 1751 bis 1753, als sich eine große Anzahl von Menschen dort ansiedelte. In den ersten Jahren waren es ausschließlich Serben, die als österreichische Untertanen die Grenze zum Osmanischen Reich an den Flüssen Moriš und Theiß bewachten. Diese verloren jedoch ihre Schutzaufgabe, nachdem die Osmanen infolge des Friedens von Passarowitz, den sie in der Stadt Požarevac mit Österreich-Ungarn schließen mussten, das südliche Banat an Österreich-Ungarn abgeben mussten. Später siedelten dort auch viele Deutsche, Ungarn und Juden.

Zirka zwanzig Jahre nach der offiziellen Gründung der lokalen Gemeinden in diesem Gebiet gründete die österreichische Monarchin Maria Theresia am 12. November 1774 den „Privilegierten Bezirk Gross Kikinda“ und als Hauptverwaltungssitz die Stadt Kikinda. Es gab im Rahmen des Bezirks noch neun weitere serbisch besiedelte Gemeinden: Srpski Krstur, Jozefovo (Teil des heutigen Novi Kneževac), Mokrin, Karlovo, Bašaid, Vranjevo (Teil des heutigen Novi Becej), Melenci, Kumane und Taraš. Die Einwohner dieser Ortschaften hatten zur Zeit der Österreichischen Monarchie im Gegensatz zu den serbischen Gebieten im osmanischen Teil sehr viele ökonomische und politische Vorteile, die bis heute spürbar sind. Ende des 19. Jahrhunderts war Kikinda mit über 22.000 Einwohnern eine der bevölkerungsreichsten Städte des Banats."

Interessant, interessant.

Anfangs sind BH und ich leicht verpeilt unterwegs, wir müssen uns erstmal akklimatisieren und raffen, dass wir nun tatsächlich am Beginn eines spitzenmäßigen Roadtrips durch eines der wie ich meine besten Urlaubsländer überhaupt stehen und das wir, ganz einfach ausgedrückt, sind wo wir sind. Wir latschen ein wenig umher und freuen uns.

Im Herzen der im Nordosten Serbiens gelegenen Stadt Kikinda (*klick* aufs Foto und BH zeigt sich mal wieder, leicht verballert und zugleich freudestrahlend)
Im Herzen der im Nordosten Serbiens gelegenen Stadt Kikinda
Kikinda, "Kirche der Übersetzung der Reliquien des Heiligen Nikolaus" - so heißt die Kirche anscheinend tatsächlich...
Kikinda, "Kirche der Übersetzung der Reliquien des Heiligen Nikolaus" - so heißt die Kirche anscheinend tatsächlich
National Museum, Kikinda
National Museum, Kikinda

Kikinda hat uns gut gefallen. Noch besser allerdings gefällt uns der Rostilj kurz vor Zrenjanin, bei dem wir aufgrund des großen Andrangs seitens der lokalen Bevölkerung einen Stopp einlegen, Pljeskavica bestellen und uns begeistert serbisches Top-Food einverleiben. Dieser Rostilj kann es locker mit seinem Pendant in Apatin (eigenes Foto) aufnehmen, sogar mit dem in Bitola (MK) - und das will was heißen, Freunde der Balkan-Grill-Nahrung. Leider habe ich die exakte Lage des Schuppens vergessen, er befindet sich auf der Strecke von Kikinda nach Zrenjanin und ist, rechter Hand, nicht zu übersehen. Ein absoluter Top-Laden, wie sich gleich herausstellen wird.


Das nenne ich mal eine Speisekarte, Junge Junge, geil!

Mit meinen zuletzt eindrucksvoll erworbenen Kenntnissen der ungarischen Sprache komme ich hier nicht weiter und mein Grundvokabular "Slawisch" wird seitens der drei Damen im Grill kaum verstanden. Macht nichts, irgendwie schaffen es BH und ich trotzdem, unsere Order zu platzieren und das zu bekommen, was wir uns wünschen und worauf wir uns, ganz besonders ich mich, schon im Vorfeld dieses Trips mega gefreut haben. Der Andrang ist enorm und jede Bestellung mit Wartezeit verbunden. Die leckeren Speisen werden nämlich erst nach der Bestellung auf den Grill geworfen und somit allesamt frisch und vor den Augen der hungrigen Kundschaft gegrillt. Welch selten geiler Top-Laden! Auch heute noch, beim Tippen dieser Zeilen, läuft mir das Wasser im Munde zusammen beim Gedanken an die leckere Balkankost dieser erlesenen Rostilj-Bude.

Das nenne ich mal einen Pljeskavica-Sandwich, wirklich ein verdammt nochmal saugeiles Teil (umgerechnet 1,8 € sind übrigens zu zahlen für diesen kulinarischen Hochgenuss der Kategorie "mehr geht nicht")
Das nenne ich mal einen Pljeskavica-Sandwich, wirklich ein verdammt nochmal saugeiles Teil (umgerechnet 1,8 € sind übrigens zu zahlen für diesen kulinarischen Hochgenuss der Kategorie "mehr geht nicht")BH lässt es sich, so wie ich, einfach mal schmecken; alleine schon des Futters wegen lohnt sich Besuch in Serbien, keine Frage (frei nach Andy Nicholls: "Ende der Durchsage!")
BH lässt es sich, so wie ich, einfach mal schmecken; alleine schon des Futters wegen lohnt sich Besuch in Serbien, keine Frage (frei nach Andy Nicholls: "Ende der Durchsage!")

Gut gestärkt fahren wir weiter und halten in Zrenjanin. Wir wollen dort SIM Karten kaufen, der Versuch jedoch scheitert aufgrund mangelnden Angebots im Handyladen und aufgrund inexistenter fremdsprachlicher Fähigkeiten der Tante im Kiosk. Macht ja nichts, versuchen wir unser Glück halt später nochmals, und zwar in Vrsac.

Zrenjanin
Zrenjanin
Zrenjanin
Zrenjanin

In Vrsac halten wir erneut, die Stadt weiß zu gefallen und ist landschaftlich aufgrund der Hausberge sehenswert. Auch die Altstadt überzeugt, in der wir in einem MTS-Laden endlich SIM-Karten verkauft und auch freigeschaltet bekommen. Eine Datenflat für eine Woche kostet 2,8€, da gibt es nichts zu knurren - ganz im Gegenteil. Eine Registration der SIM-Karte findet übrigens überhaupt nicht statt, lediglich eine Freischaltung. Cool!

BH im Zentrum von Vrsac (SRB)
BH im Zentrum von Vrsac (SRB)
Tomasz samt T6 im Zentrum von Vrsac (SRB)
Tomasz samt T6 im Zentrum von Vrsac (SRB)
Stylishes Hochhaus im Zentrum von Vrsac (SRB)
Stylishes Hochhaus im Zentrum von Vrsac (SRB)

Von Vrsac fahren wir an Bela Crkva vorbei nach Banatska Palanka, das ganze ab Weißkirchen 1:1 auf den Spuren der Radtour im Sommer 2005 (zusammen mit Ulf). In Banatska Palanka finden wir den Fähranleger exakt so, wie ich eben jenen auch seit nun fast 16 Jahren in Erinnerung behalten habe, vor. Wir haben Glück, in einer halben Stunde geht die letzte Überfahrt des Tages nach Ram. Alle drei Stunden geht eine Fähre, insofern kann man in diesem unsrigen Fall tatsächlich von einem guten Timing sprechen.

Banatska Palanka, Anlegestelle der Fähre von und nach Ram
Banatska Palanka, Anlegestelle der Fähre von und nach Ram

Nicht nur die Anlegestelle, nein, auch die Fähre präsentiert sich so, wie ich eben jene seit nun fast 16 Jahren in Erinnerung behalten habe. Hätte ich selbst nicht für möglich gehalten, diese durchaus als kurios zu bezeichnende Fähre bzw. Fährverbindung nochmals zu nutzen.

Sie hat sich im Laufe der letzten circa 16 Jahre nicht verändert, die Fähre "Banatska Palanka - Ram"
Sie hat sich im Laufe der letzten circa 16 Jahre nicht verändert, die Fähre "Banatska Palanka - Ram"
BH an Bord der Fähre "Banatska Palanka - Ram"
BH an Bord der Fähre "Banatska Palanka - Ram"
Abendstimmung an Bord der Fähre "Banatska Palanka - Ram"
Abendstimmung an Bord der Fähre "Banatska Palanka - Ram"

Die Überfahrt mutet nostalgisch an, dauert eine gute halbe Stunde und gefällt uns total. Einfach nur schön.

Unterwegs in Serbien, in diesem konkreten Fall an Bord der Fähre "Banatska Palanka - Ram"
Unterwegs in Serbien, in diesem konkreten Fall an Bord der Fähre "Banatska Palanka - Ram"

Ziel der Überfahrt ist Ram und ich kann mich noch gut an den in erster Linie für seine alte Festung bekannten Ort erinnern. Die Festung ist inzwischen restauriert worden und nicht wiederzuerkennen, war es doch damals schlichtweg nichts weiter als ein freilich geschichtsträchtiger, ansonsten jedoch einfach nur so vor sich hin gammelnder Steinhaufen auf dem Hügel oberhalb des Flussufers. Das Ufer selbst ist steil, daran kann ich mich auch noch lebhaft erinnern, denn die Fahrt hinauf mit dem Rad war echt eine Qual, zumal die hochsommerlichen Temperaturen in der Zeit bei circa 32°C lagen. Mit dem T6 freilich ist das alles kein Problem. Wir heizen nach Požeženo, wo sich ein schöner Freistehplatz am Donauufer befinden soll, den es nun zeitnah und idealerweise im letzten Tageslicht zu erreichen gilt.

Kurzum: den via App ausfindig gemachten Top-Freistehplatz an der Donau gibt es tatsächlich und wir schaffen es auch, diesen zu erreichen. Aber, Herrschaftszeiten, auf was für selten beknacktem Wege? Wir prügeln den T6 durchs Dickicht und hoffen, dass der Lack nicht allzu viele und schon gar keinen tiefen Kratzer davontragen wird. Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Und sieh mal einer an, nach ein paar sorgenvollen, stressigen Minuten richten wir uns an der Donau, mit Blick auf die andere Uferseite nach Rumänien, gemütlich ein.

Abendstimmung an der Donau, Požeženo, Serbien
Abendstimmung an der Donau, Požeženo, Serbien

Der Platz ist der absolute Knaller, und zwar im positiven Sinne. Und zu unserer großen Überraschung sogar nahezu mückenfrei, sauber.

Weiter zu Tag 2